Dolly Joy – Endlich ein Long John unter 5.000€

Das Long John, oder Bakfiets, wie die Niederländer sagen, hat in den letzten Jahren äußerst wilde Blüten getrieben! Umso erfrischender ist es, wenn sich ein Hersteller auf das wesentliche konzentriert und das auch noch zu einem sehr attraktiven Preis! Wir konnten das neue Dolly Joy jetzt mehrere Wochen im Alltag bewegen, daher kommt hier unsere Bewertung!

Hier gehts zur Score-Übersicht.

Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 4/5
Die aufrechte Sitzposition lässt es nicht vermuten, aber mit dem Dolly Joy kann man richtig Spaß haben! Die Lenkung ist leichtgängig, auch wenn das Rad beladen ist, die Federgabel schluckt Unebenheiten zuverlässig weg und die unverkrampfte Haltung ermöglicht es, das Rad leichtgängig durch die Gegend zu zirkeln. Schmale Gassen sind durch die recht hohe Breite zwar eine Herausforderung, aber der große Lenkeinschlag lässt das Rad deutlich kleiner wirken, als es tatsächlich ist. Der Performance Line hat ausreichend kraft, wird aber durch die sehr lang ausgelegte Übersetzung der Nexus 5E eingeschränkt. Die Bandbreite der Nabe an sich reicht für die allermeisten Anwendungen im Urbanen Raum vollkommen aus. Aber hier wäre für eine bessere Steigungs-Tauglichkeit eine kürzere Übersetzung sinnvoll. Auch um das Rad voll beladen zu beschleunigen.
Die günstigen CST Reifen haben einen überraschend hohen Komfort, sind aber beim Grip nicht ganz vorne mit dabei.

Innovation/Design: 3/5
Das Design des Dolly wurde im Vergleich zur ersten Version nur behutsam angepasst, aber in entscheidenden Details verbessert. Auch wenn die Bauform an sich und das Platzangebot super sind, hätte ein niedrigeres Tretlager und eine nach unten hin etwas größere Box den Mehrwert noch erhöht. Technisch fallen die horizontalen Ausfallenden und die fehlende Riemen-Kompatibilität auf, dies fällt aber eher bei Reparatur und Wartung ins Gewicht als während der Fahrt. Optisch ist das Dolly kein Hingucker, aber eine solide Erscheinung…außer man wählt die tolle Farbe „Very Berry“. In Sachen Innovation kommt nun das Smart System von Bosch zum Einsatz, das für die Zukunft noch viele Möglichkeiten bietet.

Ausstattung: 4/5
Gemessen an dem Preis bietet das Dolly eine tolle Ausstattung. Die Kontaktpunkte sind gut und passend gewählt und gerade bei den Ergon Griffen kommt sogar Premium Gefühl auf! Dass Dolly hier die gute Suntour Mobie 34 Gabel einsetzt unterscheidet es von teilweise deutlich teureren Rädern. Der kleine Serien-Akku und der recht schwache Scheinwerfer stehen auf der anderen Seite der Medaille, sind aber bei dem Preis absolut verkraftbar.

Preis: 5/5
Mit einem Preis ab 4.299€ unterbietet Dolly aktuell sämtliche Konkurrenz und schafft das trotz ziemlich hochwertiger Teile und einer großen Kunststoffbox, klasse!

Qualität: 4/5
Die Verarbeitungsqualität des Dolly geht voll in Ordnung. Die Kunststoffbox ist stabil, hat nur an den Kanten etwas raue Stellen und ist gleichmäßig gefärbt. Die Rahmenqualität und die Beschichtung sind ebenfalls gut, genau so wie das Zubehör an unserem Testrad. Die Kette ist per se natürlich nicht so langlebig wie ein Riemen, ist aber durch die fast komplette Kapselung kaum Umwelteinflüssen ausgesetzt und sollte somit mit einem Minimum an Pflege sehr lange halten. Die Verbindungspunkte der Lenkung und die Rohre der Federgabel sind dann noch freiliegend und benötigen hin und wieder Aufmerksamkeit, das ist aber nicht unüblich. Das Händlernetz von Dolly ist ziemlich ausgeprägt, sodass auch Wartungen und Reparaturen in der Nähe umgesetzt werden können. Hier ist dann auch der Einsatz des Bosch Systems ein großer Vorteil, da im Grunde jede Werkstatt etwas mit diesem System anfangen kann.

Lastenrad Kategorie 

Variabilität: 4/5
Zwar lässt das Dolly Laderaumkonzepte und wechselbare Boxen oder ähnliche Ideen vermissen, diese sind aber bei dieser Bauform auch nicht notwendig. Das Dolly präsentiert sich prominent als Familienlastenrad. Dennoch bekommt man dank der geräumigen Box und der hohen Zuladung sehr viel unter und dank des Gepäckträgers sind auch Packtaschen und Körbe gern gesehen. Wenn Kinder auf der Bank sitzen kann sämtliches Gepäck noch in der Box verstaut werden und auch (kleinere) Hunde finden zusätzlich Platz.


Sitze/Bank: 3/5 
Die Kunststoffsitzbank ist sehr einfach gehalten und recht hart. Dies ist dank der Federung nicht kritisch, empfindlichere Kinder wünschen sich aber wahrscheinlich ein Sitzkissen. Dank der geschwungenen Rückenlehne sitzen die Kinder insgesamt aber bequem. Die Rückenlehne ist im Vergleich zur Vorgängerin zwar gewachsen, dennoch hätte sie gerne noch höher sein können, denn Kopfstützen vermisst man, wenn das Regenverdeck nicht verwendet wird. Die Dreipunktgurte sind dank der zusätztlichen Bewehrung in der Funktion sehr gut. Kinder können mit der Trittstufe selbst in die Box einsteigen, es sei aber gesagt, dass die Einstiegkante mit über 80cm über dem Boden recht hoch ist. Die Nutzungsdauer für die Kindermitnahme ist dank der Babyschalen Halterung und der Eignung für größere Kinder aber sehr lang.

Zubehör: 4/5
Dolly hat es schlau gemacht und die grundsätzliche Konstruktion von Rahmen und Box beibehalten, sodass vieles des alten Zubehörs weiter verwendet werden kann. Egal ob ihr einen Hund oder Baby mitnehmen wollt, es gibt ein passendes Zubehör fürs Dolly inklusive verschiedener Möglichkeiten, die Box abzudecken. Hier sind alle Basics adressiert, ohne allerdings Maßstäbe zu setzen.

Parken und Rangieren: 3/5
Mit 265cm Länge und gewogenen 57kg mit sämtlichem Zubehör ist das Dolly Joy ein echter Koffer. Das macht das Rangieren und Parken nicht immer leicht, besonders wenn es sich um schmale Fahrradständer handelt. Dank des recht großen Lenkeinschlags kann es aber mit wenigen Zügen umgedreht werden und kommt auch auf schmalen Straßen mit einem Zug herum. Mit dem Speichenschlosses samt Einsteckkette ist das Anschließen ziemlich einfach und rückwärts eingeparkt findet man in den meisten Fällen genug Raum zum Abstellen. Der Ständer ist insgesamt leichtgängig in der Bedienung, kommt schwer beladen aber nicht an den Klassenprimus heran.

Sicherheit: 3/5
Die Fahrsicherheit mit dem Dolly Joy ist im wesentlichen von der aufrechten Sitzposition beeinflusst. Dadurch sitzt man entspannt, hat eine gute Übersicht und kann schnell reagieren. Das Rad reagiert zwar zackig, aber gut kontrollierbar auf Lenkbefehle, bei leerem Rad muss man aber dennoch etwas stärker aufpassen, dass das Vorderrad nicht wegrutscht. Das betrifft aber alle Räder dieser Bauform. Die Bremsen sind leicht bedienbar und verzögern sehr zuverlässig. Auf Fernlicht und Bremslicht muss man allerdings verzichten. Dolly hat auch keine zusätzlichen Reflektoren an der Box oder dem Regenverdeck integriert. Die Sicherheit für die kleinen Passagiere ist grundsätzlich gut, jedoch würde eine höhere Rückenlehne das Erlebnis noch verbessern.

Gesamtscore: 39/50

Fazit:

Das Dolly Joy ist eine gelungene Weiterentwicklung der Vorgängerin. Gemessen an dem Preis ist es ein Rad, dass den meisten Familien super passen sollte. Nur die sehr lange Übersetzung könnte zum Problem werden, wenn Steigungen zu den regelmäßigen Strecken gehören. Wir sind das Rad auf jeden Fall sehr gerne gefahren, da es sich viel besser fährt, als der kompetetive Preis vermuten lässt.

* Dolly hat uns das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung der Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

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