Velo de Ville hat in den letzten Jahren das eigene Portfolio ordentlich aufgebohrt. Neben Gravelbikes, Long John Lastenrädern und auch ihrem ersten Longtail kommt jetzt das Foldy dazu. Ein Faltrad mit 16″ kleinen Laufrädern.
Wir konnten das Rad ein paar Wochen im Alltag und im Urlaub bewegen und haben einiges erlebt. Deswegen kommt hier die Bewertung nach der Radelbande Bewertungsmatrix.
Hier gehts zur Score-Übersicht.
Und hier zu der Erklärung der Bewertung.
Fahrrad Kategorie
Fahrverhalten: 3/5
Das Velo De Ville Foldy gibt es sowohl als E-Bike als auch in einer Version ohne Motor. Für die meisten dürfte tatsächlich die Version ohne Motor am Besten passen, denn es fährt sich wunderbar leichtgängig und bequem. Der schmale Lenker und die kleinen Laufräder machen das Rad sehr agil und der lange Radstand sorgt dennoch für einen guten Geradeauslauf. Zusätzlich bringen Unebenheiten das Rad nicht außer Kontrolle, sondern es ist wirklich leicht beherrschbar.
Mit Motor ist das Foldy überraschend schnell auf 25km/h und der Motor reagiert erstaunlich feinfühlig auf die Kurbelumdrehungen, obwohl ein Drehmomentsensor fehlt. Teilweise agierte der Motor jedoch etwas ruckelig und unterstützte am Testbike nicht immer bis 25km/h. An Steigungen braucht es bis zu eine Kurbelumdrehung, bis der Motor einsetzt, die Kettenschaltung sorgt aber dafür, dass man am Berg nicht verhungert. Die Bandbreite der Schaltung ist dabei ausreichend für die meisten urbanen Umgebungen, für steilere oder längere Anstiege reicht es aber nicht. Der Schaltwerkskäfig ist eigentlich zu lang für die kleinen Laufräder, hat aber im Alltag nicht für Probleme gesorgt.
Innovation/Design: 3/5
Der Fokus der Entwicklung war auf einem einfachen Faltvorgang, weniger auf kleinstem Packmaß. Somit verschenkt das Rad im gefalteten Zustand etwas Platz und hat eine Keilform, die fürs Verstauen teilweise unpraktisch ist. Im direkten Vergleich mit anderen Falträdern fällt auf, dass es nicht so sicher steht und Kabel und Leitungen abstehen. Hier ist noch Verbesserungsbedarf. Auf der anderen Seite setzt Velo de Ville hier ihr komplett eigenes Design um. Der Faltvorgang gelingt einfach, das Schieben im gefalteten Zustand ist entspannt und es lässt sich recht einfach anheben. Nur mit dem Motor ist es auf der einen Seite deutlich schwerer als auf der anderen Seite und der Antrieb ist auf einer der Außenseiten –> Fleckenalarm! Geeignet ist das Foldy für Menschen bis etwa 1,90m Größe, da die Sattelstütze nicht mehr hergibt.
Das Mahle System kommt mit einer Bluetooth Konnektivität. Mit der App lassen sich diverse Optionen einstellen und Fahrdaten ablesen, bis hin zu einem GPS Tracking. Die Verarbeitung der Informationen war jedoch beim Testrad nicht konsistent.
Ausstattung: 3/5
Die Anbauteile des Foldy sind aus der unteren Mittelklasse. Griffe, Pedale und Sattel sind bequem und völlig ausreichend für den Zweck. Die Kettenschaltung ist wiederum eher einfach, da würde ich die Microshift Acolyte 8-fach Schaltung bevorzugen. In der nicht-elektrischen Version mit Nabenschaltung kommt die Shimano Nexus zum Einsatz, mit der das Foldy die größte Bandbreite hat. Auf feste Beleuchtung muss man beim Foldy verzichten. Ich würde mir wünschen, dass es zumindest ein paar Premium Optionen fürs Foldy gäbe, zum Testzeitpunkt ist die Ausstattung aber eher mager. Nur die Bremsen können wirklich glänzen.
Preis: 3/5
Das Foldy muss sich in Bezug auf den Preis an der etablierten Faltrad-Konkurrenz messen lassen, aber auch durch das nicht super kleine Faltmaß an teilweise deutlich günstigeren Klapprädern, die es für teilweise mittlere dreistellige Beträge gibt. Mit ab 1.699€ ohne Motor ist das Foldy irgendwo dazwischen, kann aber mit einer vergleichsweise großzügigen Basisausstattung inklusive Gepäckträger und Schutzblechen glänzen. Und es ist von der Langlebigkeit und der Verarbeitung günstigen Klapprädern meilenweit voraus. In der Version mit Motor liegt es bei unter 3.000€, was 3-500€ unterhalb von Marktbegleitern wie Vello Bike+Gears oder Brompton C-Line Electric liegt.
Qualität & Wartung: 4/5
Dank des Einsatzes vieler Standard-Fahrradteile ist die Wartung des Foldy verhältnismäßig einfach und Ersatzteile lassen sich leicht beschaffen. Auch das Mahle System ist recht weit verbreitet und als Endnutzer:in kann das System dank der App selbst gewartet und geupdated werden. In unserer Testdauer sind allerdings keine Teile aufgefallen, die stärkerem Verschleiß unterliegen oder öfter ausgetauscht werden müssen. Die Beschichtung und die Verarbeitung des Rahmens sind auf höchstem Niveau und alle Teile sind sowohl im ein- als auch im ausgefalteten Zustand fest und klappern nicht herum. Die Kettenschaltung bedarf natürlich regelmäßiger Pflege, dies kann durch die Version mit Riemen allerdings vermieden werden. Bei dem Foldy könnte sich auch lohnen, die Kette zu wachsen, da der Antrieb ja außen ist und das Rad sich leicht drinnen lagern ließe.
Spezial Kategorie
Alltagstauglichkeit: 3/5
Der Alltag lässt sich mit dem Foldy durchaus gut bestreiten, es ist jedoch im Detail durchaus spürbar, dass es das erste Faltrad von Velo de Ville ist. Ich bin in engen Zügen mit den Zügen hängen geblieben (Pun intended) und beim Schieben braucht das Foldy um die Ecke mehr Platz als andere Falträder. Der Gepäckträger eignet sich für MIK Körbe, ist aber für Packtaschen etwas zu verbaut. Einen Frontträger gibt es (noch) nicht. Trotz dieser Punkte ist es einfach mitzunehmen und einzuklappen, sodass es im Alltag und auf Reisen gut funktioniert. Die 130kg Gesamtgewicht sind ein Pluspunkt des Foldy.
Coolness Faktor: 3/5
Irgendwie wird man als 1,96m Mann auf einem Faltrad immer komisch angeguckt. Außer wenn man dann am Bahnhof das Rad auf Reisekoffermaß zusammenfaltet, dann ist man plötzlich der King. Aber im Ernst: Das Foldy fällt schon auf, ist aber nicht im klassischen Sinne „cool“…außer man wählt eine der tollen, kräftigen Farben, die Velo de Ville anbietet.
Zubehör: 2/5
Das offizielle Zubehörprogramm des Foldy ist noch recht mager. Eine Verstautasche, zusätzliche Packtaschen oder ein Frontgepäckträger würden der Alltagstauglichkeit gut tun.
Parken und Rangieren: 3/5
Wenn das Foldy geparkt werden soll, muss es gefaltet werden. Zumindest der hintere Rahmenteil muss unter den vorderen geklappt werden, da der Gepäckträger auch als Ständer dient. Das ist im Alltag nicht immer praktisch, besonders wenn der Gepäckträger für Gepäck genutzt wird. Komplett eingefaltet steht es nicht immer sicher, besonders im Auto kippt es dann gerne auf die Lenkerseite. Ist es ausgefaltet, kann es sehr einfach rangiert und auch angeschlossen werden, da die Rahmenkonstruktion gute Möglichkeiten bietet, ein Schloss durchzuziehen.
Sicherheit: 3/5
Das Foldy fährt sich ziemlich sicher, sowohl für kleine Menschen, als auch für Menschen bis etwa 190cm Körpergröße. Wenn der Lenker losgelassen wird, kann es zu Shimmy kommen, der sich aber gut kontrollieren lässt. Besonders gut sind die Bremsen, die sehr viel Sicherheit geben. Das Fehlen einer festen Beleuchtung ist an sich nicht tragisch, allerdings ist das Set, das Velo de Ville zum Foldy anbietet, eher eine Notbeleuchtung.
Gesamtscore: 30/50
Fazit:
Das Foldy ist ein durchaus konkurrenzfähiges Faltrad für Pendelnde oder das Wohnmobil. Wie jedes Faltrad ist es aber auch ein Kompromiss: Es ist gefaltet verhältnismäßig sperrig, bietet dafür aber tolle Fahreigenschaften mit sehr guten Bremsen. Und der Punkt, dass ihr eure Lieblingsfarbe wählen könnt, gibt es so bei keinem anderen Faltrad. Es ist ein gutes Faltrad, bietet in einigen Details aber noch Potential, sowohl beim Zubehör, als auch bei den Falt-Details, die Top-Falträder am Ende auszeichnen.
* Velo de Ville hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und das Video unterstützt. Auf unsere Meinungsäußerung, die Gestaltung der Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Wir sind herstellerneutral.
