2022 hat Decathlon mit seinem ersten elektrischen Longtail-Lastenrad ein kleines Beben ausgelöst. Plötzlich stand da ein großes Familienrad im Laden, bezahlbar, verfügbar und erstaunlich fähig war. Nun steht der Nachfolger bereit – mit neuem Namen, aber auf den ersten Blick vertrauter Silhouette. Das Btwin E-Three 500 bleibt ein langes, pragmatisches Longtail für Familien, Einkauf und Stadtverkehr. Doch unter der bekannten Form hat Decathlon an vielen entscheidenden Stellen nachgeschärft.
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Und hier zu der Erklärung der Bewertung.
Fahrrad Kategorie
Fahrverhalten: 3/5
Das Btwin E-Three 500 fährt sich, wie es aussieht: lang, stabil und eher träge als sportlich. Der Radstand ist groß, hinten sitzt ein 20-Zoll-Rad für einen niedrigen Schwerpunkt, vorne rollt ein 26-Zoll-Rad über Bordsteinkanten und schlechte Wege.
Der neue Hecknabenmotor ist kleiner als beim Vorgänger, aber kräftiger. Mit 60 Newtonmetern Drehmoment und einer deutlich gestiegenen Maximalleistung schiebt er das Longtail energisch an. Besonders in flacheren Städten macht das richtig Spaß. Der Motor reagiert dank Drehmomentsensor feinfühlig, braucht beim Anfahren aber einen kurzen Moment, bevor er wirklich loslegt. Dann zieht er kräftig durch. An steileren Rampen merkt man allerdings die Grenzen der Kombination aus Heckmotor und der günstigen 6-Gang-Kettenschaltung. Ist das Rad schwer beladen und muss man am Berg neu anfahren, braucht es spürbar Körpereinsatz. Die Schiebehilfe beziehungsweise Anfahrhilfe wird hier zum echten Rettungsknopf: Sie bringt Rad und Fahrer erst einmal in Bewegung, auch wenn man vergessen hat, an der Ampel herunterzuschalten, an einer Rampe ist die Übersetzung im unteren Bereich aber nicht ausreichend.
Auf Kopfsteinpflaster und schlechten Wegen überrascht das Rad positiv: Federgabel, breite Reifen und Rahmen schlucken Vibrationen ordentlich weg.
Innovation/Design: 3/5
Decathlon hat den Rahmen nicht neu erfunden – und das ist in diesem Fall Absicht. Der Aluminiumrahmen bleibt im Grundsatz erhalten, inklusive dickem Unterrohr mit integriertem Akku und schlankerem Oberrohr, das nach hinten in die Verstrebungen übergeht. Das einfache Ausfallende, fehlende Riemen-Kompatibilität und der große Kasten für die Technik im Tretlagerbereich entsprechen nicht dem neusten Stand. Optisch wirkt das Rad sachlich, funktional und durchaus stattlich. Ein paar Details stechen dennoch hervor. Der neue Scheinwerfer sitzt an Lenker oder unter dem Frontgepäckträger, das Rücklicht kommt mit Bremslicht und greift die Lichtsignatur des Frontscheinwerfers wieder auf. Das Ventil am Hinterrad ist nach außen gerichtet zum leichteren Aufpumpen. Und die Federgabel kommt mit einer stabilen Steckachse. Das klingt nach Kleinigkeiten, ist im Alltag aber genau die Art von Verbesserung, die man jeden Tag bemerkt.
Der neue Name ist weniger gelungen. Btwin E-Three 500 klingt eher nach Tabellenkalkulation als nach Familienmobil. Dafür können die Familiendetails überzeugen. Große Leute bis 1,90m sitzen auf dem Rad sehr bequem und auch kleine Leute mit 1,55, finden eine passende Position. Nur der sehr hohe Einstieg kann den Spaß verhageln.
Ausstattung: 3/5
In der Basis bringt das Btwin E-Three 500 alles mit, was man braucht. Der Motor ist kräftig, der Akku groß, die Beleuchtung zufriedenstellend. Auch bei den Bremsen setzt Decathlon nun auf kräftige Vierkolbenbremsen.
Das neue Display ist einfach, aber gut ablesbar, auch bei Sonne. Die 6-Gang Schaltung wird dem Alltag der Meisten wahrscheinlich gerecht, alle, die öfter über rumpeliges Terrain fahren oder Steigungen bewältigen müssen, werden aber Kettenspannung und Bandbreite vermissen. Im Test wirkte die Schaltung etwas hakelig und für Menschen mit kleinen Händen ist der Schalthebel nicht ideal, weil der Daumen beim Hochschalten weit greifen muss.
Preis: 5/5
2.699 Euro sind für ein elektrisches Longtail-Lastenrad eine Ansage – und zwar im positiven Sinne. Natürlich merkt man an manchen Stellen, dass Decathlon den Preis niedrig halten möchte. Trotzdem bietet das Btwin E-Three 500 enorm viel Rad fürs Geld. Gerade beim durchdachten Zubehör, bei der tollen Familientauglichkeit und beim kräftigen Motor wirkt es in Teilen besser ausgestattet als manche deutlich teurere Konkurrenz. Wer ein großes, praktisches Familienrad sucht und nicht zwingend Premium-Komponenten erwartet, bekommt hier ein sehr überzeugendes Paket.
Qualität: 3/5
Der Rahmen wirkt sauber verarbeitet und solide, nur beim Einstieg haben sich nach kurzer Zeit Kratzer gezeigt. Ein guter Schritt ist der Wechsel von Bambus-Elementen am Heck zu Kunststoff-Boards. Bambus sieht schön aus, ist aber pflegeintensiver. Kunststoff ist im nassen, dreckigen Familienalltag die robustere Wahl. Der sehr lange Kettentrieb verlangt nach regelmäßiger Pflege, da er über weite Strecken ungeschützt ist. Die Qualität der Anbauteile ist solide und passt zu dem Preis.
Wenn das Rad repariert oder gewartet werden muss, stehen in Deutschland über 100 Decathlon Filialen mit angeschlossener Werkstatt bereit, für intensivere Reparaturen wird das Rad aber oft eingeschickt, was Zeit kostet. Durch die einfache Technik können jedoch auch viele Rad-Werkstätten an dem Decathlon Longtail arbeiten, von der Elektronik abgesehen.
Lastenrad Kategorie
Variabilität: 4/5
Das Btwin E-Three 500 ist ein echtes Baukastenrad. Vorne lassen sich kleinere Einkäufe, Kita-Rucksäcke oder Taschen transportieren. Hinten ist Platz für zwei Kinder, Kindersitze mit seitlicher Klemmung, Taschen, Boxen oder andere Transportlösungen. Die hohe Frontträgerposition ist allerdings ein kleiner Nachteil. Wegen des großen Vorderrads sitzt der Träger recht hoch, wodurch hohe Lasten dort ungünstig werden können. Außerdem darf die Ladung den Lenkeinschlag nicht stören.
Die Konstruktion des hinteren Gepäckträgers wurde deutlich verbessert, wodurch nun Packtaschen mit Zubehör oben drauf kombiniert werden kann.
Das Rad bringt rund 40 Kilogramm auf die Waage und erlaubt ein zulässiges Gesamtgewicht von 209 Kilogramm. Damit bleibt ordentlich Spielraum für Fahrer, Kinder, Einkauf und Zubehör.
Sitze/Bank: 4/5
Hinten gibt es weiche, abwaschbare Sitzpolster. Sie sind angenehm und familientauglich, sitzen aber nicht ganz so fest, wie man es sich wünschen würde. Die Reling wirkt dagegen sehr stabil und vertrauenerweckend. Gut gelöst sind die seitlichen Schutzbügel. Die vorderen und hinteren Bügel stehen etwas weiter heraus als die obere Reling. Sollte das Rad einmal umkippen, können Kinderhände dadurch besser geschützt sein. Für ein Rad in dieser Preisklasse ist das ein sehr durchdachtes Detail. Kindersitze mit seitlicher Klemmung lassen sich ebenfalls einfach montieren und mit den Taschen kombinieren.
Der Heckträger trägt bis zu 80 Kilogramm. Damit ist nicht nur der Transport von zwei Kindern realistisch, sondern auch die Mitnahme eines Erwachsenen möglich. Für Familien mit zwei Kindern ist das Rad damit genau in seinem Element.
Zubehör: 4/5
Hier spielt Decathlon seine größte Stärke aus. Die großen Seitentaschen sind ein echtes Highlight. Sie bieten 50 Liter pro Seite, also 100 Liter Gesamtvolumen, haben reflektierende Details, zusätzliche kleine Taschen, Netze, Ablauföffnungen und lassen sich clever verschließen. Besonders gelungen ist der geteilte Deckel: Eine Seite kann offen bleiben, etwa für Kinderbeine oder einen Kindersitz, während die andere Seite geschlossen bleibt und Gepäck vor Regen oder neugierigen Händen schützt. Das ist ein großartiges Detail für den Alltag.
Ebenfalls gelungen ist das Regenverdeck. Es ist direkt in einer Tasche am Heck integriert, in rund 90 Sekunden aufgebaut und immer dabei. Es bietet reflektierende Flächen, gelbe Akzente, Öffnungen zum Einsteigen und lässt sich bei Sonne aufrollen, sodass ein Sonnenschutz mit Durchzug entsteht. Für den Preis an diesem günstigen Longtail ist das außergewöhnlich gut gelöst. Zusätzlich gibt es textile Elemente für die Reling, die als Windschutz, Stauraum und Sichtbarkeits-Upgrade funktionieren. Kleine Taschen für Schloss, Kuscheltiere oder Alltagskram zeigen: Hier hat jemand wirklich über Familiennutzung nachgedacht.
Besonders stark ist, dass Decathlon ein umfangreiches Zubehörprogramm für Front- und Heckträger plant. Ladeflächen, Körbe, Boxen und Taschen sollen das Rad je nach Familienalltag wandelbar machen. Damit kann das E-Three 500 vom Kindertransporter zum Einkaufsrad und wieder zurück wechseln.
Parken und Rangieren: 2/5
Mit 40 Kilogramm Eigengewicht und langem Radstand ist das Btwin E-Three 500 kein Rad, das man mal eben durchs Treppenhaus balanciert. Beim Rangieren braucht es Platz. Beim Wenden merkt man die Länge deutlich, und mit breiten Taschen muss man aufpassen, nicht irgendwo hängen zu bleiben.
Trotzdem lässt sich das Rad überraschend gut schieben. Das kleine Hinterrad senkt den Schwerpunkt, und die Geometrie bleibt kontrollierbar. Der hohe Einstieg ist aber beim Auf- und Absteigen ein echter Alltagspunkt. Besonders wenn hinten Kinder sitzen, kann man nicht einfach locker über den Gepäckträger schwingen. Wer eher klein ist oder in engen Situationen häufig absteigen muss, sollte das unbedingt bei einer Probefahrt prüfen. Der Ständer ist grundsätzlich stabil, löste sich im Test aber mehrfach. Das ist kein Detail, sondern bei einem Familienrad sicherheits- und nervenrelevant. Hier sollte Decathlon dringend nachbessern.
Einfach ist wiederum das Anschließen. Durch das Speichenschloss am Vorderrad und die großen Rahmenöffnungen lässt es sich gut sichern.
Sicherheit: 4/5
Bei der Sicherheit sammelt das Btwin E-Three 500 viele Punkte. Die Beleuchtung ist durchdacht positioniert, vorne mit breitem Leuchtbild und Tagfahrlichtsignatur, hinten mit Bremslicht. Reflektierende Details an Taschen, Verdeck und Textilteilen erhöhen die Sichtbarkeit deutlich.
Die stabile Reling, die breiteren seitlichen Schutzbügel und die hohe Traglast des Heckträgers vermitteln Vertrauen beim Kindertransport. Auch die Bremsanlage passt zur Gewichtsklasse des Rads. Sie braucht zwar etwas Handkraft, bringt das Rad aber zuverlässig und kontrolliert zum Stehen.
Kritisch bleiben der hohe Einstieg, das leichte Aufschaukeln bei Frontlast und der nicht perfekte Ständer. Das sind keine Ausschlusskriterien, aber Punkte, die man kennen sollte.
Die Bremsen kommen von Tektro und arbeiten mit Vierkolbensätteln. Sie verzögern das schwere Rad zuverlässig, verlangen aber etwas Handkraft. Gut: Das Rad bleibt beim starken Bremsen kontrollierbar und neigt nicht nervös zum Ausbrechen.
Gesamtscore: 35/50
Fazit:
Das Btwin E-Three 500 ist kein perfektes Lastenrad. Es hat einen hohen Einstieg, einen verbesserungswürdigen Ständer, eine eher einfache Schaltung und fühlt sich mit viel Frontlast nicht ganz so souverän an wie manche teurere Konkurrenz.
Aber: Für 2.699 Euro liefert Decathlon ein erstaunlich komplettes, kräftiges und familienfreundliches Longtail. Der Motor macht Spaß, das Zubehör ist teilweise herausragend durchdacht, die Transportmöglichkeiten sind groß und der Alltag steht klar im Mittelpunkt. Besonders in flacheren Städten ist das Btwin E-Three 500 ein sehr starkes Angebot für Familien, die viel Rad brauchen, aber nicht das Budget eines Kleinwagens ausgeben möchten.
* Decathlon hat uns das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung der Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.
