Es gibt Fahrräder, die wollen möglichst leicht sein. Andere wollen möglichst sportlich wirken. Und dann gibt es Räder wie das Maxx Maxximo: ein Longtail-Lastenrad, das auf den ersten Blick ziemlich normal aussieht, bei genauerem Hinsehen aber ein paar Dinge kann, die in dieser Kombination selten sind.
Vor allem richtet sich das Maxximo an Menschen, für die viele andere Fahrräder schlicht nicht gemacht sind. Große Menschen. Schwere Menschen. Menschen, die ein stabiles Alltagsrad suchen, aber nicht gleich in die Welt der Spezialräder wechseln wollen. Und genau da wird das Maxximo richtig spannend.
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Und hier zu der Erklärung der Bewertung.
Fahrrad Kategorie
Fahrverhalten: 5/5
Auf der Straße überrascht das Maxximo vor allem damit, wie normal es sich fährt. Und das ist bei einem Longtail-Lastenrad durchaus ein Kompliment. Trotz üppigem Heck, hoher Zuladung und sehr stabilem Rahmen kommt kein träges Schiff-Gefühl auf. Das Rad fühlt sich eher an wie ein sehr kräftiges, etwas längeres E-Bike. Der Rahmen wirkt steif, stabil und vertrauenerweckend. Besonders positiv fällt auf, dass die Beladung hinten zwar spürbar ist, aber nicht so stark ins Fahrgefühl reinfunkt wie bei manch anderem Longtail. Mit beladenem Frontträger neigt die Lenkung schnell zum Aufschaukeln. Maxx hat darauf allerdings reagiert; ein Lenkungsdämpfer soll künftig serienmäßig verbaut werden.
Der Bosch-Antrieb schiebt kräftig an. Besonders am Berg zeigt sich, dass der aktuelle Cargo- beziehungsweise Performance-CX-Antrieb mit bis zu 100 Newtonmetern Drehmoment sehr gut zu diesem Rad passt. Die Enviolo selbst passt grundsätzlich gut zum Alltag, beim Anfahren fühlt sie sich allerdings etwas teigig an, und wer regelmäßig in hügeligem bis bergigem Terrain unterwegs ist, sollte ernsthaft über die Rohloff-Option nachdenken.
Sehr gut gefällt das Maxximo auf schlechten Wegen. Die Kombination aus 24-Zoll-Laufrädern, breitem Lenker, stabilem Rahmen, dicken Reifen und Suntour-Federgabel sorgt dafür, dass das Rad auch auf Gravel, Kanten und Kopfsteinpflaster souverän bleibt. Vorne arbeitet die Federung sehr ordentlich, hinten kommt weniger Unruhe an als erwartet.
Innovation/Design: 5/5
Das Maxximo ist kein Rad, das auf maximale Auffälligkeit durch extreme Formen setzt. Es ist eher ein sehr sauber konstruiertes Longtail mit ein paar außergewöhnlich klugen Details. Das wichtigste davon ist der extrem niedrige Einstieg. Nur 39 Zentimeter sind es vom Boden bis über den Rahmen. Für ein Lastenrad, besonders mit dieser Belastungskapazität ist das außergewöhnlich niedrig. Dazu ist der Durchstieg breit genug, um wirklich bequem aufzusteigen. Gerade für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit, höherem Körpergewicht oder einfach wenig Lust auf akrobatisches Beinheben ist das ein echtes Argument.
Optisch bleibt das Rad groß genug, um auch großen und schweren Fahrerinnen und Fahrern zu passen. Das klingt banal, ist es aber nicht. Viele besonders stabile Räder wirken optisch klein oder gedrungen. Das Maxximo dagegen hat eine erwachsene, stimmige Erscheinung.
Dazu kommt die Maxx-typische Konfigurierbarkeit. Farben, Oberflächen, Komponenten, Antrieb, Schaltung, Ausstattung: Das Rad lässt sich weitgehend nach den eigenen Bedürfnissen zusammenstellen. Besonders schön ist die hauseigene Rahmenbeschichtung, mit der sich auch Schutzbleche und Gepäckträger in Rahmenfarbe beschichten lassen. Das Testrad in changierendem Lila-Grün zeigt, dass Lastenräder nicht nur praktisch, sondern auch richtig hübsch sein dürfen.
Ausstattung: 3/5
Die Ausstattung ist natürlich sehr von eurer eigenen Konfiguration abhängig, in der Basis sind die verbauten Teile in Ordnung, angesichts des Basispreises jedoch etwas einfach. Der Sattel ist etwas schmal, die Griffe etwas habe ich auch bei deutlich günstigeren Rädern gesehen und der Riemen will dazu bestellt werden. Der 600Wh Akku hat uns im Städtischen Alltag gut 40-45km weit gebracht. Das reicht aus, für längere Einsätze empfiehlt sich aber der 800er Akku.
Preis: 2/5
Günstig ist das Maxximo nicht. Als Maxximo Urban startet es bei 5.999 Euro. Das getestete Rad lag mit der getesteten Ausstattung bei 7.969 Euro.
Das ist viel Geld. Natürlich bekommt man hier kein Rad von der Stange, sondern ein in Deutschland aufgebautes, stark konfigurierbares Manufaktur-Bike mit hochwertigem Rahmen, kräftigem Antrieb und außergewöhnlicher Tragfähigkeit. Wenn ihr dahingehend jedoch keine erhöhten Anforderungen habt, gibt es woanders günstigere Alternativen. Es reiht sich jedoch in die gleiche Klasse ein, wie Tern GSD oder Riese & Müller Multitinker bzw. Multicharger.
Qualität: 5/5
Bei der Verarbeitung sammelt das Maxximo viele Punkte. Der Rahmen wirkt hochwertig, sauber gebaut und sehr steif. Auch auf Kopfsteinpflaster klappert am Rad selbst nichts. Das ist immer ein gutes Zeichen, denn gerade Longtails mit viel Zubehör, großen Gepäckträgern und Kindertransport-Optionen können schnell zur mobilen Geräuschkulisse werden.
Wartungsseitig hängt viel von der gewählten Konfiguration ab. Enviolo mit Riemen ist im Alltag angenehm pflegearm. Eine Rohloff ist teuer, aber für hohe Lasten und lange Nutzung eine sehr robuste Lösung.
Ein Vorteil von Maxx ist der Manufakturansatz. Das Rad wird nicht nur irgendwie zusammengestellt, sondern sehr detailliert konfiguriert. Sogar das Gewicht der einzelnen Komponenten wird im Konfigurator berücksichtigt. Das ist selten und gerade bei einem Lastenrad mit hoher Zuladung wirklich sinnvoll.
Dank der vielen Standardkomponenten können auch andere Werkstätten an dem Maxximo arbeiten, das Vertriebsnetz ist verhältnismäßig dünn und konzentriert sich eher aufs südliche Deutschland.
Lastenrad Kategorie
Variabilität: 5/5
Das Maxximo ist variabel, aber auf eine eher pragmatische Art. Es will nicht das ausgefeilteste Kindertransport-System am Markt sein, sondern ein sehr stabiles, vielseitiges Longtail. Vorne kann ein kleiner oder großer Gepäckträger montiert werden. Hinten nimmt der lange Träger Kisten, Taschen, Sitzpolster, Kindersitze und Zubehör auf. Die zusätzliche seitliche Strebe am hinteren Gepäckträger macht es leicht, Taschen sauber zu montieren. Auch größere Taschenlösungen lassen sich gut nutzen.
Der Heckträger sitzt durch das 24-Zoll-Hinterrad allerdings höher als bei vielen 20-Zoll-Longtails. Das bringt Vorteile beim Fahrgefühl und Abrollverhalten, verschiebt den Schwerpunkt bei Beladung aber etwas nach oben. Große Fahrerinnen und Fahrer werden das weniger merken, kleinere Personen beim Schieben und Rangieren eher. 70 kg darf er tragen und bietet zusätzlich noch zwei Racktime Snap-It 2.0 aufnahmen für Körbe.
Die 250kg zulässiges Gesamtgewicht und zuverlässige Eigengewichtsangabe vermitteln vertrauen und die dedizierte Aufnahme für eine Weber-Anhängerkupplung ist ein tolles Detail.
Sitze/Bank: 3/5
Für den Kindertransport gibt es Sitzpolster von Clarijs. Die sind bequem, wetterfest ausgeführt und lassen sich leicht abwischen.
Die Sitzbanklösung ist angenehm, aber nicht maximal ausgeklügelt. Im Vergleich zu manchen Longtails, die sehr stark auf Familienzubehör optimiert sind, wirkt das Maxximo hier etwas schlichter. Die Reling ist stabil, aber einfach gehalten. Zusätzliche Montagepunkte für Flaschenhalter oder kleine Accessoires sucht man dort vergeblich.
Für zwei Kinder ist der Platz grundsätzlich da. Wer kleinere Kinder mitnehmen möchte, kann auch Kindersitze mit seitlicher Klemmung montieren. Kindersitze für Racktime Snap-it 2.0 gibt es allerdings nicht, weshalb diese obere Aufnahme eher für Taschen, Körbe und Zubehör relevant ist.
Zubehör: 2/5
Beim Zubehör zeigt sich ein gemischtes Bild. Einerseits ist das Maxximo sehr offen für Standardlösungen. Packtaschen, Longtail-Taschen, Euroboxen, Anhänger, Frontkiste: Vieles passt und lässt sich sinnvoll nutzen.
Andererseits merkt man, dass das Maxximo noch ein junges Produkt ist. Das Zubehörprogramm ist nicht so durchentwickelt wie bei Herstellern, die seit Jahren ausschließlich Familien-Longtails bauen. Besonders beim Kindertransport fehlt noch ein bisschen die letzte Raffinesse.
Positiv ist, dass Maxx nicht versucht, alles selbst zu erfinden Die Longtail-Tasche und die Sitzpolster stammen von Clarijs, einem erfahrenen niederländischen Lastenrad-Spezialisten. Das ist vernünftig. Die Tasche ist regendicht, robust und brauchbar, passt durch das 24″ Rad aber nicht 100%ig ans Maxximo. Gleichzeitig gibt es günstigere und teils variablere Alternativen, etwa aus dem Zubehörmarkt. Um die zu finden muss man aber selbst aktiv werden.
Parken und Rangieren: 4/5
Mit etwa 2,07 Metern Länge bleibt das Maxximo für ein Longtail noch im Rahmen. Es ist natürlich kein kleines Rad, aber auch kein ausufernder Lastenkahn. In Schuppen, Fahrradkeller oder auf engen Gehwegen braucht es trotzdem Platz und etwas Umsicht.
Beim Rangieren fällt auf, dass das Rad grundsätzlich gut schiebbar ist. Der niedrige Einstieg hilft beim Auf- und Absteigen enorm. Der breite Lenker gibt Kontrolle, und der Rahmen vermittelt viel Stabilität.
Mit schwerer Heckbeladung steigt der Schwerpunkt spürbar. Das liegt auch am 24-Zoll-Hinterrad und dem entsprechend höher sitzenden Gepäckträger. Wer kleiner ist, wird das beim Schieben stärker merken als große Menschen.
Der größte Kritikpunkt beim Handling im Stand ist der verbaute Ursus Jumbo Ständer. Der funktioniert, ist bei einem beladenen Rad dieser Klasse aber mühsam. Gerade mit viel Gewicht auf dem Rad wird das Aufbocken zur Arbeit. Maxx weiß um das Thema und arbeitet an einer Alternative.
Sicherheit: 4/5
Bei der Sicherheit macht das Maxximo vieles richtig. Die Magura-Vierkolbenbremsen verzögern kräftig und gut kontrollierbar. Die Bremshebel sind lang genug, gut greifbar und auch für kräftiges Zupacken geeignet.
Optional gibt es ABS, was gerade bei schwer beladenen Lastenrädern ein sinnvolles Extra sein kann. Auch die stabile Rahmenkonstruktion trägt viel zum Sicherheitsgefühl bei. Das Rad verwindet sich nicht unangenehm, bleibt in Kurven ruhig und vermittelt auch bei Beladung viel Vertrauen.
Bei der Beleuchtung gibt es ein Rücklicht mit Bremslichtfunktion und optional auch einen Scheinwerfer mit Fernlicht. Der verbaute Busch & Müller IQ-X ist aber schön hell und hat ein angenehm breites licht, hat jedoch kein Fernlicht und lenkt mit verbauten Frontgepäckträger auch nicht mit.
Für den Kindertransport sind Reling und Fußleisten vorhanden. Die Fußleisten sind sehr stabil montiert und dienen zugleich als Basis für Packtaschen. Die Reling schützt die Passagiere, ist aber eher einfach ausgeführt. Wer hier ein voll integriertes Familien-Sicherheitskonzept mit vielen Spezialdetails erwartet, wird bei anderen Herstellern mehr finden.
Ein Sicherheitsthema war die Lenkungsruhe mit an der Grenze des freigegebenen Gewichts beladenem Frontträger und wenn eine oder beide Hände vom Lenker genommen werden. Hier soll der serienmäßige Lenkungsdämpfer Abhilfe schaffen, der auch nachrüstbar sein wird. Das betr
Gesamtscore: 38/50
Fazit:
Das Maxx Maxximo ist kein Longtail für alle. Es ist ziemlich teuer, beim Kindertransport nicht das am stärksten durchentwickelte Rad am Markt, und der aktuelle Ständer passt noch nicht zum Anspruch des restlichen Fahrrads.
Aber: Das Maxximo ist außergewöhnlich stabil, sehr gut verarbeitet, überraschend fahraktiv und in seiner Zielgruppe fast einzigartig. Besonders spannend ist die Strong-Version, die Fahrerinnen und Fahrer bis 160 Kilogramm Körpergewicht aufnehmen kann. Zusammen mit 250 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht wird daraus ein Rad, das Menschen Mobilität ermöglichen kann, für die viele normale Fahrräder schlicht nicht gebaut sind.
Und genau das macht das Maxximo besonders. Es ist ein inklusiv gedachtes, sehr stabiles Longtail, das nicht nach Speziallösung aussieht, sondern nach einem richtig guten, schicken Fahrrad. Für große und schwere Menschen, für Reisen mit viel Gepäck, für Anhängerbetrieb oder für alle, die ein kräftiges, individuell konfigurierbares Alltagsrad suchen, ist das Maxximo eines der spannendsten Räder seiner Klasse.
Wenn der Shimmy durch den Lenkungsdämpfer beseitigt ist und ein besserer Ständer verbaut ist, ändert sich auch die Bewertung.
* Maxx hat uns das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung der Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.
