2021 E-Muli ST – das kompakteste Long John Lastenrad im Test

3 Wochen war ich im Alltag mit dem brandneuen E-Muli ST unterwegs. Vielen Dank an Muli-Cycles, für die Bereitstellung! Hier findest du das Video dazu:

Hier gehts zur Score-Übersicht.

Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 8/10

Das E-Muli ST ist ein Long John Cargobike, dessen Vorderrad mittels eines Lenkarmes angesteuert wird. Das ist die klassische Form der Lenkung und passt gut zu dem kleinen Muli. Das Rad an sich ist relativ schwer und durch den sehr kurzen Radstand fühlt sich die Lenkung sehr direkt an und man hat ausreichend „Gewicht“ auf dem Vorderrad, sodass es sich sowohl beladen, als auch unbeladen sehr leichtgängig und direkt steuern lässt. Mit angepasstem Reifendruck ist das Rad auch recht komfortabel, rollt erstaunlich leichtgängig auch über niedrige Bordsteinkanten und über unebenes oder Terrain bzw. Schotter oder Sand. Über höhere Kanten muss man evtl. absteigen und schieben, oder man nutzt die Kraft des Motors um einen kleinen Wheelie zu machen.


Durch die geringe Größe kommt man durch alle Lücken, kann auch um sehr enge Kehren und sehr intuitiv, wie mit einem normalen Fahrrad, durch die Gegend fahren.
Der neue Shimano Motor unterstützt dabei in allen Lebenslagen. Durch das kleine Hinterrad hat das Muli eine exzellente Beschleunigung, besonders natürlich in der höchsten Unterstützungsstufe, die man aber im Alltag nicht benötigt.


Die Nexus 5E Schaltung hinterlässt einen zwiegespaltenen Eindruck. Auf der einen Seite ist der adaptive Automatikmodus genial, wenn man ganz entspannt fährt und den Motor aktiv nutzt, da er sich auf die Lieblings-Trittfrequenz anpasst. Auf der anderen Seite kann es aber gerade bei Steigungen sein, dass der Motor zu früh wieder hochschaltet und man dann Schwung verliert. Durch die umständliche Bedienung kann man dann auch nicht „mal eben“ in den manuellen Modus schalten. Wenn man also eine hügelige Strecke fährt, ist der manuelle Modus eher angesagt, der aber auch automatisch an der Ampel runterschaltet.
Die Bremsen sind ausreichend dimensioniert, fühlen sich aber ein bisschen lasch an.
Insgesamt ein sehr spaßiges, einfach kontrollierbares Fahrverhalten, wo natürlich auch die eher sportliche Sitzposition ihren Teil beiträgt.

Innovation/Design: 9/10
Die Idee, ein Long John zu entwickeln, das in der Länge und breite nicht stark von einem normalen Rad abweicht ist 2017 komplett neu gewesen. Davor waren LJs immer groß, relativ unhandlich und schwierig unterzubekommen. Aus dieser Not wurde das Muli mit zwei Kerndesignideen entwickelt: Die kleinen Räder für eine geringe Länge und die Klappbox. Durch die kleinen Räder ist der Platz von weniger als 2m Länge überhaupt erst so gut genutzt. Immerhin 50cm Ladeflächenlänge am Boden.
Für einfaches Abstellen ist die Klappbox ziemlich cool, denn das Rad ist mit eingeklapptem Korb wenn man den Lenker voll einschlägt weniger als 30cm breit. Damit passt es auch in so manchen Flur und definitiv in jeden Fahrradständer. Sitz und Regencover passen auch in den zusammengeklappten Korb. Die Idee des wegklappbaren Korbes ist zwar nicht neu, aber individuell umgesetzt worden.
Insgesamt ist das E-Muli ST mit seiner Mattschwarzen Lackierung eher unauffällig unterwegs. Die Verwendung von klassischen runden Stahlrohren gibt dem Rad trotz des dicken Motors und Akkus ein recht filigranes Auftreten. Und dass ich als 1,96 Mensch da ganz entspannt drauf sitzen kann, ist ebenfalls gut.

Ausstattung: 8/10
Hier leistet sich das E-Muli ST kaum eine Schwäche. Ergon Sattel und Griffe sind sehr hochwertig, der Sattel könnte aber für einige zu sportlich geschnitten sein. Die Federsattelstütze ist für jeden über 1,70 und unter 1,90 ein echter Komfortfaktor und die Beleuchtung ist ebenfalls hochwertig. Leider sind Scheinwerfer und Rückleuchte konstruktionsbedingt sehr niedrig angebracht und die Rückleuchte wird sogar teilweise vom Fuß beim Fahren verdeckt. Die Bremse dürfte gerade bei höheren Beladungen oder schnellen Abfahrten relativ schnell an ihre Grenze kommen. Das Speichenschloss ist komfortabel bedienbar, da es den gleichen Schlüssel wie das Akkuschloss nutzt. Beim Akku hat Muli die große 504Wh Zelle eingebaut, die die Ladeintervalle deutlich verlängert. Je nach Streckenprofil und Beladung sind im „Normal“-Modus 70km mit einer Füllung drin. Was mir gefällt ist, dass der komplette Antrieb ein geschlossenes System bildet aus Motor, Schaltung und Interface und somit gut aussieht und gut harmoniert.

Preis: 7/10
4700€ klingt viel für ein kleines Long John, das noch ohne Sitze oder Verdeck daherkommt, ist aber nur leicht über dem, was andere kompakte Long Johns in der Grundausstattung kosten. Insgesamt reiht es sich mit anderen, teilweise deutlich größeren Long Johns ein. Der Preis relativiert sich durch die komplett lokale Produktion des Rahmensets, der Laufräder, den bis ins Detail hochwertigen Komponenten und der Montage, die ebenfalls in Deutschland stattfindet. Und das gute ist, man merkt, dass das E-Muli ST ein hochwertiges Produkt ist. Insgesamt ist es seinen Preis wert.

Qualität: 8/10
Muli produziert die Rahmen in Deutschland und demnächst sogar komplett in Eigenregie, somit haben sie die komplette Kontrolle über die Produktion und das merkt man dem Rahmen an. Hier steckt viel Erfahrung drin, alle Verbindungen sind hochwertig, es gibt kein Geklapper irgendwo und es fühlt sich beim Fahren auch bei höherem Pedaldruck äußerst steif und gut gemacht an. Sie haben das Rad auch sehr wartungsarm gemacht, da das klassische Long John Design mit Starrgabel und Lenkstange genutzt wurde. Also hier sollte man lange Freude haben. Das einzige, was man regelmäßig prüfen sollte, ist das Spiel an der Lenkstange und dass das ganze immer schön sauber und gut geschmiert ist. Insgesamt ein guter, stimmiger Qualitätseindruck.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 8/10
Das Muli ist trotz der geringen Größe äußerst variabel einsetzbar. Der Korb ist groß genug für einen richtig großen Einkauf und hat noch einen Clou: Eine Eurobox lässt sich passgenau einsetzen und darunter passen dann noch die Kindersitze und das Regenverdeck!
Es lässt sich innerhalb weniger Minuten vom überdachten Kindertransporter zum reinen Lastenesel umbauen und selbst oben auf den Rändern der Kiste ließen sich noch größere Gegenstände verzurren.
Wenn das E-Muli ST abgestellt und der Korb eingeklappt ist, kann man dort auch einen Rucksack oder ähnliches lagern und mit Hilfe der Griffe abschließen, sodass auch nichts einfach rausgeklaut werden kann. Die vielen kleinen Taschen im Korb erhöhen ebenfalls noch einmal die Variabilität des Muli, da man ansonsten störende Gegenstände einfach dort verstauen kann. Was die Variabilität noch einmal deutlich erhöhen würde, wäre ein Gepäckträger, den es aber aktuell nur als Zubehör gibt.

Sitze/Bank: 7/10
Die Kindersitze lassen sich in zwei Positionen montieren, nach vorne gerichtet und nach hinten gerichtet. Die nach hinten gerichtete Sitzposition ist dabei mein klarer Favorit, da die Lehne so deutlich flacher ist und man mit den Kindern super kommunizieren kann. Auch wenn der Sitz hängend gelagert ist, konnte ich keinen „Hängematteneffekt“ feststellen, aber die textile Sitzbank sorgt dennoch für bequemes Sitzen. Die hohe Sitzlehne und seitlichen Polster haben meinem Kind und mir ebenfalls gut gefallen.
Zwei Kinder sitzen durch die schmale Sitzfläche aber doch recht eng beieinander, was für die meisten kleineren Kinder aber kein Problem darstellen sollte. Im Winter mit dicken Klamotten oder für größere Kinder könnte es dann doch zu wenig Platz sein. Was dann schon eher stören könnte ist der kleine Fußraum. Wenn hier zwei Kinder drin sitzen, dann müssen sie schon sehr leidensfähig sein, wenn man noch einen Einkauf mitnehmen will.
Was ich nicht gut finde sind die sehr einfachen Gurte und Schnapper. Sie lassen sich nicht einfach einstellen und fühlen sich billig an.
Insgesamt ist das Sitzerlebnis natürlich durch die geringe Größe eingeschränkt, aber Kinder sitzen sicher, gemütlich und machen auch lange Touren gerne mit.

Zubehör: 6/10
Um das Muli zum all-year-round Kindertransporter zu machen, gibt es noch das Regenverdeck, das ich sehr gut finde. Es hält die Kinder trocken, ist ausreichend geräumig und die Einstiegsöffnungen sind groß genug. Dann gibt es noch einen Gepäckträger, der die Nutzbarkeit erhöht und das Rücklicht an eine bessere Position bringt. Eine dedizierte Plane fürs Muli, ein Korbcover und eine Babyschalenhalterung würden das Angebot noch komplettieren.

Parken und Rangieren: 9/10
Das E-Muli ST ist der absolute Einparkkönig. Durch den klappbaren Korb passt es in jeden Fahrradständer und es lässt sich sinnvoll anschließen. Das Speichenschloss mit Einsteckkette ist eine gute Ergänzung.
Beim Rangieren spielt das Muli ebenfalls seine geringe Größe aus, aber durch den Lenkarm ist es trotzdem nicht ganz so einfach zu rangieren wie ein normales Rad. Um es irgendwo reinzutragen sollte man entweder richtig Kraft in den Armen haben oder zu zweit sein, denn es wiegt mit Sitzbank satte 38kg.

Sicherheit: 7/10
Fahrsicherheit ist durch die intuitiven Fahreigenschaften komplett gegeben. Kaum ein anderes Long John fährt so reaktiv und sicher wie das Muli. Die kleinen Räder brauchen der Fahrerin oder dem Fahrer keine Angst machen, da man im Alltag vergisst, dass die so klein sind. Da spielt wieder die breite Reifen/Felgenkombination eine große Rolle. Die Beleuchtung ist gut und die Sichtbarkeit in der Nacht ist durch die riesigen Reflektoren vorne und hinten am Korb unübertroffen. Ein süßes Detail: Das Muli Logo ist ebenfalls reflektierend.
Die Kinder sitzen in der Box tief und die Arretierungsstangen verhindern, dass die Box zusammenklappen kann. Wenn das Rad mal umkippen sollte, sind die Kinder ganz nah an der Straße, durch die seitlichen Polster behalten sie aber tendenziell die Hände drin und so kann nicht so viel passieren. Der Korb macht insgesamt einen sehr stabilen und hochwertigen Eindruck. Durch die Rückwärtige Sitzposition sind die kleinen Mitfahrer sehr gut geschützt, falls man mal irgendwo gegen fährt.

Gesamtscore: 77/100

Fazit:

Das E-Muli ST ist ein hochwertiges kleines Lastenrad, das sich wie ein reguläres Fahrrad im Alltag bewegen lässt und somit gerade im Städtischen Raum die Möglichkeiten dessen, was man mit einem Rad machen kann, deutlich erweitert. Natürlich sind durch die geringe Größe Grenzen gesetzt, aber das Muli schafft es, diese so weit wie möglich nach außen zu drücken.

Für wen ist das E-Muli am besten geeignet?
Die klare Zielgruppe sind kleine Familien im urbanen Raum, mit maximal zwei kleinen Kindern und wenig Platz zum Abstellen. Oder als Ersatz für das normale Fahrrad oder Pedelec mit dem Bonus, einfach kurz für den großen Einkauf anhalten zu können. Aber der Nutzen endet nicht im Umkreis von 10km um die Haustür. Durch die geringe Größe kann man es auch auf vielen Fahrradträgern am Auto mitnehmen oder auf Reisen im Zug. Ein richtiger Autoersatz kann es wahrscheinlich nur in wenigen Fällen wirklich sein, zumindest nicht für Familien, denn dafür fehlt ein bisschen Platz vorne und hinten. Als Ersatz fürs Alltagsrad oder Zweitlastenrad ist es aber hervorragend geeignet!

* Muli Cycles hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung der Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

2020 Chike E-Kids – dynamisches Dreirad für Familien

Ich habe das Chike E-Kids für drei Wochen im Alltag gefahren und konnte viele Eindrücke sammeln. Vielen Dank an Hartje fürs zur Verfügung stellen. Hier findest du das Video dazu:

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Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 7/10

Durch den Neigemechanismus legt sich das Chike genau so weit in die Kurve, wie ein normales Rad, man muss vielleicht etwas mehr mit dem Oberkörper arbeiten, aber daran hat man sich sehr schnell gewöhnt. Es neigt dabei aber nie zum kippen und selbst im Grenzbereich verhält es sich gutmütig. Dabei spricht die Federung feinfühlig an, sodass immer alle drei Räder auf dem Boden bleiben. Die beiden Vorderräder sorgen für einen hohen Grip an der Vorderachse, selbst offroad.
Beim Bremsen sorgt die Federung dafür, dass das Rad vorne eintaucht, sodass die Haftung der Reifen noch erhöht wird, ziemlich clever! Die Bremsscheiben könnten für hügelige Gegenden aber etwas großzügiger dimensioniert sein.
Der Motor sorgt auch dank des kleinen Antriebsrads für eine gute Beschleunigung in allen Lebenslagen und arbeitet effizient. Ihm fehlt aber etwas Wumms bei höherer Beladung und bei Steigungen, besonders, wenn die Automatik mal wieder zu früh hochgeschaltet hat. Das ist ein super Komfortfeature bei gemütlicher Fahrt, aber mir ist mehr als einmal passiert, dass die Automatik an einer Steigung nach dem Runterschalten zu früh wieder hochgeschaltet hat und dann das ganze Momentum weg war. Eventuell kann man das einprogrammieren, aber es war auffällig.

Innovation/Design: 9/10
Chike waren nicht die ersten mit einem sich neigenden Dreirad, haben aber das ganze so einfach, klein, leicht und haltbar wie möglich konstruiert und gleichzeitig noch eine hervorragende Federung mit eingebaut. Ansonsten ist das Rad zweckmäßig designed worden, sachlich und funktional, mit der hochwertigen Kabine als zentralem Element. Das Gesamtdesign muss man mögen, aber es ist definitiv ein Hingucker und echt durchdacht. Bei Regenfahrten muss man sich darauf einstellen, dass die Füße nass werden, wenn man nicht links und rechts die Boxen montiert hat, da das Wasser am Schutzblech vorbei spritzt.

Ausstattung: 6/10
Die Ausstattung ist komplett funktional und passt zum gesamten Auftritt des Rades. Wir haben eine sehr gute Beleuchtung, gemütliche Griffe und Sattel und die komplette Shimano STePS E6100 Ausstattung. Ich hätte mir aber den größeren Akku gewünscht. Gerade mit größerer Last und im Stop&Go geht die Batterie schnell zur neige. Auch die Bremsen hinterlassen einen gemischten Eindruck. Bremspower ist im Flachen in der Stadt gut, fühlen sich aber etwas „weich“ an und die Arretierung geht sehr schwer rein. Was fehlt, ist ein Speichenschloss.

Preis: 6/10
Der Preis von 5700 Euro in der Grundausstattung für das Chike E-Kids ist ziemlich happig, aber dafür muss man nichts mehr dazu kaufen, um zwei Kinder wind- und wettergeschützt durch die Gegend zu fahren. Dann bewegt es sich tatsächlich im Preisrahmen anderer Cargobikes mit vergleichbarer Ausstattung. Das Zubehör ist fair eingepreist. Dennoch würde ich zumindest einen größeren Akku erwarten.

Qualität: 9/10
Alles, was man sieht und anfasst ist von hoher Qualität und war gut und korrekt montiert. Die größte potentielle Schwachstelle bei einer solchen Konstruktion ist das Fahrwerk, aber hier sind Teile aus dem Automobilbau reingekommen, was für eine sehr große Haltbarkeit spricht. Alle Verbindungen und die komplette Konstruktion sind klapperfrei und fühlen sich satt an. Der Aluminiumrahmen ist äußerst steif, sehr gut verarbeitet und mit einer hochwertigen, widerstandsfähigen Beschichtung versehen. 

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 5/10
Das Chike ist in der E-Kids Version komplett für den Transport von 2 Kindern ausgelegt. Eine Eurobox o.ä. lässt sich nicht eben abstellen und nicht vernünftig in der Kabine befestigen, sodass Dinge aus der Kabine nach vorne herausfallen könnten. Ein schneller Umbau auf die Cargoversion ist nicht möglich. Die Boxen haben ein erstaunlich großes Fassungsvermögen für kleinere Einkäufe oder Rucksäcke. Mit zwei Kindern in der Kabine ist man erst recht auf die Boxen und den Gepäckträger angewiesen, der durch die Konstruktion sehr tief ist und Packtaschen in Konflikt mit den Füßen des Fahrers kommen könnten.

Sitze/Bank: 10/10
Die Kabine und die Sitze des Chike E-Kids sind hervorragend! Es ist die beste Kinderkabine, die ich bisher in einem Lastenrad gesehen habe. Trotzdem gibt es zwei Kritikpunkte: 1. Kinder lassen sich nur schwer vor der Sonne schützen. 2. auch mit geschlossenem Verdeck können Dinge nach vorne aus der Kabine fallen, auch weil es keine gesicherten Ablagen gibt. Ansonsten weiß das Chike aber mit einer hohen, bequemen Lehne, atmungsaktiven Materialien, einfach zu bedienenden und sicheren 5 Punkt Gurten, der Möglichkeit den Kopf seitlich abzulegen, Gurtschonern und genug Platz nach vorne zu gefallen. Den Kabineninnenraum kann man dann noch in einer von drei Farben bestellen. Super!

Zubehör: 5/10
Viel gibt es nicht an Zubehör, da das Rad an sich komplett ausgestattet ist. Aber die seitlichen Boxen sowie die Babyschalenhalterung sind hochwertig und sinnvoll. Leider gibt es die Halterung nur für Maxi Cosis. Was im Angebot fehlt ist eine dedizierte Plane zum geschützten Abstellen im Freien und Möglichkeiten um den Platz hinter der Kabine noch besser zu nutzen.

Parken und Rangieren: 7/10
Dadurch, dass man den Neigemechanismus arretieren kann, braucht das Chike keinen Ständer, was es sehr einfach in er Bedienung macht und es bleibt immer da stehen, wo man es abstellt, selbst auf unebenem Untergrund. Der Wendekreis ist in etwa so groß wie bei einem großen Long John, dafür kann man das Chike aber auch beladen einfach hinten anheben und umdrehen, da es auf der Rückseite recht leicht ist.
Das Anschließen gelingt ebenfalls recht einfach, die Lücken zwischen den Rohren sind groß genug, und man kann es auch auf der Vorderseite anschließen. Etwas schwieriger kann es bei Fahrradständern werden. Auch wenn das Chike nur 70cm breit ist, kommt man an den lokalen Fahrraständern schnell mal in die Breduille. Ein Speichenschloss würde das anschließen und abstellen noch einmal vereinfachen.

Sicherheit: 7/10
In Sachen Fahrsicherheit ist das Chike E-Kids gut, man weiß als Fahrer auch durch die hohe, recht aufrechte Sitzposition wo die Reifen sind und kann das Rad ganz intuitiv steuern. Die Bremsen sind okay, aber nicht überwältigend kräftig.
Die Beleuchtung ist gut, aber durch die Bauart etwas niedrig angebracht, was die Einstellung erschwert und Leuchtbild beeinflusst. Reflektoren findet man neben den obligatorischen auch an der Seite des Verdecks, hier ist aber noch Potential z.B. links und rechts vorne und hinten am Verdeck.
Für die Sicherheit der Kinder ist gesorgt, durch die Neigung werden seitliche Kräfte verringert und sie sitzen durch die Federung höchst komfortabel, wenn auch recht hoch. Allerdings sitzen sie quasi über dem Auftreffpunkt der Motorhaube eines normalen Autos, falls es zu einem Unfall kommen sollte. Bei Auffahrunfällen sorgen die breiten und hoch angebrachten Gurte für effektiven Rückhalt. Die Maxi-Cosi Halterung nutzt die Aufnahmepunkte der Basisstation und ist daher sehr sicher.

Gesamtscore: 71/100

Fazit:

Das Chike ist ein hervorragendes Familybike. Fahraktiv, spaßig, kompakt, super Kindersitze, eine sinnvolle Ausstattung. Nur Kleinigkeiten könnten im Alltag den Spaß trüben, aber insgesamt ist es wirklich gelungen.

Es eignet sich für Familien mit maximal zwei Kindern für im Grunde alle Mobilitätsaufgaben. Aber zwei Kinder und ein kleiner Hund? Zwei Kinder und ein großer Einkauf? Wird schwierig, weil die Ladefläche nach vorne einfach sehr begrenzt nutzbar ist. Aber daran kann man sehen, dass sich Chike auf das wesentliche konzentriert hat: Komfort für Kinder und Fahrer/in. Und das macht es wirklich gut! Es verbindet die Vorteile eines Dreirades mit den Vorteilen eines Zweirades und muss dabei nur sehr wenige Kompromisse eingehen. Es ist ganz nah dran am perfekten Familienbike.

* Hartje hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung der Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

Yuba Mundo Steps – klassisches Longtail Cargobike mit neuem Steps Motor

Ich hatte das Yuba Mundo Steps für ein verlängertes Wochenende bei mir und konnte es im Alltag testen. Vielen Dank an Yuba Europe und Fahrradhandlung Willert 2.0. Hier findest du das Video dazu:


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Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 8/10
Das Yuba Mundo Steps ist ein Longtail, also im Grunde ein normales Fahrrad mit verlängertem Radstand und einem langen Gepäckträger. Unbeladen fährt sich das Rad sehr spritzig und ist fahraktiv. Man merkt nicht, dass das Rad gute 20-30cm länger ist als ein normales Rad. Wenn das Rad beladen ist, besonders bei Personen auf der Rückbank wird das Rad etwas unwilliger in den Kurven und muss mit mehr Nachdruck bewegt werden. Das fällt insgesamt aber nicht negativ auf und man hat sich schnell daran gewöhnt. Durch das große Hinterrad hat man einen hohen Schwerpunkt bei beladenem Rad, was die Fahrdynamik einschränkt. Der Shimano Steps E8000 Motor sorgt für einen schnellen Vortrieb, was auch durch die Shimano Deore 10 Gang Kettenschaltung begünstigt wird. Die Gänge lassen sich präzise und ohne großen Kraftaufwand durchschalten und die Übersetzung ist vernünftig gewählt.

Innovation/Design: 6/10
Das Mundo war das allererste Modell im Yuba Lineup und hat sich im Design kaum verändert. Hier und da wurden ein paar Details angepasst, wie zum Beispiel die Position des Speichenschlosses. Es ist aber nach wie vor ein sehr schönes Rad, das sehr klassisch daherkommt, aber auch nicht mit großem Innovationen aufwarten kann. Für eine große Stabilität sorgen Steckachsen und ein 1,5″ Steuerrohr.

Ausstattung: 4/10
Die Ausstattung ist größtenteils sinnvoll aber an der ein oder anderen Stelle zu einfach. Der Scheinwerfer hat ein gutes Leuchtbild und ist ausreichend hell, aber fühlt sich billig verarbeitet an. Ebenso wurde bei der Bremse auf die Magura MT32 gesetzt, die zwar funktionell der MT4/MT5 ähnelt, aber deutlich weniger edel daherkommt. Ebenso ist die Kombination aus Steps E6100 Display und den Steps E7000 Lenkertasten nicht optimal, da letztere keinen „Menü“-Button besitzen. So muss man bei der Bedienung oft die Hand vom Lenker nehmen. Der Sattel ist äußerst bequem, die Griffe passen von der Form nicht zu dem geschwungenen Lenker. Standardmäßig kommt das Rad ohne Packtaschen oder sonstiges Zubehör.

Preis: 5/10
4500 Euro Basispreis liegen im Bereich der Mitbewerber, aber die Ausstattung könnte gerne ein paar bessere und langlebigere Komponenten beinhalten. Durch den Werkstoff Stahl ist jedoch auch der Rahmen in der Produktion teurer als ein Aluminumrahmen.

Qualität: 7/10
Die Verarbeitung des Rahmens ist stabil und sollte sehr lange Freude bieten. Schweißnähte, Rohrformen und die Beschichtung sind hochwertig. Der Mix aus innen und außen verlegten Zügen, Kabeln und Leitungen sieht recht aufgeräumt aus und ist sinnvoll ausgewählt. Bei unebener Fahrbahn poltert der Ständer regelmäßig gegen den Rahmen.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 7/10
Das Mundo lässt sich einfach auf verschieden große Fahrerinnen und Fahrer einstellen, jedoch ist der Einstieg recht hoch. Ob Großeinkauf, 3 Kinder, Sportplatzbesuch oder Transport zweier Fahrräder. Alles kein Problem fürs Mundo, auch wenn man beim Verstauen und Verzurren der Ladung teilweise kreativ werden muss. Das verfügbare Zubehör lässt sich einfach und intuitiv abbauen und tauschen. Eine Möglichkeit, eine Babyschale mitzunehmen, gibt es nicht.

Sitze/Bank: 7/10
Bis zu drei Kinder auf Polstern, ein Erwachsener oder zwei Kleinkinder in Thule Yepp Maxi Sitzen können hinter dem Fahrer Platz nehmen. Alle Passagiere Sitzen in Fahrtrichtung, haben Fußstützen und können sich an der Monkeybar festhalten. Klassisches Fahrradgefühl für Kinder und hinter dem Fahrer ist viel Platz zum hinteren Sitz, sodass man auch einen Rucksack tragen könnte.

Zubehör: 7/10
Es gibt von Yuba für das Mundo alles mögliche, um das Rad an die persönlichen Präferenzen und dien größtmöglichen Alltagsnutzen anzupassen. Selbst eine Regenkabine ist verfügbar, durch die die Kinder trocken von A-B gebracht werden können. Ansonsten hier eine Auflistung an verfügbaren Zubehörs: Seitentaschen groß und klein, verschieden große Sitzpolster, Griffe, Monkeybar (umlaufende Reling), Regenverdeck, Thule Yepp Kleinkindsitze, Pegs, Frontkorb etc.

Parken und Rangieren: 9/10
Das Yuba lässt sich parken und rangieren wie fast jedes andere normale Pedelec. Man sollte aber ein langes Schloss haben, da die Boards hinten recht ausladend sind. Es gibt aber genug Stellen am Rahmen, an denen ein Schloss durchgezogen werden können. Der Ständer hält das Rad sicher aufrecht, auch auf unebenem Grund. Schieben mit der Schiebehilfe funktioniert ebenfalls gut.

Sicherheit: 7/10
Da das Mundo sich wie ein klassisches Rad fährt, macht man sofort instinktiv alles richtig. Das Rad fährt stabil und gleichzeitig ausreichend dynamisch. Die Bremsen verzögern gut und die Reifen haben genug Grip, auch bei matschigen Untergründen. Yuba verzichtet auf zusätzliche Reflektoren. Die Kinder sitzen durch Dinge wie ein Thule Yepp oder die Monkeybar sicher auf dem Rad.

Gesamtscore: 69/100

Fazit:

Als Longtail ist das Yuba Mundo Steps besonders für Familien geeignet, deren Kinder dem Babyalter entwachsen sind. Dann lässt es sich jahrelang für die unterschiedlichsten Zwecke verwenden. Ebenso könnte es für jemanden sinnvoll sein, der Radreisen unternimmt und den zusätzlichen Platz auf dem Gepäckabteil schätzt. Bis auf die fragwürdigen Entscheidungen bezüglich der Ausstattung habe ich auch nichts auszusetzen an dem Yuba Mundo. Das Design folgt der Tradition des kalifornischen Herstellers und ist schön und klassisch. Auch der Motor und die Schaltung harmonieren. Insgesamt also eine gelungene Weiterentwicklung des Longtail-Klassikers.

* Yuba Europe / Fahrradhandlung Willert 2.0 hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung des Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

Black Iron Horse Pony Test – Dreirad mit außergewöhnlichem Design


Ich hatte das Black Iron Horse Pony für einen Test bei mir und konnte es 4 Wochen im Alltag bewegen. In dieser Übersicht findest du die Zusammenfassung meiner Eindrücke.


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Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 5/10
Das Black Iron Horse Pony fährt sich außergewöhnlich. Durch die starre Dreiradkonstruktion muss man sich weit in Kurven lehnen, um immer sicherzustellen, dass alle drei Räder auf dem Boden sind, ansonsten verliert das Rad durch das Differential den Vortrieb. Das ist nicht allen Fahrer*innen möglich. Die Hinterradlenkung verliert nach wenigen hundert Metern seinen Schrecken, da das Rad gutmütig abgestimmt ist und man sich schnell an die besondere Lenkung gewöhnt. Der Motor arbeitet kräftig und leise, insgesamt unauffällig. Die Nexus 5E Automatikschaltung arbeitet größtenteils zuverlässig, hat aber ein Problem mit dem Runterschalten an Steigungen. Hohe Stabilität bei langsamer Fahrt und im Stand.

Innovation/Design: 9/10
Black Iron Horse hat das Prinzip des hinten gelenkten Lastenrads erfunden und perfektioniert. Das Pony sieht mit der Box aus recyceltem Kunststoff und den keilförmigen Linien modern aus und ist definitiv ein Hingucker. Die Abmessungen sind dabei angenehm kompakt und der verfügbare Platz ist gut genutzt. Auch die Position der Batterie ist sinnvoll gewählt.

Ausstattung: 5/10
Die Ausstattung zeigt Licht und Schatten. Der Motor und die Schaltung sind sehr hochwertig, die Schwalbe Reifen sind komfortabel und haben einen guten Pannenschutz. Der Sattel ist ebenfalls sehr bequem. Was den Gesamteindruck trübt sind die schlechten Scheinwerfer, die billigen Griffe und die Tektro Bremse, die etwas mehr Power haben könnte.

Preis: 4/10
Das Pony ist mit über 6000€ in der getesteten Version für die Ausstattung recht teuer. Wenn man aber die nachhaltige, lokale Produktion berücksichtigt und die Box, die in der Herstellung teuer ist, lässt sich der Preis erklären. Im Umfeld der Konkurrenz mit Drehschemellenkung siedelt sich das Pony im oberen Spektrum an.

Qualität: 7/10
Die Verarbeitung des Rahmens ist stabil und sollte sehr lange Freude bieten, jedoch sehen die Schweißnähte sehr nach Handarbeit aus und könnten etwas schöner verarbeitet sein. Die Pulverbeschichtung des Rahmens ist widerstandsfähig und Spuren lassen sich in der Regel einfach wegwischen. Die Anbauteile sind einfach und zweckmäßig, die zugelassene Beladung von 100kg in der Box und 130kg auf dem Sattel sind großzügig.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 5/10
Das Pony gibt es in zweierlei Ausführung, entweder mit der Sitzbank oder einer flachen Ladefläche. Die Sitzbank ist mit Schrauben demontierbar, die Box ist in der Kinderversion zerklüftet. Weitere Transportmöglichkeiten gibt es nicht, es lässt sich weder ein Gepäckträger, noch ein Anhänger mit Befestigung an der Achse montieren. Große Ladungen lassen sich nicht vernünftig verzurren.

Sitze/Bank: 6/10
Die Bank und Sitzmöglichkeiten sind grundsätzlich sehr geräumig. Die Bank ist breit aber ungepolstert. Ebenfalls ist die Rückenlehne niedrig, sodass die Gurte zu leicht die Schultern des Kindes herunter rutschen. Die Kinder sitzen recht hoch in der Box und haben eine gute Übersicht. Der Einstieg gelingt ebenfalls einfach, auch dank der Trittstufe. Der dritte Sitz hinter der Vorderwand ist eine geniale Idee, um ein drittes Kind mitzunehmen.

Zubehör: 7/10
Die Auswahl des Zubehörs ist klein aber durchdacht. Das Regenverdeck mit der zusätzlichen Netztasche ist super, weil man es leicht montieren und demontieren kann und die Kinder wirklich gut vor Regen und Wind geschützt sind. Der dritte Sitz, die Sitzpolster, Kettenschutz und der Babysitz ergänzen das Angebot. Ein Gepäckträger oder eine Maxi-Cosi Halterung fehlen aber im Programm.

Parken und Rangieren: 9/10
Beim Rangieren spielt das Black Iron Horse Pony seine Konstruktion voll aus. Der Wendekreis ist winzig und das Rad lässt sich punktgenau auch durch enge Gassen zirkeln. Wenn man das Rad doch einmal umdrehen muss, ist das ebenfalls kein Problem, da es hinten sehr leicht ist. Einfach hinten anheben und umdrehen. Zum Anketten gibt es ein Rahmenschloss an der hinteren Gabel, an das man auch eine Einsteckkette anstecken kann. Mit einem weiteren Schloss kann man das Pony am Sattelrohr anschließen. Beim rückwärts Fahren muss man die umgedrehte Lenkung beachten. Der Schiebemodus ist kräftig und reicht auch aus, um das beladenen Rad Rampen hoch zu schieben.

Sicherheit: 5/10
Mit ein bisschen Eingewöhnung lässt sich das Rad sicher auch mit höheren Geschwindigkeiten durch den Alltag bewegen. Es ist einfacher zu handlen und unter Kontrolle zu behalten als ein Rad mit Drehschemellenkung, da man eine natürliche Lenkbewegung macht. Die Bremsen sind ausreichend, aber nicht besonders kräftig. Die Beleuchtung sollte definitiv verbessert werden, bzw man muss auch auf eine korrekte Einstellung achten, da die Scheinwerfer sehr niedrig liegen. Wenn das Rad kippt, sind die Kinder nicht gut geschützt, da sie sehr hoch sitzen und eine niedrige Schulterlinie haben.

Gesamtscore: 62/100

Fazit:

Die Entscheidung für ein Dreirad ohne Neigungstechnologie trifft man, wenn man den Komfort haben will, dass das Rad immer stehen bleibt, man eine möglichst große Box benötigt und keine besonderen Ansprüche an die Fahrdynamik stellt.

Das Pony ist eines der kleineren Dreiräder und nutzt den Platz gut aus, die Hinterradlenkung macht das Rad außergewöhnlich und der Shimano Antrieb passt gut zum Rad, auch wenn die Nexus 5E nicht 100%ig überzeugen kann. Wenn man in einer Stadt mit guten Radwegen lebt, regelmäßig mit 3 Kindern unterwegs ist und die innovative Konstruktion schätzt, sollte man das Black Iron Horse Pony definitiv in Betracht ziehen. Es ist anderen starren Dreiradkonstruktionen deutlich überlegen. Nur der Preis könnte am Ende potentielle Interessenten abschrecken.

* Black Iron Horse hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung des ersten Vorstellungsvideos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

Tern HSD S+ Test: Compactbike + Longtail = Midtail

Das Tern HSD ist eine interessante Mischung aus Longtail Cargobike und kompaktem Pedelec. Die Variante S+ markiert die höchste Ausstattungsstufe mit einem kräftigen Bosch Performance Motor und Enviolo Automatiq. Ich konnte das variable Compactbike 4 Wochen im Alltag testen* und das ist meine Bewertung:

Hier gehts zur Score-Übersicht.

Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 9/10
Das Tern HSD S+ fährt sich mit den kleinen 20 Zoll Rädern und dem kräftigen Motor sehr agil und bleibt jederzeit stabil und einfach im Handling. Die stabile Konstruktion mit dem zusätzlichen Komfort durch Federsattelstütze und Federgabel ist für lange Tage im Sattel gut und die Beladungskapazität kann voll genutzt werden, ohne dass das Fahren anstrengend oder kompliziert wird. Das ist dem niedrigen Gesamtschwerpunkt und der ausgeglichenen Lastverteilung zu verdanken. Das gesamte Fahrverhalten ist sehr flott und angenehm.

Innovation/Design: 8/10
Tern hat eine jahrelange Erfahrung in der Konstruktion von Falträdern und Compactbikes. Viele dieser Ideen und Erfahrungen fließen direkt in das HSD ein. Der variabel verstellbare und klappbare Vorbau sorgt für eine einfache Anpassung und dafür, dass man das Rad einfach verstauen kann. Die zweigeteilte Sattelstütze ist ebenfalls eine geniale Idee, da man so auch einfach die obere Stütze für seinen Bedarf tauschen kann, ohne auf ein Sondermaß angewiesen zu sein. Ebenfalls ist das HSD eines der wenigen Kompakträder, auf dem man auch mit einer Körpergröße von 2 Metern gut sitzen kann. Den Vogel schießt aber der Gepäckträger ab, auf dem man das Rad hochkant abstellen kann. Viele Ideen und sehr praktikabel, allerdings polarisiert die Gestaltung des Fahrrads auch. Mit montiertem Kindersitz (Thule Yepp Maxi) lässt sich der Akku schwer entnehmen.

Ausstattung: 9/10
Die komplette Ausstattung ist sehr hochwertig und komplett auf den Anspruch des Rades abgestimmt. Ein besonderes Schmankerl ist natürlich die Enviolo Automatiq, die aktuell in nur sehr wenigen Rädern verbaut ist. Bis auf die Schaltung bietet das Tern allerdings auch keine extravaganten Ausstattungsmerkmale und der proprietäre Scheinwerfer ist eher schwach auf der Brust. 

Preis: 4/10
Mit 5200 Euro bewegt sich das HSD S+ am oberen Spektrum des Compactbike Marktes und ist auch teurer als das GSD S00, dem zum S+ auch einige Details fehlen. Gemessen an der Ausstattung mag der Preis gerechtfertigt sein, aber dann muss man auch die Besonderheiten der Ausstattung schätzen.

Qualität: 8/10
Alle Schweißnähte und Details sind sauber verarbeitet und die Lackqualität stimmt. Die gesamte Konstruktion ist sehr hochwertig und stabil. Federgabeln sind immer Schwachstellen, somit muss man ein besonderes Augenmerk darauf legen und sie regelmäßig pflegen. Zubehörteile wie Frontgepäckträger und Packtaschen können schnell zu Abnutzungserscheinungen bei den Befestigungspunkten und an potenziellen Scheuerstellen führen.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 7/10
Das Tern HSD lässt sich sehr variabel nutzen und kann als Begleiter in den meisten Lebenssituationen dienen. Durch den Formfaktor des Longtails ist es nicht so variabel wie ein Longtail, da sperrige Lasten nur eingeschränkt transportierbar sind. Tern macht diesen Nachteil durch ein sehr großes Angebot an verschiedenem Zubehör wett, mit dem sich das Rad sehr gut anpassen lässt.

Sitze/Bank: 3/10
Auf dem Tern HSD kann man nur ein Kind mitnehmen und benötigt dafür einen Kindersitz, der sich auf dem Gepäckträger montieren lässt. Die Mitnahme von Babies und Kleinstkindern ist nicht möglich, außer mit einem Anhänger.

Zubehör: 7/10
Tern bietet, wie auch schon geschrieben, eine riesige Auswahl sehr hochwertigen Zubehörs an und hat auch das Rad so gestaltet, dass Zubehör von Drittherstellern einfach passt. Günstig ist das Zubehör allerdings nicht und anders als das GSD wird das HSD standardmäßig ohne Packtaschen o.ä. ausgeliefert. Einiges an Zubehör für den Transport von Mitfahrern ist (noch?) nicht verfügbar.

Parken und Rangieren: 10/10
Das HSD zu parken und zu rangieren ist einfacher als bei den meisten anderen Rädern, da es sehr klein ist und an jeden Fahrradständer passt. Ebenso lässt es sich hochkant parken, was mit etwas Übung auch sehr einfach funktioniert. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist das hohe Eigengewicht von über 30kg mit Zubehör.

Sicherheit: 7/10
Auf dem HSD fühlt man sich gleich zuhause und hat so ein sehr natürliches Fahrgefühl. Das Aufsteigen, Anfahren, Bremsen und Abstellen ist sehr einfach und der Seitenständer hält das Rad sicher im Stand, auch wenn ein Kind auf dem Sitz sitzt. Aufpassen muss man, wenn der vordere Gepäckträger beladen ist, da je nach Gewicht die Gabel eintaucht und sich die Last bei schon geringer Geschwindigkeit aufschaukelt. Lasten über 10 Kg würde ich eher nach hinten verfrachten. Das Rad ist mit vielen Reflektoren ausgestattet.

Gesamtscore: 72/100

Fazit:

Wenn man ein Pedelec mit viel Komfort und der Extraportion Variabilität sucht, das dann auch noch kompakt sein soll, kann man mit dem HSD nicht viel falsch machen. Allerdings muss das Budget es auch hergeben, denn auch der Einstieg ist mit über 3000 Euro schon nicht billig. Dafür bekommt man aber eine ansehnliche Ausstattung und ein Rad, das mit vielen tollen Ideen und einer hochwertigen Verarbeitung aufwarten kann. Für alle, die mehr als ein Kind transportieren müssen, ist aber eher der große Bruder, das GSD geeignet.

* Hartje hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung zweier Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

Yuba Supermarché Electric Test

Das Yuba Supermarche ist das Long John des Long Tail Spezialisten aus Kalifornien. Ich konnte das Cargobike 2 Wochen im Alltag testen* und das ist meine Bewertung:

Hier gehts zur Score-Übersicht.

Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 9/10
Das Yuba Supermarche fährt und beschleunigt phänomenal, besonders wenn man die Größe und das Gewicht des Rades in Betracht zieht. Die Sitzposition erinnert stark an ein Mountainbike dank des breiten Lenkers und vermittelt ein hohes Maß an Kontrolle. Die Lenkung reagiert direkt auf Befehle und lässt sich punktgenau dirigieren. Das Fahren fühlt sich sehr natürlich an und auch Neulinge können direkt mit dem Rad umgehen.

Innovation/Design: 7/10
Drei Punkte unterscheiden das Yuba Supermarche von den meisten Mitbewerbern. Das ist auf der einen Seite die Kabelzuglenkung, das kleine 20″ Hinterrad und der integrierte Gepäckträger. Der Lenkungsmechanismus hat den Vorteil, dass er keine ausleiernden Gelenke enthält und daher immer gleich präzise ist. Das kleine Hinterrad lässt das Rad schnell beschleunigen und sorgt für einen niedrigen Schwerpunkt. Der integrierte Gepäckträger hat nicht nur Vorteile, da die Streben sehr dick sind und man kreativ werden muss, um Dinge daran zu montieren. Das niedrige Tretlager ist angenehm, führt aber bei Kurvefahrten hin und wieder zum Aufschlagen des kurveninneren Pedals. Durch das Heckdesign ist kein Chainglider und kein Riemen verbaubar. Ebenso ist man auf den Kettenspanner angewiesen.

Ausstattung: 7/10
Motor (Bosch Performance CX) und Bremsen (Magura MT5) sind top. Die Enviolo Nabe will nicht so recht zum Charakter des Rades passen, ist aber ebenfalls sehr hochwertig. Die AXA Beleuchtung ist okay, ebenso wie die ungebrandeten Anbauteile.

Preis: 6/10
Das Yuba Supermarche bewegt sich im Mittelfeld. In Anbetracht der Ausstattung ist der Preis voll gerechtfertigt, wenn auch herb teurer als das Rad ohne Motor.

Qualität: 7/10
Alle Schweißnähte und Details sind sauber verarbeitet und die Lackqualität stimmt. Der Rahmen ist auf sehr hohe Belastungen ausgelegt, zeigt aber dennoch Nachgiebigkeit bei Unebenheiten. Das Vorderrad schmeißt Dreck an Orte, wo der er nicht wieder rauskann und so für unnötigen Verschleiß sorgt.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 8/10
Die Ladefläche des Yuba Supermarché ist sehr variabel. Es lassen sich zwei Aufbauten montieren (Bambus Seitenwände und Open Loader) und die Sitzbank lässt sich schnell demontieren um Platz für Beladung zu schaffen. Der Open Loader ist sehr geräumig. Auf der Bodenplatte lässt sich Beladung einfach verzurren. Der große Gepäckträger kann ebenfalls gut für Beladung genutzt werden. Sehr hohe Zuladung von 136kg + Fahrer!

Sitze/Bank: 5/10
Die Sitze sind bequem gepolstert, allerdings ist die Rückenpolsterung recht kurz. Kein Seitenhalt der Sitze nach außen und die Bank ist relativ schmal. Der Verschlussmechanismus der Gurte ist gut, die Gurte selbst lassen sich aber nur schwierig verstellen und neigen durch die Art der Befestigung zum wegrutschen. Nach vorne ist genug Platz, die Kopffreiheit wird durch das Regenverdeck eingeschränkt. Insgesamt verschenken die Sitze etwas Potential.

Zubehör: 5/10
Da das Supermarche standardmäßig ohne Ladefläche etc. kommt, bewerte ich das als Zubehör. Damit kann man das Rad komplett ausstatten. Es hat auch alles eine hohe Verarbeitungsqualität, allerdings ist es alles nicht ganz durchdacht. Darüber hinaus gibt es kein Zubehör für den Gepäckträger und keine Möglichkeit um zum Beispiel eine Babyschale zu montieren.

Parken und Rangieren: 6/10
Durch den ins Heck integrierten Gepäckträger gelingt es ganz einfach, einen Parkplatz für das Rad zu finden, auch ohne ein mega langes Kettenschloss dabei zu haben. Der Lenkeinschlag lässt sich leicht einschätzen und ist groß genug, um auch Enge Kehren zu meistern. Das Rad ist sehr groß und recht schwer, aber dafür gelingt das Rangieren recht gut. Die Benutzung des Ständers ist anstrengend und für leichte Personen mit beladenem Rad ein echter Kampf.

Sicherheit: 6/10
Vom Fahren und Bremsen ist das Rad top, auch wenn der breite Lenker längst nicht für jeden etwas ist. Das Supermarche ist mit Regenverdeck sehr seitenwindanfällig, da der feste Rahmen nicht nachgibt und das lockere Verdeck so wie ein Segel wirkt. Das Stoffmaterial des Open Loader bietet keinen Schutz bei einem Unfall, aber der Rahmen um die Ladefläche herum wirkt sehr stabil. Leider ist er sehr tief angesetzt, sodass es eine sehr niedrige Schulterlinie ergibt. Das Gurtsystem und die Aufnahme sind verbesserungswürdig.

Gesamtscore: 66/100

Fazit:

Das Yuba Supermarché Electric ist für jeden geeignet, der ein sportliches Lastenrad mit viel Platz, einem starken Motor und hoher Zuladung sucht. Für den Einsatz als richtig guter Familientransporter müssten die Sitzbank, Gurte und Schulterlinie angepasst werden. Hier leistet sich das Rad die ein oder andere Schwäche. Richtig gut gefallen hat mir die Dynamik des Supermarché. Es fühlt sich beim Fahren nicht nach einem 46kg 2,58m Fahrrad an, sondern sehr viel leichter.

* Yuba Europe hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung zweier Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

Omnium Mini Max Test

Das Omnium Mini Max ist ein kleines, schnelles Cargobike für Radkuriere, die ein bisschen mehr mitnehmen müssen. Ich habe es mit dem Besitzer Steffen zusammen getestet. Das ist meine Bewertung:

Hier gehts zur Score-Übersicht.

Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 7/10
Das Omnium hat eine sportliche Sitzposition und lässt sich sehr einfach beschleunigen. Die Sitzposition sorgt dafür, dass man ausreichend Kraft auf die Pedale bringen und auch lange ermüdungsfrei fahren kann. Da sich die Last direkt über dem Vorderrad befindet hat sie auch Einfluss auf das Lenk- und Bremsverhalten. Bei höherem Gewicht auf der Ladefläche fängt sie an sich beim Fahren leicht aufzuschaukeln. Beim Bremsen bricht leicht das Hinterrad aus, stärker als bei normalen Fahrrädern. Insgesamt ist es aber leicht zu manövrieren.

Innovation/Design: 10/10
Das Mini Max hat einen elegant gestalteten Stahlrahmen mit schönen Details. Die verwobenen Gurte auf der Ladefläche sind ein Markenzeichen von Omnium und sind nicht nur stabil, sondern beugen auch Geklapper von der Ladung vor. Interessant ist der Einsatz eines 451 Vorderrads anstatt eines 406.

Gewicht: 8/10
16 Kg Leergewicht ist für ein Lastenrad aus Stahl relativ wenig, aber auch nicht überwältigend, da ja Motor und Kindersitze etc. komplett fehlen.

Preis: 6/10
Das Omnium ist nicht billig für das, was man erhält. Dinge wie ein Nabendynamo und Beleuchtung kosten extra, die Anbauteile sind allesamt aus dem Shimano Katalog und im mittleren Preissegment.

Qualität: 7/10
Der Rahmen ist sauber verarbeitet, mit schönen Details, aber insgesamt recht einfach. Rohre und Rohrformen sind auf die Belastung im Alltag ausgelegt und in der Regel halten Omnium Räder diese Belastung für viele Jahre aus.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 3/10
Die Ladefläche des Omnium Mini Max ist ganz klar auf den Einsatz mit dem Gurtnetz ausgelegt und zu klein um irgendwelche Aufbauten für den Kindertransport etc zu ermöglichen. Allerdings entspricht der Rest des Rades einem normalen 28“ Fahrrad mit allen Möglichkeiten, es mit Zubehör zu erweitern.

Sitze/Bank: 1/10
Nicht vorhanden und auch für das Mini Max nicht vorgesehen.

Zubehör: 5/10
An das Omnium Mini Max kann man beinahe sämtliches Zubehör aus sämtlichen Katalogen ranschrauben, aber Omnium bietet in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern auch Zubehör speziell für Omniums an. Besonders was Taschen angeht kann man sein Omnium Mini Max ganz gut ausstatten. Für das Mini Max ist die Auswahl allerdings etwas beschränkt.

Parken und Rangieren: 9/10
Das Omnium ist leicht und lediglich minimal größer als ein normales Herrenrad. Die breite Ladefläche schränkt dennoch die Nutzung von einigen Fahrradständern ein und es passt nicht in jeden Flur.

Sicherheit: 8/10
Die Ladung lässt sich gut auf der Ladefläche des Mini Max verzurren. Die Sitzposition und die guten Bremsen vermitteln Sicherheit, wie bei einem normalen Fahrrad. Die leichte Wackeligkeit bei hoher Beladung kann aber Unsicherheit hervorrufen. Von Werk aus ist das Omnium nicht mit den geforderten Reflektoren und Beleuchtung ausgestattet.

Gesamtscore: 61/100

Fazit:

Das Omnium Mini Max ist ein Rad für den täglichen Job auf den Straßen irgend einer Großstadt, oder für die Pendelfahrt, wenn man die große Tasche nicht auf dem Rücken tragen will. Einkäufe, Pakete etc. lassen sich alle auf der Ladefläche verzurren, jedoch für Kinder ist kein dedizierter Platz vorgesehen. Somit ist es eher dann geeignet, wenn die Kinder bereits aus dem Long John ausgewachsen sind, oder wenn man lieber mit Anhänger fährt und noch eine gut nutzbare Ladefläche benötigt.

Die teilbare Libelle – Lastenrad Test

Wertung

Ich habe die Libelle getestet, ein super leichtes, teilbares Lastenrad mit einer Carbon-Kevlar Monocoque Konstruktion. Das ist meine Bewertung:

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Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 7/10
Das Libelle hat eine sportliche Sitzposition und lässt sich sehr einfach beschleunigen. Die Sitzposition sorgt dafür, dass man ausreichend Kraft auf die Pedale bringen kann und auch lange ermüdungsfrei fahren kann. Beim Lenken und Bremsen reagiert die Libelle anders als Lastenräder mit Metallrahmen, da beim Lenken eine gewisse Trägheit merkbar ist und beim starken Bremsen sich die ganze Box verwindet.

Innovation/Design: 10/10
Bei der Libelle wurde das Konzept „Long John“ von Grund auf neu gedacht und entwickelt. Die formschöne und aerodynamische Box aus Carbon-Kevlar, die Teilbarkeit und die Möglichkeit, das Vorderteil als Buggy zu verwenden sind Alleinstellungsmerkmale der Libelle.

Gewicht: 10/10
Die Libelle wiegt in der getesteten, selbt zusammengestellten Version lediglich ca. 23kg inklusive der Kindersitze. Die nicht teilbare Version bekommt man auf Fabelwerte von ca. 18kg. Das ist leichter als alle anderen Long Johns, mit denen sich Kinder transportieren lassen.

Preis: 7/10
Durch die hohe Komplexität und die hochwertigen Materialien ist das Libelle Lastenrad im oberen Preissegment der ununterstützten Lastenräder, aber ausstattungsbereinigt immer noch günstiger als zum Beispiel ein Bullitt.

Qualität: 8/10
Alle Rahmenteile machen einen hochwertigen Eindruck und sind passgenau gefertigt. Im Detail gibt es leichte Schwächen, die dem Manufaktur-Charakter geschuldet sind.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 6/10
Ja, das Rad lässt sich teilen und ist somit sehr variabel, allerdings ist die Box an sich sehr eingeschränkt nutzbar. Wenn Kinder drin sitzen passt kaum noch Gepäck vor die Beine und wenn keine Kinder drin sitzen schränkt die ovale Form die Nutzbarkeit ein. Auch die geringe Zuladung der Box könnte einigen nicht reichen.

Sitze/Bank: 10/10
Sitze aus einem etablierten Kinderanhänger zu nehmen ist eine gute Idee, denn die Kinder sitzen in einer entspannten, flachen Haltung und können den Kopf anlehnen. Die Sitze sind hängend gelagert, haben 5-Punkt-Gurte und die Box bietet ebenfalls noch einmal Federungskomfort.

Zubehör: 7/10
Für die Libelle gibt es eine kleine Auswahl an gutem Zubehör direkt von der Nutzrad-Studio GmbH. Dritthersteller haben keine Produkte für die Libelle im Portfolio.

Parken und Rangieren: 7/10
Durch das sehr geringe Gewicht der Libelle lässt sie sich ohne große Anstrengung rangieren und abstellen. Jedoch kann man dann nur das hintere Teil anschließen. Das vordere Teil ist schnell abbaubar, lässt sich aber nicht mit einem Schloss befestigen. Dadurch muss man das Teil immer mitnehmen oder das Rad bzw. das vordere Teil hinter verschlossenen Türen lagern.

Sicherheit: 6/10
Die Box bildet eine Schutzhülle um die Insassen, die durch die guten Sitze und Gurte auch bei einem Unfall in der Box geschützt sein sollten. Der Bremsweg ist länger als bei Rädern, die komplett mit hydraulischen Scheibenbremsen ausgestattet sind und die Verwindung der Box beim starken Bremsen kann zu brenzlichen Situationen führen.

Gesamtscore: 78/100

Fazit:

Die Libelle ist ein genial konzipiertes Fahrrad, das mit allen Traditionen von Long Johns bricht. Das Gewicht, die Teilbarkeit und die hervorragende Box sind klare Vorteile, die im Alltag den Unterschied zwischen Lust und Frust machen können. Es ist kein Alleskönner-Lastenrad, sondern hat der klaren Fokus auf Kindertransport, wer ein Heavy-Duty Cargobike sucht, wird mit der Libelle nicht glücklich. Interessenten sollten auf jeden Fall einmal Probe fahren, um zu sehen, ob der Punkt mit der Bremse für sie entscheident ist und ob die Größe und Zweck der Box ausreichen.

Monark & SCO Long John – Test

Wertung

Das Monark Long John ist der Klassiker, der Urtyp aller modernen Long Johns. Ich habe mir eines genauer angesehen.

Eine Erklärung zum Bewertungssystem findest du hier. Und hier die Übersicht aller getesteter Räder.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 2/10
Das Rad fährt sich ausreichend stabil und der Stahlrahmen federt leichte Unebenheiten gut weg. Die Mopedreifen haben einen guten Grip, sind aber durch ihre Konstruktion nur schwerlich von einer Beschleunigung zu überzeugen. Die Sitzposition ist aufrecht, dadurch sitzt man komfortabel, aber recht unsportlich. Insgesamt hat man das Gefühl, einen Oldtimer zu fahren, was auch durch die altertümlichen Bremsen unterstrichen wird.

Innovation/Design: 6/10
Das Monark Long John ist der Urvater des Long John Konzepts und somit Vorreiter aller modernen Long Johns. Ideen, wie die hydraulisch angesteuerte Frontbremse und die Anpassbarkeit der Sitzposition bewerte ich als positiv, allerdings merkt man der gesamten Konstruktion ihr Alter an.

Gewicht: 4/10
Das Rad ist im Vergleich zu modernen, elektrisierten Long Johns etwa gleichauf, kann aber nicht mit anderen, unmotorisierten Lastenrädern mithalten. Mit zusätzlichem Aufbau wird das Rad sehr schwer.

Preis: 5/10
Es gibt Long Johns in jedem Zustand zu jedem Preis. Wenn man die Augen offen hält und bereit ist, etwas weiter zu fahren kann man gute Schnäppchen machen, allerdings wissen die meisten Verkäufer, was sie haben und rufen recht hohe Preise auf.

Qualität: 5/10
Viele Ur-Long Johns sind auch im hohen, zweistelligen Alter noch funktionsfähig und teilweise regelmäßig auf der Straße unterwegs. Die Komponenten sind langlebig und lassen sich einfach austauschen. Spezifische Teile sind jedoch schwierig zu finden und müssen teilweise angefertigt werden. Der Rahmen hat bauartbedingte Schwachstellen, die man beobachten muss.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 5/10
Die große Ladefläche und der stabile Gepäckträger sind gut nutzbar und lassen sich schwer beladen. Ladungen sind durch die Streben gut verzurrbar und die Ladefläche lässt sich hoch beladen, ohne dass der Lenker gegen die Ladung stößt. Selbst gebautes Zubehör kann einfach befestigt werden.

Sitze/Bank: 1/10
Es ist keine Bank verbaut und auch nie offiziell verfügbar.

Zubehör: 1/10
Es ist kein offizielles Zubehör verfügbar. Anbauten müssen selbst gebaut werden.

Parken und Rangieren: 7/10
Für die Größe sehr kleiner Wendekreis und das Rad ist insgesamt recht übersichtlich. Großer Lenkwinkel. Durch die Konstruktion vielfältige Möglichkeiten, es anzuschließen.

Sicherheit: 2/10
Nicht mehr zeitgemäße Bremsentechnik, allerdings durch die Hydraulik gute Bremsleistung bei geringer Handkraft vorne (wenn es funktioniert). Licht mit Seitenläuferdynamo ebenfalls fehleranfällig.

Gesamtscore: 38/100

Fazit:

Das Monark Long John ist ein Oldtimer, für den diese Bewertung nur schwerlich vernünftig anwendbar ist. Wenn man Lust auf ein Stück Fahrradgeschichte hat ist es ein sehr feines Sonntagsrad. Für einen alltäglichen Einsatz mangelt es an modernen Bremsen und leicht verfügbaren Reifen und Ersatzteilen. Für Familien gibt es genug tauglichere Alternativen.

2020 Babboe City Mountain Test / Review

Wertung

Babboe ist bekannt dafür, günstige Familienräder zu verkaufen. Das Babboe City mit dem starken Yamaha Mittelmotor ist keine Ausnahme. Aber wie viel kann man von einem Rad erwarten, das mehrere hundert bis tausende Euro günstiger ist, als die Konkurrenz? Und ist es besser als das Babboe Mini-E?

Eine Erklärung zum Bewertungssystem findest du hier. Und hier die Übersicht aller getesteter Räder.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 5/10
Das Rad fährt sich ausreichend stabil und der Stahlrahmen federt leichte Unebenheiten gut weg. Auch die Ballonreifen sorgen für hohen Komfort. Der Motor unterstützt kräftig und sorgt für eine gleichmäßige Beschleunigung. Die Sitzposition ist sehr aufrecht und für Menschen über 1,90m recht unbequem. Die Tektro Bremsen verzögern ausreichend, aber ohne starken Biss. Beim starken Einlenken neigt das Rad zum kippeln.

Innovation/Design: 6/10
Das Babboe hat ein eigenständiges, organisches Design, das eindeutig als Babboe zu erkennen ist. Alle Anbauteile passen zum Konzept und zur Rahmenform. Allerdings wirken die schwarzen Felgen mit unnötigerweise abgedrehten Bremsflanken unpassend. Technisch ist das Rad ohne Raffinesse und sehr einfach konstruiert.

Gewicht: 4/10
Das Babboe City Mountain ist kein Leichtgewicht, denn der Stahlrahmen, Holzbox und billige Anbauteile fordern ihren Tribut. Somit ist es etwas schwerer als andere Lastenräder in dieser Klasse, aber nicht so schwer wie die angegebenen 60kg.

Preis: 9/10
Das Babboe City Mountain ist eines der günstigsten, wenn nicht sogar das günstigste Lasten-Pedelec mit Mittelmotor. Ein zusätzlicher Bonus ist, dass man kein Zubehör kaufen muss, um mit Kindern fahren zu können, da die komplette Box mit Bank im Grundpreis inbegriffen ist.

Qualität: 6/10
Der Stahlrahmen und die Holzbox sind von hoher Qualität und langlebig. Jedoch sind die Anbauteile wie Lenker, Sattelstütze und Kontaktpunkte von geringer Qualität und zeigen schnell Abnutzungsspuren. Schaltung und Motor sind hochwertig, die Beleuchtung ist funktional, aber nichts Besonderes.

Familienbike Kategorie

Variabilität: 6/10
Die Box ist ausreichend groß aber relativ rundlich, sodass sie nur eingeschränkt variabel ist. Es kann eine Babyschale und eine weitere Sitzbank montiert werden, sodass bis zu vier Kinder in der Box sitzen können. Die Box lässt sich nicht zu einer Ladefläche umbauen, da der Akku unter der Sitzbank montiert ist. Dadurch gibt es unter der Bank auch keine Verstaumöglichkeit. Loch in der Box direkt hinter dem Vorderrad, wo der Rahmen sichtbar ist und Dreck und Wasser eintreten können. Positiv bewerte ich die hohe Zuladung.

Sitze/Bank: 5/10
Das Babboe City verfügt über eine sehr einfache, ungepolsterte Holzsitzfläche ohne Kopfstützen. Es besteht genug Abstand zum Boden, aber nur geringer Abstand zur Oberkante der Box. Dafür ist wiederum ein großer Abstand zum Dach des Verdecks vorhanden.

Zubehör: 9/10
Es ist eine riesige Auswahl an Sitzkissen, Kleinkindsitzen, Babyschalenadaptern in vielen Farben, in hoher Qualität und zu günstigen Preisen verfügbar. Hochwertiges und funktionales Regenverdeck.

Parken und Rangieren: 5/10
Für die Größe relativ kleiner Wendekreis und das Rad ist insgesamt recht übersichtlich, auch mit montiertem Regenverdeck. Nur auf der Hinterseite anschließbar. Durch das hohe Gewicht schwer anzuheben.

Sicherheit: 5/10
Die Bremsen könnten besser sein, um das voll beladene Rad zum stoppen zu bringen. Die Beleuchtung ist etwas unter Standard. Kinder sitzen Relativ ungeschützt und hoch in der Box aus Holz (Splittergefahr?). Gurte recht schmal und fummeliger Anschnallmechanismus.

Gesamtscore: 60/100

Fazit:

Das Babboe City Mountain ist sowohl preislich als auch von der Ausstattung und den Fähigkeiten ein sehr attraktives Rad für Familien. Das ausgereifte Zubehör passt für alle Familienkonstellationen und für jedes Wetter.
Minuspunkte sammelt das Rad bei den einfachen Anbauteilen und der unflexiblen Geometrie. Für ein reines Familienrad sollten auch mehr Sicherheitsfeatures und bessere Sitze in der Box verbaut sein.
Insgesamt für den Preis ein empfehlenswertes Rad mit dem man mit etwas Pflege sehr lange Freude hat.