Das Radelbande Bewertungssystem

Hier gehts zur Score-Übersicht.

Aufbau

Das Bewertungssystem teilt sich in zwei übergeordnete Kategorien auf: „Fahrrad“ und „Familienbike“. Darunter finden sich jeweils fünf Bewertungen der für diese Kategorie wichtigen Punke. In jeder Bewertung gibt es eine Skala von 1-10, wobei 10 die höchste erreichbare Punktzahl ist und 1 die niedrigste. In beiden Kategorien sind maximal 50 Punkte zu holen, die am Ende zu einer Gesamt-Score führen. Die dahinter liegende Tabelle ist einem steten Wandel unterworfen und muss immer im Vergleich mit den anderen bewerteten Rädern gesehen werden. Wenn also ein Rad in einer Kategorie 10 Punkte erreicht hat, zu einem späteren Zeitpunkt ein Rad diesen Punkt aber viel besser erfüllt, führt das zu einer Neubewertung aller anderen Räder. Dieser Fall sollte aber nur höchst selten eintreten.

Das Ziel

Mit diesem Bewertungssystem soll eine schnelle Übersicht über die für ein Familienrad oder Lastenrad relevanten Punkte möglich werden. Jeder der Punkte wird im Vergleich zu den anderen getesteten Rädern so objektiv wie möglich bewertet, spiegeln aber natürlich zu einem gewissen Grad auch meine Meinung wider. Die Gesamtwertung ist immer nur ein Richtwert, spannender sind die Einzelbewertungen. Daraus kann man für sich ableiten, welches Rad einem am meisten zusagt. Nur, weil ein Rad eine höhere Gesamtpunktzahl hat, muss es nicht besser für einen selbst geeignet sein, da zum Beispiel Räder mit einer sportlicheren Sitzposition auch eine höhere Punktzahl bei der Fahrdynamik bekommen, man aber nicht unbedingt sportlich sitzen will. Das Bewertungssystem ist so angelegt, dass 100 Punkte nicht möglich sind, da einige Punkte immer gegen andere Punkte arbeiten (zum Beispiel Preis und Qualität).

Die Kategorien

Fahrrad

Fahrverhalten:
In dieser Kategorie bewerte ich die Spritzigkeit des Motors, sofern vorhanden, die Funktion der Schaltung, sowie die Wendigkeit und gesamte Fahrbarkeit des Rades. Die Sitzposition und Auslegung des Fahrrads (sportlich vs. gemütlich) wird ebenfalls bewertet.

Design / Innovation:

Hier wird bewertet, wie ausgereift und anspruchsvoll der Aufbau und das Design des Rades sind. Je mehr technische Besonderheiten das Rad hat, oder je einzigartiger das Design und die Features sind, desto höher fällt die Punktzahl aus.

Gewicht:

Das Gewicht ist ein wichtiger Faktor bei allen Fahrrädern, nicht zuletzt bei Lastenrädern. Das Gewicht beeinflusst maßgeblich das Handling und die Nutzbarkeit. Nicht zuletzt ist ein geringes Gewicht auch ein Qualitätsmerkmal. Die Bewertung wird auch durch das Features/Gewichtsverhältnis beeinflusst. Das heißt, wenn ein Rad mehr kann, darf es auch mehr wiegen und bekommt trotzdem eine hohe Punktzahl.

Preis:

Hier wird die Bewertung relativ absolut getroffen. Teure Räder bekommen weniger Punkte als günstige Räder. Außer ein günstiges Rad ist komplette Grütze. Dann bekommt das auch wenig Punkte.

Qualität:

Hier wird die Qualität der verwendeten Anbauteile, Lebensdauer, Qualitätsanmutung und Garantieversprechen bewertet.

Familienbike

Variabilität:
Je vielfältiger das Fahrrad nutzbar ist, desto höher ist die Wertung. Hier wird berücksichtigt, ob sich die Ladefläche umbauen lässt, ob ein hochwertiger Gepäckträger angeboten wird und wie das Rad für verschiedene Zwecke nutzbar ist.

Sitze/Bank:

Gute Sitze sind wichtig, damit die kleinen Mitfahrer gemütlich und sicher sitzen. Die Sitzposition (flach, aufrecht, verstellbar), die verwendeten Materialien und Polster werden bewertet. Auch wie viel Platz die Kinder haben fließt in die Bewertung mit ein.

Zubehör:

Regenverdeck, Boxcover, MaxiCosi Halterungen etc. All das ist Zubehör, das für Familien häufig unverzichtbar ist. Je vielfältiger und hochwertiger das verfügbare (Original-)Zubehör, desto höher die Wertung.

Parken und Rangieren:

Familienräder sind häufig sperrig und schwierig an Fahrradständern anzuschließen. Je mehr „Anschlusspunkte“ es gibt und je besser sich das Rad schieben und rangieren lässt, desto mehr Punkte gibt es.

Sicherheit
:
Einer der wichtigsten Punkte, der aber häufig vernachlässigt wird. Wenn ein Radhersteller sich Gedanken um die Ergonomie und Sicherheit der Box und Sitze gemacht hat, regnet es Punkte. Ebenso beeinflussen die Wahl der Bremsen, die verwendeten Gurte und die Leuchtanlage die Wertung.

2017 Babboe Mini-E – Lastenrad Test

Babboe ist bekannt dafür, günstige Familienräder zu verkaufen. Aber taugt das günstige Babboe Mini-E auch als zuverlässiger Kindertransporter?

Eine Erklärung zum Bewertungssystem findest du hier. Und hier die Übersicht aller getesteter Räder.

Wertung:

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 3/10
Das Fahrrad fährt sich ausreichend stabil, aber alles andere als dynamisch. Der Motor ist eher Schwach, besonders mit Beladung strengt sich die/der Fahrer/in sehr an. Die Sitzposition ist sehr aufrecht und für Menschen über 1,90m recht unbequem. Die schlechten Bremsen und Kippneigung beim langsamen abbiegen führen zu einer Abwertung.

Optik/Design: 5/10
Das Babboe hat ein eigenständiges, organisches Design, das eindeutig als Babboe zu erkennen ist. Alle Anbauteile passen zum Konzept und zur Rahmenform. Allerdings sind die schwarzen Felgen mit unnötigerweise abgedrehten Bremsflanken und der im Gepäckträger montierte Akku störend für das Gesamtbild.

Gewicht: 4/10
Die angegebenen 60kg erreicht es nicht, aber ein Leichtgewicht ist das Mini-E dennoch nicht, denn der Stahlrahmen, Holzbox und billige Anbauteile fordern ihren Tribut. Problematischer ist aber die Gewichtsverteilung, da Akku, Motor und Fahrer komplett nur das Hinterrad belasten, was regelmäßig zu Speichenbrüchen führt.

Preis: 8/10
Das Babboe Mini-E ist eines der günstigsten Lasten-Pedelecs und man muss kein Zubehör kaufen um mit Kindern fahren zu können.

Qualität: 5/10
Die Lichtanlage und das Hinterrad neigen zu Defekten. Schneller Verschleiß am Ständer (klappert) und Bremse vorne. Anbauteile sind von billiger Qualität und die Rollenbremse vorne war auch schon 2017 nicht mehr zeitgemäß. Der Stahlrahmen und die Holzbox sind von hoher Qualität und langlebig.

Familienbike Kategorie

Variabilität: 4/10
Die Box ist relativ klein und rundlich, aber groß genug für 2 Kinder, die selbst sitzen können, allerdings passen dann keine Einkäufe o.Ä. mehr. Wenn eine Babyschale montiert wird, ist die Box voll. Ebenfalls lässt sich die Box nicht zu einer Ladefläche mit offenen Seiten umbauen. Der Gepäckträger ist nur eingeschränkt nutzbar, da der Akku mit einer zusätzlichen Platte geschützt wird. Somit sind keine Packtaschen oder Kindersitze montierbar. Positiv bewerte ich die hohe Zuladung.

Sitze/Bank: 3/10
Es ist eine recht schmale, ungepolsterte Holzsitzfläche verbaut. Es besteht genug Abstand zum Boden, aber nur geringer Abstand zur Oberkante der Box. Dafür ist wiederum ein großer Abstand zum Dach des Verdecks vorhanden. Beinfreiheit für Kinder mit langen Beinen ist eingeschränkt.

Zubehör: 9/10
Es ist eine riesige Auswahl an Sitzkissen, Kleinkindsitzen, Babyschalenadaptern in vielen Farben, in hoher Qualität und zu günstigen Preisen verfügbar. Hochwertiges und funktionales Regenverdeck.

Parken und Rangieren: 6/10
Relativ kleiner Wendekreis und das Rad ist insgesamt recht schmal und übersichtlich, auch mit montiertem Regenverdeck. Nur auf der Hinterseite anschließbar. Schwerer und länger, als mit der kleinen Box nötig.

Sicherheit: 2/10
Schlechte, batteriebetriebene Beleuchtung. Nur Rollenbremse vorne beim 2017er Modell, aber immerhin ist die hintere Bremse in Ordnung. Kinder sitzen Relativ ungeschützt und hoch in der Box aus Holz (Splittergefahr?). Gurte recht schmal und fummeliger Anschnallmechanismus. Brechende Speichen am Hinterrad stellen auch ein Risiko dar.

Gesamtscore: 49/100

Fazit:

Das Babboe Mini-E eignet sich für Familien mit maximal 2 Kindern, die schon selbst sitzen können. Die Beleuchtung und Rollenbremse sind klare Sicherheitsmängel, letzteres wurde für das aktuelle Modell auf Scheibenbremse umgestellt. Mit ein bisschen Bastelei könnte man Beleuchtung, Gurte und Sitze upgraden. Der Motor eignet sich nur für sehr flache Gegenden oder wenn man bereit ist, auch selbst entsprechend zu arbeiten.
Für das Babboe spricht der sehr attraktive Preis, der Garantieumfang und das sehr gute und günstige Zubehör.

Das Lastenrad 1×1

Wenn man völlig unvoreingenommen an das Thema Lastenrad herangeht, steht man vor einer riesigen Auswahl und vielen unterschiedlichen Konzepten. In dem hier verlinkten Video bin ich auf diese Konzepte eingegangen, erkläre, wie sie funktionieren und wie gut sie sich als Familientransporter eignen.

Grundsätzlich muss man erstmal seine eigenen Bedürfnisse prüfen. Wie viele Kinder habe ich? Wie alt sind die? Können sie selbst Rad fahren?
Einspurige Räder sind beliebt, weil sie sich am ehesten wie normale Fahrräder fahren lassen. Gerade Long Johns sind aber aufgrund ihrer Länge teilweise schwierig zu handlen.
Viele Familien entscheiden sich für ein Lastendreirad. Sie bieten meistens eine sehr große Kapazität und vermitteln Sicherheit bei langsamer Fahrt, können aber gerade bei höheren Geschwindigkeiten tückisch sein. Will man ein agiles Dreirad, muss man eines mit einer komplexen Fahrwerksgeometrie nehmen.

Egal, für welches Lastenrad man sich entscheidet, es macht tierisch viel Spaß, mit seinen Kindern so die Umgebung zu entdecken. Es fördert die Eltern-Kind Beziehung und macht glücklich!

Ride on!

Tilman