i:SY Skyfly E5 ZR F Carbon Compact E-Bike – für wen ist es etwas?

Wir konnten das i:SY Skyfly einige Wochen vor der Markteinführung bewegen. Als es bei der Eurobike 2023 vorgestellt wurde, flog es trotz des Namens unter dem Radar, da gleichzeitig auch die i:SY Modelle mit Pinion MGU vorgestellt wurden. Das Skyfly Rad ist aber eines der ersten Räder, die Carbonrahmen tatsächlich für den Alltag sinnvoll nutzbar machen und somit ein wichtiges Rad für diese Fahrradgattung. Hier findet ihr die Radelbande Bewertung, schaut vorher gern dieses Video:

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Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 4/5
Das i:SY Skyfly ist mit dem neuen Bosch Performance SX Motor ausgestattet, der ein tolles Ansprechverhalten und eine lebendige Abstimmung bei einer sehr angenehmen Geräuschkulisse bietet. Allerdings muss man sich beim Fahren darauf einlassen, dass er erst ab eine Trittfrequenz von ca. 70 U/Min so richtig loslegt. Darunter ist der Motor nicht sehr kräftig, hat aber insgesamt wenig Mühe mit dem leichten Rad. Dennoch muss man beim Anfahren darauf achten, dass das Vorderrad nicht abhebt. Die Nexus 5E spielt in ihrer Abstimmung ein bisschen gegen den Motor, da die Gangsprünge recht groß sind und die Primärübersetzung seitens i:SY etwas groß gewählt wurde. Hier wäre die Variante mit der Kettenschaltung unsere Wahl.
Beim Fahren ist das i:SY Skyfly sehr agil. Der kurze Radstand sorgt für ein zackiges Kurvenverhalten, an das man sich allerdings schnell gewöhnt. Dann rollt das Compactbike sehr stabil und lässt sich auch einfach freihändig fahren, was ein Zeichen einer guten Rahmengeometrie ist. Auch außerhalb asphaltierter Wege ist das Skyfly mit seinen dicken 20″ Reifen nicht überfordert und kann gerade dank seiner sehr guten Bremsen präzise bewegt werden.

Innovation/Design: 4/5
Ein i:SY bleibt ein i:SY bleibt ein i:SY. Das Design entspricht dem etabierten Markendesign, wurde aber für die Carbonversion noch einmal verfeinert und ist gerade in dem Schwarz ein Hingucker. Die Übergänge zwischen den Rohren sind fließend und i:SY hat seine Logos und Schriftzüge an mehren Stellen erhaben in das Carbon eingebracht, was dem Rad einen sehr edlen Touch gibt. Toll ist der neue, in das Rahmendesign integrierte Schnellspanner, sowie die Möglichkeiten, das Rad schmal und platzsparend zu verstauen. Sie verzichten aber auf inzwischen übliche Steckachsen an den Laufrädern und die Version mit der Nexus 5E ist mit knapp 20kg inklusive Akku schwerer als erwartet.
Dank des Bosch Smart Systems ist das Rad auch zukunftsfähig und mit der Flow App gibt es viele Möglichkeiten zur Anpassung und Navigation.

Ausstattung: 5/5
Die Ausstattung des i:SY Skyfly lässt nichts vermissen. Alle Komponenten und Ausstattungsmerkmale sind hochwertig und passen hervorragend zu dem Konzept des Rades.

Preis: 2/5
In der getesteten Version kostet das Rad 5.599€ UVP, Stand Februar 2024. Das ist deutlich mehr als andere Kompakte E-Bikes, die dann aber ohne den leichten und teureren Carbon Rahmen kommen. Es ist, gemessen an der Ausstattung, nicht übermäßig teuer, sondern führt die Preispolitik von i:SY fort, wo die Preise allerdings etwas höher liegen als bei den Mitbewerbern.

Qualität & Wartung: 5/5
Von der Qualität ist das i:SY Skyfly durchgängig außerordentlich hochwertig und gut verarbeitet. Das dichte Händlernetz und die Nutzung von Komponenten, mit denen die meisten Händler umgehen können, machen auch Wartung und Werkstattaufenthalte einfach. Allerdings muss man bei dem Rad wahrscheinlich höchst selten überhaupt etwas machen, da alle Komponenten auf möglichst geringe Wartung und lange Haltbarkeit ausgelegt sind.

Spezial Kategorie 

Alltagstauglichkeit: 4/5
Dank der hohen Belastbarkeit, des Gepäckträgers und der Möglichkeit, einen Frontgepäckträger zu montieren, lässt sich das i:SY Skyfly hervorragend für Alltagsaufgaben und auch die große Reise nutzen. Der einfach abnehmbare PowerPack vereinfacht den Alltag ebenfalls, da er sich auch simpel durch einen zweiten Akku austauschen ließe. Für Kindersitze ist der Gepäckträger allerdings nicht ausgelegt und die Nutzung eines Anhängers ist ebenfalls nicht vorgesehen. Das geringe Gewicht macht die Mitnahme auf einem Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln einfach. Der Carbonrahmen ist stabil, aber im harten Fahrradalltag eventuell etwas anfälliger im Vergleich zu Alurahmen.

Coolness-Faktor: 2/5
Das i:SY Skyfly fällt nur Kennern sofort auf. Kompakträder gehören mittlerweile fest zum Alltagsbild und besonders die Räder von i:SY sind weit verbreitet. Da das Skyfly sich optisch erst auf den zweiten Blick als Besonderheit erweist, fliegt es eher unter dem Radar. Das i:SY hat viele coole Details, aber insgesamt haben Compact Bikes eher einen staubigen Ruf.

Zubehör: 4/5
i:SY hat ein breites Zubehörprogramm und vieles davon kann auch fürs Skyfly verwendet werden. Das Zubehör macht das Compactbike und man kann sich das i:SY komplett mit dem hauseigenen Zubehör auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Auch Zubehörteile von Drittanbietern lassen sich einfach montieren, sodass das Skyfly hier sehr gut abschneidet, auch wenn zusätzliche Flaschenhalterösen noch mehr Möglichkeiten böten.

Parken und Rangieren: 5/5
Dank geringen Gewichts und Größe ist das i:SY Skyfly sehr einfach im Handling. Der Seitenständer hält das Rad sicher auch mit Packtaschen. Es anzuheben und beispielsweise in die Wohnung zu tragen gelingt dank des Rahmendesigns ebenfalls einfach. Zum Anschließen lassen sich die verschiedenen Rahmenöffnungen gut nutzen und auch die Montage eines Rahmenschlosses ist möglich. Hier ist das Skyfly sehr gut aufgestellt.

Sicherheit: 5/5
Dank der ausgewogenen Geometrie, der guten Bremsen und der aufrechten Sitzposition lässt sich das Skyfly sehr sicher bewegen. Bis auf den Punkt des ansteigenden Vorderrads ist hier auch keinerlei Unsicherheit. Die Beleuchtung ist gut gewählt und reicht dank des zuschaltbaren Fernlichts auch für den ein- oder anderen Ausflug in unbeleuchtete Gebiete. In der Stadt ist das Bremslicht ein echter Sicherheitsgewinn, auch wenn es sich um ein Accelerometer-basiertes System handelt. Insgesamt lässt das Skyfly auch bei der Sicherheit nichts vermissen.

Gesamtscore: 40/50

Fazit:

Das i:SY Skyfly ist das richtige Rad für euch, wenn ihr ein besonderes Kompaktrad sucht, das aber nicht sofort auffallen soll. Es kann nicht mehr als andere Räder seiner Klasse, aber das geringe Gewicht gepaart mit der hohen Belastbarkeit macht es auch für schwerere Menschen interessant. Wenn ihr plant, euer Rad am Bahnhof abzustellen und es regelmäßig irgendwo anzuschließen müsst, ist ein Carbonrahmen wahrscheinlich die falsche Wahl, auch wenn es sich hier nicht um einen durchoptimierten Ultraleichtbau handelt. Aber für die Mitnahme im Wohnmobil, am Auto oder für die Mitnahme in die Wohnung ist es ideal, besonders dann, wenn die Abstellmöglichkeit planbar ist. Denn mit über 5.000€ ist das Skyfly sicherlich kein Schnäppchen und somit eher ein Rad für Liebhaber:innen oder wenn ihr ein besonders leichtes „vollwertiges“ Kompaktrad sucht. Wir würden aber die Kettenschaltungsvariante bevorzugen. Für alle anderen bietet i:SY noch die regulären Kompaktrad Modelle an, die im Detail wahrscheinlich im Alltag noch etwas einfacher nutzbar sind.

* i:SY hat uns das Rad zur Verfügung gestellt und unterstützt die Radelbande für die Erstellung des Videos. Auf unsere Meinungsäußerung, die Gestaltung des Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Wir sind herstellerneutral.

Tenways Cargo One – Bezahlbares Full-Size Long John E-Lastenrad

Das Tenways Cargo One will Premium Design und spannende Features zu einem echten Kampfpreis bieten. Wir konnten das Rad mehrere Monate vor dem Verkaufsstart testen und haben viele gute Dinge entdeckt. Allerdings muss man bei dem neuen Tenways Lastenrad auch mit Kompromissen leben. In diesem Artikel bewerten wir das Rad anhand der Radelbande Bewertungsmatrix.

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Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 4/5
Dank des starken Motors bietet das Tenways Cargo One eine gute Beschleunigung, selbst im beladenen Zustand. Auch bei niedrigen Trittfrequenzen liegt ein hohes Drehmoment an, sodass auch langsam Tretende auf ihre Kosten kommen. Die Übersetzung passt ebenfalls zu dieser Auslegung. Sowohl bei niedrigen Geschwindigkeiten, als auch bei 25km/h sind angenehme Trittfrequenzen möglich.
Sowohl kleine als auch große Menschen haben eine aufrechte Sitzposition. Das Tenways empfiehlt sich daher eher zum entspannten Cruisen, als zum Kurvenräubern. Das geht mit dem Rad zwar auch, allerdings fühlt sich die Lenkung sehr leichtgängig an, das irritiert im Vergleich zu anderen Long John Lastenrädern. Ebenfalls hat sich Tenways für eine 1:1 Lenkübersetzung entschieden, was dazu führt, dass der Lenker besonders beim starken Einschlagen sehr nahe an den Oberkörper kommt.
Die Federgabel kann Unebenheiten gut schlucken und gerät erst bei starken Kanten an ihre Grenzen. Insgesamt fährt sich das Rad sehr ähnlich zu den diversen anderen Dutch-Style Long John Lastenrädern, mit dem Vorteil des potenten Motors.

Innovation/Design: 4/5
Das Design des Tenways ist eindeutig inspiriert von anderen Long Johns dieser Machart. Merkmale vom Carqon Cruise sind ebenso erkennbar, wie vom Lovens Explorer und Urban Arrow. Die Designsprache von Tenways ist höchstens durch den Doppelscheinwerfer und die deutlich hervorstechenden Tenways Schriftzüge erkennbar. Dennoch ist es ein in sich geschlossenes und gefälliges Design, das keine Experimente macht. Die Tagfahrleuchten mit den eingebauten Blinkern sind wiederum ein deutlicher Schritt nach vorne, besonders bei Dunkelheit. Die Lichtsignatur ist auch von weitem sehr gut erkennbar und die Blinker sind einfach in der Bedienung. Die Positionsleuchten und Blinker haben allerdings keine offizielle Zulassung.
Konstruktiv besteht das Tenways Cargo One aus zwei Teilen, die beim Aufbau miteinander verschraubt werden. Das Ausfallende sitzt auf einem Schlitten, um den Riemen spannen zu können und es ist keine Rahmenöffnung notwendig. Zusätzlich wird hier die Steckachs-Version der Enviolo verwendet, was wir ansonsten bislang nur beim Ca Go FS200 gesehen haben. Mit knapp 60kg Eigengewicht ist das Tenways Cargo One erstaunlich schwer.
Die App hat zum Testzeitpunkt nicht mit dem Cargo One funktioniert, aber verspricht viele Möglichkeiten zur Anpassung und um Updates auf das Rad zu spielen.

Ausstattung: 4/5
Alle Teile beim Tenways Cargo One sind eine Stufe besser, als man es angesichts des Preises erwarten würde. Der riesige Akku hat für Reichweiten um 60km in der höchsten Stufe gereicht, allerdings auch bei teilweise deutlichen Minusgraden. Die Kontaktpunkte fassen sich gut an und Enviolo, Riemen sowie die starke Cargo-Bike-Bremse bieten manche Räder nicht, die mit der Ausstattungs deutlich mehr kosten. Die Federsattelstütze ist in diesem Rad fehl am Platze. Hier würde eine Parallelogramm-Federstütze mehr Sinn ergeben und die verbaute Stütze ist für große Leute über 1,90 auch zu kurz. Scheinwerfer und Rückleuchte könnten gerne etwas besser sein, gehen aber angesichts des Preises in Ordnung.

Preis: 5/5
4.999€ sind für ein vollausgestattetes Long-John-Lastenrad ein enorm guter Preis. Es gibt zwar einige Räder, die ebenfalls unter 5.000€ in der Grundausstattung kosten, jedoch muss man bei denen oft die Kindersitze und Verdeck dazu bestellen und sie kommen in dem Preisbereich auch eher mit Kettenschaltung. Nur wenige Long Johns kosten weniger als das Tenways Cargo One und bieten auch nur annähernd die Ausstattung.

Qualität & Wartung: 4/5
Das Tenways Cargo One bietet eine gute Verarbeitung des Rahmens bis zu den Schweißnähten auf der Ladefläche unter der EPP Box. Bei den sichtbaren Rahmenteilen setzt Tenways auf fließende Übergänge und eine sehr widerstandsfähige Beschichtung. Bei der Montage des Kunststoff-Rahmens auf der EPP Box sind dann größere Spalten zu sehen und die Box knarzt während der Fahrt, dies ließe sich aber mit entsprechender Sorgfalt bei der Montage und kleinen Anpassungen reduzieren.
Vom Wartungsaufwand kann man sich beim Tenways Cargo One enspannt zurücklehnen. Riemen und Enviolo versprechen eine hohe Langlebigkeit bei geringem Aufwand und auch die Bremse mit ihren extra dicken Scheiben und Belägen sollte im Alltagsbetrieb selten nach Aufmerksamkeit verlangen. Lediglich die SR Suntour Mobie 32 Gabel sollte man im Auge behalten und regelmäßig pflegen, besonders in den Wintermonaten.
Tenways hat ein wachsendes Händlernetz, aber bei Problemen mit dem Motor oder dem Akku kann es dennoch sein, dass der nächste Service-Punkt recht weit weg ist. Bafang ist auch nicht so weit verbreitet wie Bosch und Tenways nutzt leider einen proprietären Akku.
Insgesamt ist das Tenways Cargo One ein tauglicher täglicher Begleiter, um den man sich kaum Gedanken machen muss.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 2/5
Haupteinsatzzweck des Tenways Cargo One ist die Mitnahme maximal zweier Kinder. Das ist bei der Gestaltung der Box deutlich erkennbar. Die Sitzbank lässt sich zwar leicht entnehmen, dann bietet die Box viel Platz, aber gerade so nicht für eine 60x40cm Eurobox. Diese ließe sich nur mitnehmen, wenn die ganze Box entfernt wird, was verhältnismäßig einfach möglich ist, aber sicherlich nicht dafür taugt, um es täglich zu machen. Die Öffnungen für die Trittstufe sind auf einer Ebene mit dem Box-Boden, was dazu führen kann, dass Dinge einfach herausfallen können. Mit 60kg Belastungskapazität in der Box ist es am unteren Ende der möglichen Belastung in Long John Cargobikes, die 250kg maximale Gesamtlast versprechen aber eine hohe Stabilität. Einen Gepäckträger bietet Tenways zum Marktstart nicht an und ein Anhänger ist ebenfalls nicht montierbar.

Sitze/Bank: 3/5
Die Sitzbank des Tenways Cargo besteht wie der Rest der Box aus EPP und ist leicht ausgeformt, aber nicht gepolstert. Nur das EPP bietet etwas Komfort. Die Kinder sitzen aufrecht und können ihre Beine gut anwinkeln, die Rückenlehne ist jedoch verhältnismäßig niedrig. Das heißt, ab der Mitte des Rückens aufwärts haben die Kinder keinen weiteren Support. Die Beine der Kinder müssen sich den Platz in der Box mit dem Gepäck teilen, das während der Fahrt leicht hin und her rutscht. Die Breite der Sitzbank ist klassenüblich. Mit dicken Winterklamotten wird es für zwei Kinder sehr kuschelig.
Die Gurte sind bei meinem Vorserien-Testrad eher für größere Kinder ausgelegt gewesen, beim Serienrad ist der Gurt des Anschlussstücks in der Länge verstellbar, sodass auch kleinere Kinder besser angegurtet werden können. Die Gurte sind sehr schön breit und die Schulterpolster sind komfortabel. Eine zweite Sitzbank, Babyschalenadapter oder die Möglichkeit, einen Kindersitz zu montieren, bietet das Tenways Cargo One nicht.

Zubehör: 2/5
Das Tenways Cargo One bietet schon einen Umfangreichen Lieferumfang. Alles, was man für den Alltag benötigt, ist bereits enthalten. Allerdings würde ich das Regenverdeck und das Werkzeugset schon als Zubehör betrachten. Da ein Tenways neben den Händlern auch einen Direktvertrieb hat, lässt sich das Rad auch direkt nach Hause bestellen, jedoch muss dann die recht umfangreiche Montage selbst durchgeführt werden. Dafür legt Tenways aber alles bei, was man braucht.
Das Regenverdeck ist das zweite große Zubehör und das hat uns nicht überzeugt. Der Prototyp, der unserem Testbike beilag, zeigte nach wenigen Auf- und Abbauten schon deutlichen Verschleiß, Tenways hat aber versichert, dass dies beim Serienmodell nicht der Fall sei. Schwerwiegender ist die äußerst umständliche Bedienung des Verdecks. Um Kinder hinein setzen zu können, oder es zu beladen, müssen immer drei Schritte durchgeführt werden: 1. lösen des Gurtes auf der Unterseite der Box, 2. durchfädeln des Gurtes durch den Schlitz auf der Oberseite der Box und 3. lösen bzw. befestigen des Kletts auf der Seite der Box. Diese Schritte sind viel zu aufwändig, um sie mehrere Male täglich, je nach Einsatzgebiet, durchzuführen. Das Serienverdeck soll besser auf dem Rad sitzen, was den Vorgang erleichtert, hat aber das selbe grundsätzliche Design unseres Testexemplars. Das ist im Alltag nicht im vollen Umfang praxistauglich.
Für die Box wären noch Unterteilungen für Rucksäcke oder die Möglichkeit gut, dass Kinder ihre Kleinigkeiten verstauen können. Ebenfalls wäre auf der Rückseite der Box noch genug Platz für kleine Taschen oder ähnliche Verstaumöglichkeiten fürs Smartphone o.ä. Ein Gepäckträger fehlt ebenfalls im Zubehörprogramm zum Start.

Parken und Rangieren: 3/5
Das Tenways Cargo One ist mit 2,70m Gesamtlänge und knapp 60kg Eigengewicht ein echter Brummer, es lässt sich aber dank der leichtgängigen Lenkung und des starken Lenkeinschlags einfach rangieren. Allerdings fehlt auf der hinteren Seite der Lenkung ein Einschlagsbegrenzer, was dazu führt, dass die Lenkung an den Anschlägen etwas unpräzise wird. Der Ständer lässt sich verhältnismäßig einfach verwenden, auch wenn das Rad beladen ist. Jedoch benötigt man zwingend einen festen, ebenen Untergrund, da die Füße des Ständers recht klein sind und der Ständer bei einem unebenen Untergrund leicht einklappt. Hier ist der Einklappwinkel etwas zu klein gewählt.
Das Anschließen des Tenways Cargo One gelingt dank des sich im Lieferumfang enthaltenen Speichenschlosses gut, aber auch mit einem externen Schloss gibt es genug Möglichkeiten, es anzuschließen.

Sicherheit: 3/5
Dank der aufrechten Sitzposition und der angenehmen Griffhaltung hat man einen guten Überblick, wenn man mit dem Tenways Cargo One unterwegs ist. Wenn man sich an die etwas nervöse Lenkung gewöhnt hat, gelingen Wendemanöver und enge Kehren einfach und sicher. Die Bremsen geben dabei ebenfalls viel Vertrauen. Der Scheinwerfer ist durchschnittlich, die Rückleuchte eher mickrig. Sie ist hell, aber klein und sitzt weit unten. Auf Fernlicht oder Bremslicht muss man beim Tenways Cargo One verzichten. Alle StVO relevanten Reflektoren sind enthalten und das Tenways Logo strahlt noch zurück, wenn das Rad von der Seite angeleuchtet wird. Die Positionslichter mit den Blinkern sind unseres Erachtens ein echtes Sicherheitsplus, allerdings wäre es noch besser, wenn die Blinker auch von hinten zu sehen wären.
Kinder sitzen im Tenways etwas auf dem Präsentierteller. Eine etwas niedrigere Bank und niedrigerer Box-Boden würde den Schwerpunkt weiter nach unten setzen und die Schulterlinie erhöhen. Da der obere Rahmen aus Kunststoff ist, bietet er auch keinen zusätzlichen Schutz. Die Auslegung der Gurte allerdings ist deutlich besser als bei den meisten anderen Lastenrädern.

Gesamtscore: 37/50

Fazit:

Tenways startet mit dem Cargo One in einen hart umkämpften Markt, in dem sich bereits viele Andere tummeln. Von den eher einfachen Babboe City Modellen bis zu den High-End Long Johns, wie Ca Go FS200 gibt es für beinahe jedes Portmonee etwas. Das Cargo One füllt dennoch eine Lücke, denn Räder, die 2020/2021 noch 5.000-5.500€ mit etwas Ausstattung gekosten haben, kosten nun 6.500-7.500€. Da kommt das Tenways mit einem echten Kampfpreis und nur wenig Kompromissen. Diese Kompromisse lassen erkennen, dass Tenways bislang nicht im Lastenrad Bereich aktiv war. Dementsprechend kann das Bike in der „Fahrrad“ Kategorie auch echt überzeugen, lässt dann aber bei der „Lastenrad“ Kategorie Federn. Trotzdem haben sie ein beeindruckendes Gesamtpaket geschnürt, das nicht vermuten lässt, dass es sich hier um ein „günstiges“ Lastenrad handelt.

Wenn ihr auf der Suche nach einem großen Familienrad seid, guckt euch auf jeden Fall das Rad einmal an und fahrt es probe, besonders dann, wenn euer Budget limitiert ist.

* Tenways hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und unterstützte mich für die Erstellung des Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meines Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

BTWIN LD920E – Pinion MGU Alternative für 3000€?

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Das BTWIN LD920E ist ein E-Bike mit dem neuen Owuru Motor, der ähnlich wie die Pinion MGU ein Getriebe im Motorgehäuse verbaut hat. Er unterscheidet sich aber im Aufbau und der Funktionsweise allerdings stark von der deutlich teureren Alternative. Ich konnte das Rad ein paar Wochen im Alltag bewegen und somit gibt es hier die Bewertung nach der Radelbande Bewertungsmatrix!

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Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 4/5
Das BTWIN LD920E ist ein besonderes Erlebnis zu fahren. Auf der einen Seite fühlt es sich sehr vertraut an, mit seinem klassischen Rahmenaufbau und den 28″ Rädern, aber der Motor und die CVT sind wie von einem anderen Planeten(Getriebe) {Pun intended}. Kraftvoll schiebt der Motor an, während die eingestellte Trittfrequenz zuverlässig gehalten wird. Erstaunlicherweise bleibt der Motor dabei verhältnismäßig ruhig, nur das Rasseln des komplexen Kettentriebs stören das ansonsten stille Vergnügen. Die Riemen im Motorgehäuse geben jedoch keinen Mucks von sich. Beim Antritt ist durch diesen Aufbau eine gewisse Nachgiebigkeit innerhalb des Motors spürbar, die aber bei einem runden Tritt ausgeglichen wird und die der Motor in den meisten Situationen gekonnt überspielt. Für starke, lange Anstiege ist der Motor durch sein Direktläufer-Prinzip wahrscheinlich weniger geeignet, das kann ich in Norddeutschland aufgrund mangelnder Berge aber nicht testen.

Die Bremse arbeitet kraftvoll und zuverlässig, könnte aber mit dickeren Reifen ihr Potential besser ausspielen. Grip oder Komfort leiden nicht spürbar unter den 38mm schmalen Pneus, aber mehr Reifenbreite könnte dennoch vorteilhaft sein. Beim Einlenken ist die klassische Geometrie wieder spürbar, das BTWIN LD920E ist sehr agil und fahraktiv abgestimmt und der schmale Lenker, sowie die recht sportliche Sitzposition unterstreichen das noch.

Innovation/Design: 3/5
Sieht man das BTWIN LD920E an, erkennt man nicht auf den ersten Blick, was für ein Technologievorreiter da vor einem steht. Es ist modern gezeichnet und in eine elegante Farbe getaucht, zeigt aber erst bei genauerem Hinsehen, dass etwas anders ist, als bei den meisten anderen E-Bikes. Die Integration des Scheinwerfers und des Displays ist gut gelöst und nicht zu komplex, es sind aber proprietäre Teile.
Decathlon verzichtet auf eine Öffnung für einen Riemen, setzt aber auf einen großen Durchmesser beim Steuerrohr, um die Verkabelung und die hintere Bremsleitung durch den Vorbau zu führen. Dadurch bekommt das Rad eine aufgeräumte Optik. Nur die komplett außen verlaufende vordere Bremsleitung und der herausstehende Reflektor stören das Bild.
Dank der Bluetooth Konnektivität, dem verbauten GPS Chip, dem USB-C Stecker am Vorbau und der Decathlon Mobility App ist das Rad gut für die Zukunft gerüstet und bietet einige Sonderfunktionen. Aber das Gute ist: Die Nutzung der App ist nicht zwingend erforderlich. Das Rad lässt sich auch komplett ohne Smartphone vollwertig fahren.

Ausstattung: 3/5
Decathlon setzt bei der Ausstattung komplett auf die hauseigenen Teile. Und die sind passend zum Gesamteindruck des Rades ausgewählt. Die Griffe sind ergonomisch geformt und haben kleine Haken an den Enden, um Ponchos fest zu verbinden. Ein nettes Detail! Der Sattel passt zur Sitzposition, ist für meinen Geschmack aber etwas weich. Die Pedale sind aus Metall und somit wahrscheinlich langlebig, aber bei Nässe etwas rutschig. Die Bremsen sind von Tektro, machen einen guten Eindruck und die Bremshebel fassen sich gut an.
Der riesige Akku sorgt für hohe Reichweiten, die natürlich von der Topographie abhängen, aber Reichweitenangst braucht man mit über 700Wh bei dem recht leichten Rad nicht haben. Die Beleuchtung ist dagegen etwas schwach.

Preis: 5/5
2.999€ kostet das BTWIN LD920E bei der Markteinführung im Oktober 2023. Für ein E-Bike einer Decathlon Eigenmarke ist das zwar verhältnismäßig viel Geld, aber für ein Rad aus dieser Kategorie mit einem neuartigen Motorkonzept ein echter Kampfpreis. Vergleichbare Räder sind zum Zeitpunkt der Markteinführung kaum auf dem Markt und die paar, die es gibt, sind mindestens doppelt so teuer. Dieses Rad lässt sich am Ehesten mit einem E-Bike mit Bosch Performance Motor und Shimano Nexus 5E vergleichen und selbst in diesem Bereich kosten die Räder in der UVP etwa 1.000€ mehr. Decathlon bringt hier also wieder einen echten Preishit.

Qualität & Wartung: 3/5
Das Rad ist gut verarbeitet und bringt mit der gewählten Ausstattung wahrscheinlich wenig Grund zur Sorge. Die Kette muss natürlich regelmäßig gepflegt werden, ansonsten sind aber alle Teile recht verschleißarm. Die Federung der Gabel ist ebenfalls gedichtet und somit langlebig.
Die Langhaltbarkeit des Motors ist natürlich noch mit einem Fragezeichen versehen, hier werden erst die Monate nach der Markteinführung Klarheit bringen, wenn die Räder in den unterschiedlichsten Szenarien im Alltag bewegt werden. Durch das Prinzip, dass der Motor an sich nicht übersetzt ist, sondern sich abhängig von der Geschwindigkeit dreht, ist auf der Kette und dem Antriebsritzel eine verhältnismäßig große Belastung.
Über den Fortbestand der Marke BTWIN muss man sich aber keine Gedanken machen. Das ist anders als bei anderen smarten E-Bikes, deren Hersteller in letzter Zeit gekämpft haben. Auch Händlerseitig ist Decathlon gut aufgestellt. Die Standorte befinden sich allerdings nur in größeren Städten und da es ein Decathlon-eigenes System ist, wird man bei anderen Fahrradläden keine Hilfe bekommen. Besonders nicht, wenn der Motor von einem Defekt betroffen ist.
Die Qualität und Wartung ist insgesamt en par mit den meisten anderen E-Bikes.

Spezial Kategorie 

Alltagstauglichkeit: 3/5
Dank des konservativen Design-Ansatzes von Decathlon ist das Rad durchaus alltagstauglich. Der klassische Gepäckträger kann 27kg tragen und eignet sich so nicht nur für Packtaschen oder Körbe, sondern auch für Kindersitze mit Gepäckträgermontage. Das ist gut für Familien. Durch die verschiedenen Rahmenhöhen lässt sich das Rad aber nicht einfach mit anderen teilen. Auch die 140kg zulässige Gesamtlast sind für die Meisten alltagstauglich. Die Flaschenhalterösen auf dem Unterrohr bieten die Möglichkeit, zusätzliche Dinge fest zu verschrauben, ich hätte mir allerdings noch einen zweiten Satz Ösen am Sitzrohr gewünscht.

Coolness Faktor: 2/5
Das BTWIN LD920E ist ein absoluter Technologieträger, aber man sieht es nicht. Das ist auf der einen Seite natürlich angenehm, da das Rad keine verdächtigen Blicke auf sich zieht, auf der anderen Seite ist es aber fast ein bisschen zu langweilig. Nur Kenner:innen fällt die fehlende Schaltungsnabe und die aufgeräumte Optik auf. In Zeiten von VanMoof und Lemmo hinkt das LD920E bei der Coolness hinterher.

Zubehör: 3/5
Dank der sehr alltagstauglichen Ausstattung und des „normalen“ Designs benötigt das BTWIN LD920E kein spezifisches Zubehör, es passt einfach fast alles, was für Fahrräder entwickelt wurde. Decathlon bietet aber selbst Packtaschen und Körbe an, sowie Bekleidung, die für das Rad geeignet ist. Der Gepäckträger hat aber keine AVS oder Racktime Aufnahme für die schnelle Montage von Körben zum Beispiel. Insofern entspricht es dem Durchschnitt.

Parken und Rangieren: 3/5
Dank des hinten angeschlagenen Ständers lässt sich das BTWIN LD920E mühelos rangieren und abstellen. Wenn Packtaschen am Gepäckträger sind, könnte der Ständer aber etwas zu schwach ausgelegt sein, das ist definitiv mit Kind auf einem Kindersitz der Fall. Dank des fest verbauten Speichenschlosses kann es schnell abgestellt und abgeschlossen werden, eine Einsteckkette muss aber irgendwo kreativ verstaut werden. Auch ist der Schlüssel nicht der gleiche, wie für das Akkufach. Mit 26kg Eigengewicht ist das Rad recht schwer und nicht einfach in den Keller zu tragen.

Sicherheit: 4/5
Um nichts anderes Gedanken machen und sich komplett auf den Verkehr konzentrieren? Das geht mit dem BTWIN LD920E echt gut. Dank der Automatik muss nur getreten und gebremst werden, den Rest macht das Rad alleine. Die Sitzposition und der klassische Aufbau machen den Wechsel leicht und es lässt sich sicher bewegen. Die Bremsen greifen gut zu, das Rad würde aber von dickeren Reifen profitieren, um den Bremsweg zu verkürzen. Die Modulation und Griffposition passen aber gut. Das LD920E ist komplett StVZO tauglich ausgestattet, mit zusätzlichen Reflektoren in den Speichen, Scheinwerfer und Rückleuchte bieten aber nicht viel mehr als ein Mindestmaß an Leuchtkraft. Die Rückleuchte ist zwar hell aber recht niedrig montiert, der Scheinwerfer umso höher, aber dafür recht dunkel und hat ein schmales Leuchtbild. Hier würde ich mir eine bessere Option wünschen. Auf Fernlicht oder Bremslicht muss man beim BTWIN LD920E verzichten. 

Gesamtscore: 37/50

Fazit:

Wer ein klassisches E-Bike für die täglichen Fahrten sucht und an der neuen Getriebe/Motortechnologie Spaß hat, wird mit dem BTWIN LD920E glücklich werden. Allerdings spricht das Rad eher weniger diejenigen an, die sportlicher unterwegs sind oder eine große Bandbreite benötigen. Die Beladungskapazität und Kindersitztauglichkeit sind für ein normales 28″ Rad klasse und decken wahrscheinlich den Bedarf der Meisten im Alltag ab. Und Decathlon verkauft das Ganze zu einem sehr konkurrenzfähigen Preis! Nur die Langlebigkeit muss der Motor noch unter Beweis stellen.

* Decathlon hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und das Video wird durch Affiliate Links unterstützt. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

Das Carqon Cruise Family Lastenrad

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Hier gehts zur Score-Übersicht.

Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 4/5
Der Cargoline Motor von Bosch ist kräftig und unterstützt in allen Lebenslagen, allerdings ist der Schub gefühlt nicht ganz so stark, wie bei anderen Bikes mit dem Motor, was am relativ hohen Eigengewicht und der Kombination aus Riemen und Enviolo liegen kann. Wenn man rollt, merkt man das Gewicht nicht, sondern das Rad lässt sich sehr angenehm und ruhig bewegen. Die Lenkung vermittelt ausreichend Gefühl und ist ein guter Kompromiss zwischen Direktheit und Dämpfung, sodass Schläge nicht direkt zum Lenker durchgetragen werden. Die Sitzposition ist je nach Lenkerposition nicht ganz aufrecht, wie bei einem Hollandrad, sondern vergleichbar mit einem City-Alltagsrad. Damit konnten Lea und ich eine angenehme Sitzposition finden. Auch wenn man sehr langsam fährt, ist das Carqon Cruise durch den tiefen Schwerpunkt einfach zu handlen und dank der Seilzuglenkung kann man auch sehr enge Kurven fahren. Zu weit sollte man sich allerdings nicht in die Kurve legen, da der Abstand des Ständers zum Boden sehr gering ist.

Innovation/Design: 3/5
Grundsätzlich orientiert sich das Design an dem, was man von einem „Premium“-Familybike erwartet, mit den gradlinigen, modernen Formen und der EPP Box. Dazu hat der hintere Rahmen eine eigene Linie, die es mit allen Carqon Rädern teilt und die sehr charakteristisch ist. Dadurch ist der Einstieg nicht ganz so niedrig, sieht aber sehr gut aus. Die Doppel-Sattelstütze hat für Lea und mich gerade so funktioniert: wir haben eine Position der unteren Stütze gefunden, die für mich leicht zu niedrig und für Lea leicht zu hoch war. Bei einem Unterschied von 1,62 zu 1,96 ist das aber auch nicht verwunderlich. Da musste dennoch häufiger der Imbus ran.

Bei der Konstruktion der Box kann man erkennen, dass die Cruise Version ursprünglich wohl nicht geplant war. Denn hier finden sich ein paar Lücken, ungenutzte Schraublöcher und überhaupt außen sichtbare Schrauben. Auch die Dibond platten und der EPP Kragen scheinen einfach so ins EPP reingeschraubt worden zu sein.

Das vordere Schutzblech relativ kurz, was dazu führt, dass der Dreck auf den Rahmen und gegen die Box gesprüht wird. Das ist zwar nicht problematisch, aber dadurch wird das Rad von unten und vorne sehr schmuddelig. 

Und dann ist da noch die Bodenfreiheit. Der Rahmen ist unter der Box relativ breit und tief angesetzt. Das ist zwar an sich kein Problem, aber dadurch hat der Ständer keinen Platz einzuklappen, sondern sitzt noch unter dem Rahmen. Und das führt dazu, dass man regelmäßig mit dem Ständer über den Boden kratzt. Sei es bei schnell gefahrenen Kurven, Bordsteinkanten oder anderen Hindernissen. Irgendwann haben wir uns daran gewöhnt und uns angepasst, aber dennoch passiert es regelmäßig, dass dann einer der Gummifüße des Ständers abgerissen wird.

Ausstattung: 3/5
Hier hat sich Carqon für passende Teile entschieden. Besonderes Highlight ist natürlich die Kong Oi Klingel, die sich optisch richtig schön einfügt und laut genug ist. Auch die Pedale sind gut und bieten guten Grip unter jedem Schuh. Der Sattel ist gemütlich und Sofa-ähnlich, aber die Griffe wirken etwas billig und dünn. Beim Antrieb mit der Enviolo, dem Riemen und dem Bosch Motor kann das Carqon punkten, Display und Scheinwerfer sind aber etwas einfach. 

Insgesamt passt die Ausstattung, bietet aber abgesehen von Klingel und Antrieb keine Highlights.

Preis: 5/5
Auch wenn 5099€ Basispreis viel Geld sind, ist es im Vergleich zu anderen Rädern in dem Bereich recht günstig. Auch weil nicht jeder einen großen Akku oder Riemen mit Enviolo braucht, kann man hier Geld sparen, was bei vielen anderen Anbietern nicht möglich ist. Und für unter 6000€ UVP bekommt man das Carqon Cruise mit EPP Box, Regenverdeck, Polster, und Gepäckträger, inklusive Riemen und Enviolo. Das ist ein sehr kompetitiver Preis! 

Qualität: 4/5
Das Rad ist gut verarbeitet und hat mit der Nabenschaltung und Riemen auch wenig Potential für Verschleißprobleme. Die Federgabel braucht natürlich hin und wieder Aufmerksamkeit, aber das ist ein Bike aus der Kategorie „Raufsetzen, losfahren, nicht weiter drüber nachdenken“. Das Knarzen aus dem EPP ist nicht verschwunden, ist aber irgendwann auch nicht mehr so präsent im Ohr. Der steife Rahmen und die Verarbeitungsqualität, sowie die Oberflächen in der Box gefallen mir ebenfalls gut. Beim Regenverdeck mache ich ein Fragezeichen hinter ein paar der Druckknöpfe, denn gerade der Riemen, der das Verdeck in Form hält, franst an dem Knopf schon aus. Insgesamt bin ich zufrieden mit der Qualität, hier gibt es wenig zu meckern.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 3/5
Das Carqon Cruise ist für Familien gebaut. Für den gewerblichen Einsatz gibt es das Flatbed, aber in dem Cruise sollen Kinder mitgenommen werden. Das heißt, eine Eurobox bekommt man hier vorne nicht herein, wenn man nicht die Bank abbaut. Aber unpraktisch ist es dennoch nicht. Denn Einkaufstüten, kleinere Kisten und auch größere Gegenstände finden in der großen und tiefen Box Platz. Zum Beispiel lässt sich unser Buggy vor die Kinder stellen, auch während der Fahrt. Es gibt auch einen Gepäckträger, der sich schön in das Gesamtbild einfügt und Platz für Packtaschen bietet. Also keine Besonderheiten bei der Variabilität, aber auch nicht schlecht.

Sitze/Bank: 4/5
Das Cruise bietet Platz für 2 Kinder plus Baby, eventuell findet auch eine vordere Bank noch Einzug in die Ausstattungsliste. Auf jeden Fall sind die Sitze breit genug und haben einen guten Abstand zum Boden, sodass man auch darunter Dinge verstauen kann. Auch nach vorne hin ist genug Platz in der Box, auch für größere Gegenstände. Die eigentliche Holzbank unter dem Polster ist meines Erachtens unpassend, aber das optionale Polster ist wirklich gut, lässt sich leicht reinigen und ist hübsch. Die Sitzlehne ist leider nicht besonders hoch und reicht meiner großen Tochter (4j.) gerade mal an die Schulter. Die Kleine, 1,5j., kann immerhin noch ihren Kopf ein bisschen anlehnen. 

Was mich aber gestört hat, ist die Anordnung der Gurte. Die sind sehr tief angebracht. Das führt dazu, dass sie während der Fahrt ständig von der Schulter rutschen, auch schon bei der Kleinen. Meine Lösung war, dass ich die Gurtschnalle so weit wie möglich oben angesetzt habe, damit die Schultergurte zusammenbleiben. Ich würde mir wünschen, dass die Gurte von weiter oben kämen.

Zubehör: 4/5
Das Zubehör, das Carqon für das Cruise anbietet, passt zum Charakter des Rades und alles Wichtige ist abgedeckt. Die Teile sind auch gut verarbeitet und angemessen eingepreist. Ich würde mir aber wünschen, dass es noch Möglichkeiten in der Box gäbe, um Kleinigkeiten zu verstauen oder auch etwas, womit Fahrer/innen Dinge während der Fahrt lagern können.

Parken und Rangieren: 4/5
Mit der Seilzuglenkung lässt sich das Cruise sehr einfach rangieren. Obwohl es so ein großes und schweres Rad ist, fällt es leicht, es zu schieben und auch in Parklücken zu bekommen. Durch das Speichenschloss mit optionaler Einsteckkette kann man es einfach anschließen, oder man nutzt alternativ die großen Öffnungen am Rahmen um ein Schloss durchzuziehen. Vorne am Rad gibt es allerdings keine Möglichkeit, ein Schloss durchzuziehen.

Wenn man dann einen Parkplatz gefunden hat, muss man natürlich den Ständer verwenden und das Bike ist beladen doch recht schwer auf den Ständer zu bekommen. Ebenso ist nur auf der linken Seite eine Tritthilfe vorhanden, was es manchmal schwieriger macht, das Rad aufzustellen, als es sein müsste. Wenn das Carqon Cruise erst einmal steht, steht es auch sicher, wackelt aber ein bisschen, wenn es beladen ist. Es gibt zwar keine Gefahr, dass es umkippt oder wegklappt, aber es fühlt sich nicht rock solid an.

Sicherheit: 3/5
Sowohl bei der passiven, als auch der aktiven Sicherheit ist das Carqon Cruise solide, ohne Highlights zu setzen. Die EPP Box und der Umlaufende Rahmen erhöhen die Stabilität bei Unfällen, die Bremsen sind gut und die Sitzposition und die Fahreigenschaften vermitteln viel Vertrauen. Die Kindersitzlehnen könnten etwas höher sein und mit einer besseren Gurtkonstruktion aufwarten. Vielleicht könnte man auch die Sitzbank etwas niedriger machen, um die beschriebenen Probleme auszuräumen. Die Beleuchtung ist vorne eher mager, dafür ist das hintere Licht auffällig. Es gibt auf der Box keine weiteren Reflektoren, dafür sind die Paspelierungen auf dem Regencover reflektierend. 

Gesamtscore: 37/50

Fazit:

Das Carqon Cruise ist ein grundsolides Family Bike, das aber keine wirklich neuen Akzente setzt. Es fährt sich sehr angenehm, es bietet viel Platz, es ist komfortabel und es kostet vergleichsweise wenig. An die paar kleineren Makel kann man sich aber einfach gewöhnen oder mit ein paar Tricks aus dem Weg räumen. Das Carqon Classic oder einige andere Kontrahenten wirken etwas mehr aus einem Guss, sind aber teilweise deutlich teurer. Das Cruise hat ein wirklich gutes Preis Leistungsverhältnis. Es eignet sich im Grunde für alle Familien mit zwei Kindern, die hauptsächlich im Urbanen Umfeld damit unterwegs sein wollen. Wenn man in einer bergigen Gegend wohnt mit einigen Anstiegen, würde ich die Version mit Kettenschaltung bevorzugen, da sie einen besseren Wirkungsgrad hat und nochmal eine Ecke leichter ist, vom Preis abgesehen.

Als hauptsächliche Kontrahenten würde ich das Gazelle Makki und das Lovens Explorer sehen, wobei das Carqon im Vergleich zu den beiden auch den stärkeren Motor hat und von den Features eher in der Klasse mitspielt, die 1000€ teurer ist. Also insgesamt ein gutes Bike, das viele Familien anspricht.

* Carqon hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und unterstützte mich für die Erstellung des ersten Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

Bergamont E-Cargoville LT Expert

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Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 4/5
Als 26“ Long Tail mit einer Gesamtlänge um 2m ist das Bergamont E-Cargoville LT sehr einfach und intuitiv zu fahren. Die aufrechte Sitzposition, bei der sich auch der Lenker einfach in der Höhe verstellen lässt, sorgt dafür, dass man einen guten Überblick hat, aber eher weniger sportlich unterwegs ist. Da übernimmt der Motor einen großen Teil der Arbeit. Die Kettenschaltung arbeitet so effizient, dass die Reichweite echt üppig ist. Ich konnte mit den 1000 Wh, mit 60% Anhängerbetrieb, im Turbomodus knapp 80km im Stadtverkehr fahren. Auch die 65Nm des Motors reichen aus, auch wenn man stärkeren Steigungen auf ein großes Ritzel schalten muss und entsprechend langsam wird. Für manche Anwendungszwecke könnte der Motor also ein bisschen schwach auf der Brust sein. Der Lenker fängt recht schnell an, zu schlackern. Das ist aber interessanterweise weniger stark, wenn der Träger vorne belastet ist. Es scheint also eine Frage der Lastenverteilung zu sein. Die Supermoto X Reifen bieten auf Asphalt und festem Untergrund jede Menge Grip und Komfort, stoßen aber bei etwas loserem Schotter oder Matsch schnell an ihre Grenzen.

Innovation/Design: 3/5
Im Bereich der Long Tails mit 26“ Rädern gibt es nur wenig Konkurrenz, Yuba Mundo, Riese & Müller Multicharger wären da Beispiele, und das Bergamont E-Cargoville LT liegt Design- und Konstruktionsmäßig ein bisschen dazwischen. Dass hier ein Mixte Rahmen mit einem relativ niedrigen Einstieg mit der Doppelakku Funktion kombiniert werden kann, ist cool und auch die serienmäßige Integration des Kiox Systems ermöglicht Navigation und smarte Funktionen auch ohne ein Handy am Lenker. Schade ist, dass das LT nur mit Kettenschaltung angeboten wird und es keine Möglichkeit gibt, einen Riemen zu verbauen, falls man auf Nabenschaltung umbauen will. Das reduziert den Alltagsnutzen für Einige. 

Die Beplankung von Frontgepäckträger und Running Boards ist sehr schick, aber auch recht empfindlich. Hier muss man die Teile regelmäßig pflegen und wahrscheinlich recht früh tauschen, wenn die Optik zählt.

Ausstattung: 4/5
Die Shimano Deore XT 12-fach Schaltung ist bei einem Cargobike schon recht selten und gutes Extra, wenn man wirklich die große Bandbreite braucht oder seine Lieblings-Trittfrequenz genau einhalten will. Sattel und Griffe von Ergon sind zwar aus dem unteren Regal der Ergonomieprofis, aber ich finde besonders den Sattel sehr bequem und die Griffe stehen dem in nichts nach. Je nach Sitzposition oder Körperbau benötigt ihr aber dennoch eventuell einen breiteren Sattel. Die Pedale bieten eine Menge Grip und funktionieren unauffällig und die Klingel ist etwas besser als das, was man sonst häufig standardmäßig bekommt. Die Beleuchtung ist okay, kann aber in Ausleuchtung und Helligkeit nicht mit Supernova zum Beispiel mithalten. Das Einzige, was ich in Bezug auf die Ausstattung vermisse, ist eine Federsattelstütze. Da bin ich aber vielleicht auch einfach verwöhnt.

Preis: 5/5
4600€ in dieser Ausstattung und 4000€ für die schlechter ausgestattete „Edition“ sind sehr respektabel, wenn man sich das aktuelle preisliche Umfeld ansieht. Voll ausgestattet liegt man zwar auch bei 5500€, aber hier ist in der Grundausstattung schon der große Frontgepäckträger drin und man kann sich das Rad mit dem Zubehör ausstatten, wie man es braucht. Die Anbauteile sind insgesamt, meines Erachtens, ebenfalls günstig, wenn man die aktuellen Preise im Hinterkopf behält. Und wenn man kleine Kinder hat, kann man die Grundausstattung wählen, Kindersitze hinten drauf und Bügel und Running Boards später kaufen…also insgesamt ein sehr konkurrenzfähiger Preis.

Qualität: 4/5
Rahmen und Anbauteile des Bergamont E-Cargoville LT sind sämtlich sehr gut verarbeitet. Saubere Schweißnähte und gute Lackierung bzw. Beschichtung, die auch einiges Aushält. Das Holz hingegen leidet recht schnell. 

Der Verschleiß ist bei einer Kettenschaltung wichtig im Auge zu behalten und hier spielt eine Rolle, dass wir eine 12-Fach Schaltung haben, dessen Verschleißteile teurer sind, als bei 11 oder 10 Gängen. Auf der anderen Seite ist hier keine Federgabel, um die man sich kümmern muss und die Akkus sind so positioniert, dass sie nicht den Dreck der Straße abbekommen. Der Motor wird hier unten noch von einer zusätzlichen Verschalung geschützt. Steckachsen vorne und hinten sorgen für Stabilität im Aufbau sowie einen gewissen Diebstahlschutz. Auch die Textil-Teile haben eine sehr gute Verarbeitung und fühlen sich hochwertig und solide an. 

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 4/5
Als Long Tail ist das Bergamont E-Cargoville LT recht variabel. Die Gepäckträger bieten viele Befestigungspunkte und besonders mit dem Bügel sind Euroboxen einfach transportierbar. Die Beladungskapazität der Gepäckträger ist ausreichend, wobei 54kg hinten schon weniger ist, als bei diversen Marktbegleitern. Dafür ist das Rad vielseitig verwendbar: zwei Kinder + Einkäufe, lange, sperrige Gegenstände, alles für eine Radreise… alles lässt sich einfach transportieren. Es ist auch möglich, Anhänger zu nutzen, dann muss man aber auf die Fußstützen unten verzichten. Das ist schade, aber auch Standard bei den meisten Long Tails. 

Sitze/Bank: 4/5
Wie bei den meisten Long Johns gibt es hier keine Bank im Sinne des Wortes, sondern den Gepäckträger, der sich mit Zubehör anpassen lässt. Mit Kindersitzen können Kinder ab ca. 9 Monaten mitgenommen werden, bis sie groß genug sind, um sich selbstständig an den Bügeln festzuhalten. Wir haben das mit der Großen ausprobiert und es hat sehr gut geklappt. Das Polster ist angenehm und die Griffpolster ebenfalls. Was fehlt, ist ein kleines Rückenpolster. So lassen sich zwar auch größere Kinder einfach mitnehmen. Wobei allerdings der komplette Bügel etwas stören könnte.

Ganz kleine Kinder unter 9 Monaten finden auf dem Bergamont E-Cargoville LT natürlich keinen Platz. Da kommt dann wieder der Anhänger ins Spiel. Und so bin ich auch größtenteils unterwegs gewesen. Denn erst war es immer fürchterlich nass und dann, besonders morgens, fürchterlich kalt.

Zubehör: 3/5
Die Teile, die es von Bergamont gibt, sind alle sehr hochwertig, haben viele tolle Details, siehe die Taschen im ersten Video, und sind auch nicht übermäßig teuer. Allerdings ist die Auswahl recht beschränkt und deckt auch nicht alles ab. Für einfache Griffe zum Beispiel, um größere Menschen mitzunehmen, muss man woanders stöbern. Auch gibt es für kleinere Kinder keinen Wetterschutz, was ich dann durch den Anhänger kompensiert habe. Und ich könnte mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die auch gerne noch größere Taschen mit eventuell weniger Schnickschnack hätten. Also kurz gesagt: das, was es gibt, ist top, aber es gibt halt nicht alles.

Parken und Rangieren: 3/5
Mit einer Länge von knapp über zwei Metern ist das Bergamont E-Cargoville LT schon eine ganze Ecke größer als ein normales Fahrrad, es lässt sich aber dennoch einfach und intuitiv rangieren und bewegen. Beim Abstellen ist der Ständer nicht optimal. Der lässt das Bike zwar sicher stehen, auch wenn zwei Kinder hinten drauf sind, ist aber schwierig in der Bedienung, besonders wenn das Rad beladen ist. Denn um es auf den Ständer zu bringen oder herunter zu holen, muss man es immer irgendwie anheben. Das ist für mich relativ leicht. Für Andere, die leichter oder kleiner sind, könnte es allerdings ein Kraftakt sein.

Und wenn man es anschließen möchte, sorgen die breiten Gepäckträger dafür, dass man ein relativ langes Schloss braucht, um an einen Fahrradständer zu kommen. Was ich im Alltag auch als Nachteil empfunden habe ist, dass es kein Speichenschloss gibt und offenbar auch keines vorgesehen ist. Gerade für kurze Stopps vor der Kita oder beim Bäcker hab ich das vermisst.

Sicherheit: 4/5
Das wichtigste Sicherheitsfeature sind die Bremsen und hier geht Bergamont in die Vollen mit den hervorragenden CMe5 Bremsen und entsprechend großen Bremsscheiben. Klasse! Durch die Sitzposition hat man einen guten Überblick über den Verkehr und alles, was links und rechts passiert. Und was mir auch aufgefallen ist: Das Tretlager ist tiefer als bei anderen Long Tails. Dadurch hat man an der Ampel einen guten Stand und braucht nicht links und rechts trippeln. Besonders wichtig, wenn Kinder hinten drauf sind. Für die Kinder ist der Bügel super und falls das Rad doch kippen sollte, sind sie hier ganz gut geschützt. Die Beleuchtung ist ausreichend, aber nicht überragend und das Rücklicht ist unnötig tief befestigt und ungeschützt. Dafür kann man es aber auch dann gut von der Seite sehen, wenn die Taschen am Gepäckträger befestigt sind. Auch der Frontscheinwerfer ist von der Seite sichtbar, das ist gut! Die reflektierenden Elemente an den Taschen und dem Radschutz geben ein bisschen mehr Sichtbarkeit in der Dunkelheit.

Gesamtscore: 38/50

Fazit:

Auf den ersten Blick erscheint das Bergamont E-Cargville LT recht einfach und standardmäßig, hat aber einige clevere Ideen und eine Geometrie, mit der verschiedene Fahrerinnen und Fahrer gut klarkommen sollten. Schade ist natürlich, dass ich es nicht gemeinsam mit meiner Frau nutzen kann, ich bin 1,96 und sie 1,62, sodass sie die kleinere Rahmengröße bräuchte. Insofern kommt es nicht für alle als Familienbike infrage. Aber Bergamont hat sich dazu entschieden, da eine One-Size-Fits-Most Lösung auch mit Kompromissen einhergeht. Ich war doch erstaunt darüber, wie einfach sich das Bike im Alltag bewegen lässt und wie einfach beide Kinder, deren Gepäck und komplette Einkäufe sich auf dem Rad mitnehmen lassen. Und es fährt sich sehr intuitiv, egal ob beladen oder nicht. Der Motor könnte für einige Anwendungsbereiche mehr Bums vertragen und das Bike hat ein paar Schwächen, wenn man es nicht fährt, sondern abstellen will. Insgesamt hat mich das Bike aber positiv überrascht.

Durch die Konzeption eignet es sich für alle, die ein robustes und fähiges Longtail suchen, ein Bike, das nicht besonders auffällt, sondern erst dann, wenn man es belädt. Familien werden dann glücklich, wenn die Kinder zwischen 1 und 10 Jahren sind und Schietwetter nichts ausmacht. Oder auch dann, wenn ihr ein besonders robustes Zugfahrzeug sucht, das alles aufnehmen kann, was nicht mehr in den Anhänger reinpasst. Ihr solltet aber bereit sein, etwas Zeit in die regelmäßige Pflege zu stecken. Es ist, und das ist eine weitere Besonderheit, auch dann eine gute Alternative, wenn ihr nicht so viel Geld ausgeben wollt. Und ich würde tatsächlich die Edition für 3999€ vorziehen, da ihr dort zwar bei einigen Punkten Abstriche machen müsst, aber die wesentlichen Punkte wie Rahmen, Akku, Motor und Zubehör sind genau die gleichen. Wenn ihr allerdings dieses wunderschöne weiß haben wollt, braucht ihr das LT Expert!

* Bergamont hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und unterstützte mich für die Erstellung des ersten Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

2021 Riese & Müller Multicharger Touring im Test

Wir konnten 8 Wochen lang das Riese und Müller Multicharger Touring im Alltag bewegen und haben das ein oder andere Abenteuer erlebt. Hier ist die Bewertung!*

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Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 9/10
Das Multicharger ist eine Art verlängertes 90er-2000er Jahre Mountainbike. Die 26“ Räder sind groß genug, um die meisten Hindernisse einfach zu bewältigen und erst im härteren Gelände kommt es an seine Grenzen. Die Sitzposition ist ziemlich sportlich und das ganze Rad lässt sich sehr intuitiv und dynamisch fahren, auch wenn es beladen ist. Der Lenker ist nicht so breit, wie bei modernen Mountainbikes, aber breit genug für eine gute Kontrolle über das Rad. Der Bosch Performance CX Motor ist sehr kräftig und kann in Kombination mit der Shimano Deore XT Kettenschaltung sein volles Potential entfalten. Auch sehr steile Anstiege sind kein Problem, man muss dann aber sein Gewicht nach vorne verlagern, da das Rad gerne mal in den Wheelie geht, wenn hinten viel drauf ist. Die Bremsen verzögern sehr zuverlässig und mir hat gefallen, dass die Hebel schön breit sind, damit man mehr Bremspower nutzen kann, auch als schwächere Person. Gerade bei unebener Strecke ist die Federgabel sehr angenehm. Sie spricht ausreichend feinfühlig an und pumpt auch nicht bei kraftvollen Anstiegen. Wenn ich regelmäßig in den Bergen unterwegs wäre und Offroad, würde ich in noch einmal größere Bremsscheiben investieren und eventuell eine höhenwertige Federgabel mit Remote Lockout. Ich habe auch schon Multichargers mit weiten Dropbars gesehen für eine besser Tourentauglichkeit. Insgesamt ist es eine exzellente Fahrdynamik

Innovation/Design: 8/10
In Sachen Innovation haben wir hier den großen Vorteil, dass R&M viel Erfahrung mit Integration und den neusten Ideen eines vernetzten Fahrrads hat. Der RX Chip ist ein gutes und sinnvolles Extra und die Möglichkeit, das Smartphone Hub oder Nyon Display schon mitzubestellen ist im Cargobike-Bereich außergewöhnlich. Auch das Kabelmanagement und der voll versteckte Akku hat mir sehr gut gefallen. Ansonsten ist das Konzept natürlich nicht neu. Longtails mit 26“ Bereifung gibt es schon länger, aber der Fokus, beziehungsweise die Möglichkeit, das auf Offroad zu trimmen ist selten. Bei der Rahmengeometrie haben wir kein „One-Size-Fits-Most“-Prinzip, sondern zwei Rahmenformen in jeweils zwei Größen. Das hat Vor- und Nachteile, denn wenn die potentiellen Fahrer:innen große Größenunterschiede haben, benötigen sie zwei Räder. Auf der anderen Seite findet man sich aber auch nicht in einer merkwürdigen Sitzhaltung wieder, wenn man sich an einem der beiden Enden des Spektrums befindet. Ansonsten ist das Design teutonisch klar und wenig aufregend. Nur die gelben Gepäckträger stemmen sich gegen diesen Eindruck. Ein Punkt, der (fast) allen anderen Longtails fehlt: Die Eignung für 45km/h in der S-Pedelec Version.

Zwei Punkte, die mir negativ aufgefallen sind: 1. um den Akku zu entnehmen, greift man immer in Dreck. Und 2. ist der matte Rahmen recht schmutzempfindlich.

Ausstattung: 8/10
Wie bei den meisten Rädern von Riese & Müller bietet die Ausstattung wenig Grund zu meckern. Schon in der Basis ist hier immer ein Performance CX und ein integrierter Akku verbaut. Griffe, Sattel und Beleuchtung sind gut, wobei ein Scheinwerfer mit Fernlicht, sowie ein Bremslicht zumindest als Option schön wären. Bei Display, Akkus und Schaltung hat man die Qual der Wahl und kann sich das komplett auf seine Bedürfnisse zuschneiden. Die Basis ist aber schon gelungen.

Nicht gut sind die Pedale, von denen ich im Regen abgerutscht bin und die billige Klingel. Beides Cent-Artikel, die nicht zu dem Rad passen.

Preis: 7/10
Als GT light startet das Multicharger bei 4499€. Das wäre auch tatsächlich das Rad, was ich wählte, und ist damit günstiger, als die vergleichbar ausgestattete Konkurrenz. Mit dem Rad an sich kann man natürlich nicht viel anfangen, man muss das Zubehör mit bestellen, um es in einen echten Cargobike Modus zu bringen. Aber für unter 5000€ bekommt man das Rad mit Taschen und Safety Bar Kit und wäre dann komplett ausgestattet für den Transport von Kindern. Das ist ein tatsächlich kompetitiver Preis! 

Qualität: 8/10
Insgesamt ist das Rad gut verarbeitet und aufgebaut. Es gab „out of the Box“ keine Auffälligkeiten bezüglich loser Schrauben, sondern es war alles fest und flauschig. Nach etwa einem Monat haben ein paar Speichen angefangen zu knacken, aber nach einem kurzen Check bei Fahrradhandlung Willert waren keine Speichen auffällig. Das ist aber sowieso etwas, was bei einem Neurad immer auftreten kann. Ich habe dem Rad mehr zugemutet, als allen Testrädern zuvor und ich hatte nicht eine einzige Panne, keine Teile sind abgefallen, keine Schrauben haben sich gelöst. Die Qualität passt also meines Erachtens zum Anspruch. Super für Privatkunden ist auch, dass RM eine Garantie über 5 Jahre für Rahmen und Hinterbauschwinge, sowie zwei Jahre für den Akku gibt. Leider gilt dies aber nur für Privatkunden. 

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 6/10
Das Multicharger ist tatsächlich sehr variabel. Der große Heckträger und der kleine Frontträger sind serienmäßig, was schon einmal ein Bonus ist, jedoch muss man dann sein Rad natürlich je nach Anwendungszweck ausstatten. Aber dann lässt es sich sehr variabel einsetzen. Die Möglichkeit, ein Kinderfahrrad zu transportieren ist genial, allerdings muss man dann eine Tasche abnehmen und das Rangieren ist schwierig. Ohne den Kindersitz lässt sich in das Safety Bar Kit eine 60x40cm Eurobox verstauen und das Kit eignet sich auch hervorragend dazu, Dinge zu verzurren und zu sichern. An den Gepäckträger kann man eigene Packtaschen hängen, oder man nutzt die von Riese & Müller, die ausreichend groß sind, sich aber mit montiertem Kindersitz nicht verschließen lassen. Außerdem sind sie schwierig zu montieren und abzunehmen. Darüber hinaus sind sie etwas verschnitten. Die Grundfläche ist relativ klein, was die Nutzbarkeit für große Gegenstände einschränkt.

Die Montage einer Anhängerkupplung ist möglich, aber nur ohne montierte Fußleisten. Da wäre eine dedizierte Möglichkeit super, eine Kupplung zu montieren um die Variablität zu erhöhen.

Sitze/Bank: 6/10
Riese und Müller bietet mehrere Möglichkeiten an, um Passagiere mitzunehmen und gibt den Heckträger für Menschen bis 65 kg frei. Mit dem Passagier Kit kann man größere, mit dem Safety Bar Kit kleinere Menschen mitnehmen. Und die noch Kleineren kommen in Kindersitze. Da muss man aber darauf achten, dass sie von links und rechts sich festkrallen, da die Mitte des Trägers geschlossen ist. Für Babys gibt es keine Möglichkeit, sie auf dem Rad zu platzieren. Das müsste man mit einem Kinderanhänger machen.

Zubehör: 7/10
Das bei Konfuguration wählbare Zubehör ist umfassend und geeignet für die meisten Transportaufgaben und Fahrprofile. Ich fand die mitgelieferten Flaschen ein sehr nettes und unerwartetes Feature und sämtliches Zubehör ist gut verarbeitet. Bei den Gurten hier vorne gibt es allerdings scharfe Kanten, da muss man auf den Lack achten. Zu den Taschen habe ich ja schon ein bisschen was gesagt, die haben mich nicht ganz zufrieden gestellt, da sie auch sehr schnell schmuddelig aussehen, ziemlich nach außen hängen und keinen Ablauf haben. Nach einem starken Regenguss stand das Wasser hier drin und hat Tage gebraucht, um komplett abzutrocknen. Ohne montieren Kindersitz kann man sie einfach schließen, aber mit Kindersitz würde ich auf kleinere, abnehmbare Taschen setzen, oder den Frontgepäckträger stärker nutzen.
Die Schlosstasche schließt leider nicht zuverlässig genug und ich würde mir noch Möglichkeiten wünschen, diesen Raum hinter dem Sitzrohr gut nutzen zu können. Ebenfalls fehlt ein Wetterschutz.

Parken und Rangieren: 8/10
Mit seiner Länge von etwas unter zwei Metern ist das Multicharger gut und einfach zu bewegen und rangieren, es ist aber schwer. Es passt in die meisten Fahrradständer und hat viele Stellen, wo ein Schloss durchgezogen werden kann. Allerdings verhindern die Gepäckträger vorne und hinten, dass man nah an einen Kreuzberger Bügel zum Beispiel herankommt. Dementsprechen sollte man ein langes Schloss nutzen. Wenn man das Rad auf den Ständer bringen möchte, hat sich für mich folgende Methode bewährt: Rechts bremse ziehen, vorne anheben, runterklappen. Das Rad steht sicher und auch mit einem Kind im Sitz kippt es nur um, wenn der Untergrund sehr uneben ist. Man muss dennoch darauf achten. Gerade wenn ein Kind hinten drauf sitzt kann das Rangieren allerding schon mal kippelig werden, durch den hohen schwerpunkt, daran muss man sich gewöhnen.

Sicherheit: 7/10
Das Rad lässt sich sehr intuitiv und sicher bewegen. Durch die sportliche Sitzposition kann man sich gut in die Kurven legen und hat die Kontrolle über das Rad. Wenn die Gepäckträger schwer beladen sind, neigt das Rad irgendwann zum Flattern, besonders bei hoher Beladung vorne. Die Bremsen greifen gut und die Reifen haben auch offroad genug Grip. Die Beleuchtung könnte etwas besser ausgestattet werden mit Brems- und Fernlicht und auch die Reflekorensituation ist verbesserungswürdig, besonders, da das Rücklicht in der Seitenansicht von den Taschen verdeckt wird.

Für Kinder und Passagiere ist es hier hinten super. Durch das Safety Bar Kit braucht man nicht einmal die Füße im Sitz festschnallen, da dort im Grunde nichts passieren kann. Größere Kinder können die Füße auf den breiten Boards abstellen und die Abdeckung verhindert, dass irgendwas in die Speichen gerät.

Gesamtscore: 74/100

Fazit:

Nach meinem ersten Video haben ja einige geunkt, dass es kein Reiseenduro sei oder mit einem Mountainbike nichts zu tun habe. Ich denke aber, mein erster Eindruck hat genau gepasst. Dieses Rad kann sowohl reisen, als auch klettern. Es ist variabel, alltagstauglich und hat eine gute Qualität. Es ist das perfekte Lastenrad…für eine recht kleine Gruppe an Nutzer:innen. Und zwar für genau diejenigen, die einen Reisebegleiter mit E-Motor suchen oder mit größeren Kindern in die Natur wollen. Im Familienalltag ist das Rad ab und zu überfordert. Baby transportieren? Nicht möglich ohne Anhänger. Anhänger montieren? Erst einmal Boards abbauen. Bei Regen und Kälte muss man die Kinder dick einpacken, denn im Gegensatz zum Fahrer bewegen sie sich ja nicht. Außerdem war es schon eine Einschränkung, dass ich das Rad nicht mit meiner Frau teilen konnte. Einerseits durch den fehlenden Schnellspanner an der Sattelstütze, andererseits durch die Rahmengröße. Außerdem wird die sportliche Sitzposition längst nicht jedem zusagen.

Aber…für mich? Super! Wenn die Kinder ein bisschen älter sind, beide hinten drauf setzen und eine Runde durch den Wald feuern? Oder auf einen Ausflug mit Sack und Pack? Dafür ist das Rad gemacht worden.

* Riese & Müller hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und unterstützt mich für die Erstellung der Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

Hausratversicherung vs. E-Bike-Versicherung

Hausratversicherung

Vorteile
– häufig günstig
– nicht Rad-spezifisch, sondern alle Räder im Hausstand sind mitversichert bis zur Deckungssumme
– gilt nicht nur für Räder, sondern gesamten Hausrat
– Alter der Räder ist egal

Nachteile
– eigentlich gibt es keine!
– Prämie abhängig vom Wohnort
– gewerblich genutzte Räder sind in der Regel nicht abgedeckt
– im Vergleich zur Fahrradversicherung in den meisten Fällen geringerer Leistungsumfang. Nur Diebstahlversicherung
– man muss auf die Deckungssumme achten

Fahrrad- bzw. E-Bike Versicherung

Vorteile
– Deckungssumme an den Fahrradwert angepasst
– Verschleiß, Reparaturen, Unfälle, Schutzbrief etc. je nach Versicherung enthalten
– teilweise auch Sportveranstaltungen, Downhill oder gewerblich genutzte Räder abgedeckt

Nachteile
– jedes Rad muss einzeln versichert werden
– kann teurer sein als die Hausratversicherung
– nur neue oder junge Räder versicherbar

Riese & Müller Packster 70 im Test

Wir konnten als eine der ersten Familien das brandneue Riese & Müller Packster 70 über 8 Wochen im Alltag testen. Dies ist die Radelbande Bewertung.

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Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 9/10
Das neue Riese & Müller Packster 70 folgt in Sachen Fahrdynamik seinen Vorgängern. Die Lenkung ist sehr direkt und man ist sehr agil unterwegs. Der Motor ist unauffällig und fein abgestimmt, sodass er immer die Unterstützung bietet, die man als Fahrer/in gerade benötigt und hält sich akustisch zurück. Durch die Gewichtsverteilung und die beiden Akkus vorne ist immer etwas Last auf dem Vorderrad. Dadurch fühlt sich das Vorderrad zu keinem Zeitpunkt „leicht“ an. Es ist also immer gut kontrollierbar. Das Rad ist recht komfortabel, aber durch den steilen Lenkwinkel und die eher schlecht ansprechende Federsattelstütze weiß man trotzdem genau, wie der Untergrund beschaffen ist. Die Sitzposition ist gut, durch das hohe Tretlager sitzt man recht hoch auf dem Rad. Das verbessert die Übersicht, aber das Aufsteigen wird etwas erschwert.

Was noch auffällt: das Packster mit dem Doppelakku ist ein Langläufer! Ich war in der Lage etwas über 100km Reichweite im gemischten Betrieb herauszuquetschen.

Innovation/Design: 8/10
Das Packster 70 wurde von Grund auf neu konstruiert. Ob man das Design mag oder nicht ist Geschmackssache. Auf jeden Fall ist der Grad der Integration beeindruckend und das Rad ist auf jeden Fall ein Hingucker, besonders in dem Rot.

Die Konstruktion der Front des Riese & Müller Packster 70 ist diskussionswürdig. Durch die Kompaktheit kann das Schutzblech nicht weit herunter gezogen werden und der Dreck von der Straße verteilt sich auf der Außenseite der Box. Laut Riese und Müller ist der Bereich hinter dem Vorderrad bewusst als eine Art Kotflügel entwickelt worden. Es tut auch seinen Zweck und hält Dreck und Wasser vom Innenraum fern. Beim Auto aber ist der Dreck im Kotflügel versteckt. Hier präsentiert er sich förmlich. Das finde ich nicht schön und man sollte diesen Bereich regelmäßig reinigen.
Bei der Konstruktion fällt auf, dass sie 100%ig stabil ist. Beim Fahren, auch mit schweren Lasten, hat der Rahmen keinen merklichen Flex und knarzt oder klappert auch nicht. Durch die Position des Ständers kann es beim Fahren passieren, dass man je nach Schuhgröße und Pedalstellung an den Ständer gerät. Das ist nicht gefährlich, kann aber irritieren.

Sehr genial ist die Seilzuglenkung. Die ist mit zwei dickeren Zügen ausgestattet, anstatt mit vier dünneren, wie es bei den meisten Cargobikes mit Seilzuglenkung der Fall ist. Das sorgt dafür, dass das System weniger Platz benötigt und komplett gekapselt verlaufen kann.
Die verbauten Materialien verstärken Klappern von Gegenständen in der Box. Da sollte man mit einer Bodenmatte oder Ähnlichem arbeiten, denn das ist ziemlich und kann auch zu einer Geräuschbelastung für die Insassen werden.

Ausstattung: 9/10
Das Testbike ist mit dem Performance Package ausgestattet. Das beinhaltet ein Upgrade bei den Bremsen, Licht und Sattelstütze. Das Licht, also die M99 Mini Pro und das M99 Rücklicht sind genial. Das beste Licht, das ich bislang an einem Testrad hatte. Die Sattelstütze kann ich nicht empfehlen. Die spricht nicht gut an und ist auch für Menschen über 1,90 nicht geeignet. Die Bremsen hinterlassen einen zwiegespaltenen Eindruck. Die Scheiben und Beläge sind dicker, sodass die Teile länger halten sollten und sie bremsen auch wirklich gut! Aber man muss sie penibel sauber halten. Und man braucht viel Handkraft, um sie zu betätigen und scharf bremsen zu können. Das kann gerade für kleinere und leichtere Fahrer/innen im Alltag bei Stop&Go anstrengend sein.

Der Rest der Ausstattung passt sowohl funktional, haptisch und optisch zum Fahrrad, mal wieder mit Ausnahmen der Klingel und der Pedalen. Das ist Commodity Standardware, die einem 8.500 Euro Fahrrad nicht würdig ist.

Preis: 3/10
Das Riese & Müller Packster 70 ist in drei Grundausstattungen bestellbar. Für unter 7.000 Euro kann man das Packster 70 Touring mit Kettenschaltung zu einem voll alltagstauglichen Kindertransporter ausstatten.
Für möglichst geringen Wartungsaufwand empfiehlt sich aber die Enviolo mit Riemen, wodurch der Grundpreis schon deutlich Richtung 7.000 Euro geht.

Was ein bisschen schräg ist, ist die Akku-Ausstattung. Entweder 500Wh oder 1250 Wh. Und wenn man 500 Wh wählt, kann man auch nicht, oder nur mit sehr großem Aufwand, auf einen Doppelakku erweitern. 500Wh reichen zwar wahrscheinlich für die Meisten aus, aber wenn es nicht ausreicht, muss man gleich ganz tief in die Tasche greifen. Die sonstigen Zusatzausstattungen sind angemessen eingepreist, ich finde aber schade, dass man die Optionen aus dem Performance Package nicht einzeln bekommt.

Qualität: 7/10
Das Packster ist solide gebaut. Alle Schweißnähte und Verbindungen sind sauber gearbeitet und die Beschichtung ist ebenfalls hochwertig. Die komplett gekapselte Seilzuglenkung verspricht eine lange Haltbarkeit. Beim Testen sind mir allerdings zwei Punkte aufgefallen. Erstens machen die Speichen beim Wenden und langsamen Fahren Geräusche. Und zweitens hat bereits nach wenigen Winterwochen die Federgabel angefangen zu rosten. Da muss man auf jeden Fall ein Auge drauf werfen und die Gabel regelmäßig pflegen. Nach Aussage des Mechanikers 2-3x pro Woche. Dies gilt aber für alle Räder mit Federgabel. Das ist natürlich eine Garantiefrage und würde spätestens bei den regelmäßigen Inspektionen behandelt werden.
Bis auf diese Punkte ist die Qualität in der Konstruktion und dem Aufbau des Riese & Müller Packster 70 aber sehr gut!

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 8/10
Das Riese & Müller Packster 70 ist um die große EPP Box herum designed worden. Es ist nicht ohne Weiteres möglich sie abzubauen, um eine flache Ladefläche zu erhalten, da die Züge der Lenkung und Kabel in der Boxwand entlang laufen. Damit fällt natürlich etwas Variabilität weg, aber wenn man breitere Dinge transportieren möchte, kann man sie auch auf dem Boxrand verzurren, sofern sie flach sind.

Die Box des Packster 70 lässt sich variabel nutzen. Es gibt ein Cargo Carry System, mit dem sich Euroboxen und andere Gegenstände sinnvoll platzieren und befestigen lassen. Aber auch ohne das Cargo Carry System lassen sich Dinge in, an oder auf der Box einfach verzurren, dank der Griffe und der inneren Reling. Wenn die Kindersitze montiert sind, lässt sich mit etwas Gewalt eine Eurobox quer platzieren und die steht dann auf den Griffen. Dies steht dann allerdings ziemlich schief und somit ist das nur eine Notlösung, denn längs passt keine große Box mehr rein. Dass sich die Sitzbank hochklappen lässt, ist zwar gut, bringt aber nicht viel Platz. Leider lässt die Sitzbank sich auch nicht einfach entnehmen.
Ein Zwischenboden würde die Variabilität erhöhen, da der Platz schon recht beengt ist, wenn Kinder in der Box sitzen.
Super finde ich, dass der Gepäckträger immer standardmäßig verbaut ist. Da kann man im Zweifel ein Kind auslagern oder mit Packtaschen fahren, um den insgesamt nutzbaren Raum zu vergrößern.

Sitze/Bank: 8/10
Die Bank selbst ist sehr angenehm. Eine sehr hohe Rückenlehne und Seitenwände, genug Platz bis zum Boden und die Verstellmöglichkeit sorgen dafür, dass der Mittagsschlaf auch im Riese & Müller Packster 70 stattfinden kann. Im unteren Fußraum wird es bei zwei Passagieren schnell eng, drei Passagiere müssen sich sehr mögen. Das Polster ist zwar wasserabweisend, es bleibt aber dennoch ein kleiner Film übrig, der für einen nassen Popo sorgen kann.
Die Gurte sind mittelmäßig. Kinder lassen sich leicht anschnallen, dadurch, dass der 5-Punkt-Gurt mit nur 3 statt 5 losen Enden kommt. Aber der Verschlussmechanismus fühlt sich billig an, die Gurte sind recht schmal und die Verstellung ist ziemlich fummelig. Schade auch, dass keine Halsschoner mehr verbaut werden.

Wie richtig gute Gurte aussehen, zeigt hingegen die Babyschale. Von der bin ich echt begeistert! Die lässt sich, Riese & Müller typisch, mit einem Spanngurt an dem Griff und einem Karabiner unten in der Box befestigen. Das ist in etwa so aufwändig, wie eine Autobabyschale ohne Basisstation im Auto anzugurten. Das Kind sitzt, bzw. liegt sehr gut darin, auch mit Fußsack, und hat einen sehr guten Gurt!
Als Highlight lässt sich die Babyschale mit Kind drin auch sehr einfach tragen. Das ist eine sehr gute Lösung und eine gelungene Alternative zur Autobabyschalenhalterung.
Etwas unschön finde ich, dass der vordere Bereich in der Box sehr zerklüftet ist und die harten Rahmenteile hervorstehen. Ich denke, der dritte Sitz würde das sowohl optisch, als auch praktisch verbessern.

Zubehör: 8/10
Das Riese & Müller Packster 70 lässt sich bereits bei der Konfiguration auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Und hier bietet Riese & Müller schon einige sinnvolle Optionen, die auch hochwertig sind und angemessen eingepreist. Was mir noch fehlt sind Verstaumöglichkeiten für Spielzeug oder ähnliches in der Box, sowie der bereits angesprochene Zwischenboden.

Parken und Rangieren: 9/10
Mit der Seilzuglenkung, dem steilen Lenkwinkel und dem sehr großen Lenkeinschlag ist das Riese & Müller Packster 70 ein Rangiertraum. Es hat den kleinsten Wendekreis aller bisher von mir getesteten Long Johns und lässt sich zielsicher überall hineinzirkeln. Das Aufstellen und vom Ständer nehmen gelingt super einfach und das Rad steht sicher.
Zum Anschließen bieten sich auf der Hinterseite des Fahrrads einige Punkte an. Gut ist, dass das Speichenschloss zur Standardausstattung gehört. Das Packster 70 ist allerdings für viele Fahrradparkplätze zu breit, sodass man regelmäßig kreativ werden muss beim Abstellen.

Sicherheit: 8/10
Das Riese & Müller Packster 70 ist ein modernes Cargobike und als solches mit allen Sicherheitsfeatures ausgestattet, die man erwartet. Bremslicht, standfeste Bremsen, eine hohe Schulterlinie bei den kleinen Passagieren und zusätzliche Reflektoren. Fast noch wichtiger: Es lässt sich intuitiv und leichtgängig bewegen und hat durch die Gewichtsverteilung immer guten Grip. Insgesamt also ein hohes Sicherheitsniveau, jedoch muss ich anmerken, dass die standfestere Bremse und das Bremslicht Bestandteil des Performance Pakets sind.

Gesamtscore: 77/100

Fazit:

Das Riese & Müller Packster 70 ist eine gelungene Neuentwicklung und ein neuer Benchmark im Bereich der großen Premium Long Johns. Die umgesetzten Ideen in der Box, die stabile Konstruktion und der große Alltagsnutzen sprechen besonders Familien, auch mit sehr kleinen Kindern, an. Für drei Kinder in der Box könnte der Platz aber zu knapp bemessen sein. Das Fahren gelingt auch mit größeren Lasten mühelos und das Packster erweist sich als agiler und sportlicher Begleiter. Meine Frau und ich mussten regelmäßig ausknobeln, wer das Packster fahren darf.

Die rostende Federgabel, Bremsscheiben und der Schraube im Innenraum, sowie die klingelnden Speichen dämpfen den guten Eindruck, wobei gerade die Federgabel auch funktional leidet. Hier muss man als Eigner immer besonderes Augenmerk auf eine gute und regelmäßige Pflege richten.

Insgesamt ist das Riese & Müller Packster 70 ein komplett empfehlenswertes Cargobike, wenn man bereit ist, den hohen Preis zu bezahlen.

* Riese & Müller hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und unterstützt mich für die Erstellung der Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

i:SY Cargo – kompakt, schnell, praktisch

Ich konnte das i:SY Cargo für ein Verlängertes Wochenende testen und sehen, wie sich das kleine Cargobike im Alltag macht. Vielen Dank an Fahrradhandlung Willert 2.0 für die Bereitstellung des Rades und an Hartje für die Unterstützung.

https://youtu.be/EhYGfvNNwtI

Hier gehts zur Score-Übersicht.

Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 7/10
Das i:SY Cargo fühlt sich beim Fahren quicklebendig an und erinnert in der Fahrweise eher an ein normales Fahrrad, denn an ein Lastenrad. Der kräftige Motor in Verbindung mit dem kleinen Antriebsrad hat natürlich seinen Anteil daran. Die Enviolo Nabe ist ein guter Standard im Lastenradmarkt und hindert das Rad nicht in seiner Agilität. Komfortseitig ist das i:SY Cargo eher rumpelig. Zwar versprechen die 62mm breiten Schwalbe Super Moto X Komfort, durch die eher schmalen Felgen können sie dies aber nicht halten, da die Reifen recht stark aufgepumpt werden müssen. Der Rahmen ist in sich komplett unnachgiebig und verstärkt den Eindruck noch. Hier ist also definitiv eine Federsattelstütze empfohlen.

Die Bremsen des i:SY Cargo greifen gut zu und arbeiten zuverlässig, allerdings wären in bergigen Gegenden oder bei regelmäßigen Fahrten mit hoher Beladung größere Bremsscheiben angebracht.

Die aufrechte und kurze Sitzposition ist angenehm im Alltag, lässt aber Schläge direkt in die Wirbelsäule wandern und macht die Lenkung teilweise etwas nervös.

Innovation/Design: 6/10
Das Heck des i:SY Cargo erinnert 1:1 an die regulären Compact Bikes der Firma i:SY. Rahmenform, Position des Akkus und Hinterbau sind komplett übernommen. Der vordere Teil ist dann das Gegenteil. Hier bestimmen dicke, viereckige Profile das Bild. Während die gesamte Konstruktion sehr stabil und unnachgiebig ist, wurden durch die Anordnung der Rahmenteile einige Zentimeter Ladefläche verschenkt.

Die Nutzung eines Lenkgestänges, das fast komplett innerhalb der Frontrahmenteile entlang läuft, ist guter Standard und funktioniert im Alltag gut. Die verschiedenen Anschraubpunkte sind sinnvoll angeordnet. Die Ladefläche wirkt optisch noch einmal kürzer, als sie tatsächlich ist, da das ganze Rad insgesamt recht hochbeinig wirkt. Schade ist, dass hier noch der „alte“ Bosch Performance CX Motor zum Einsatz kommt und nicht schon der neue Cargoline Motor.

Ausstattung: 7/10
Das i:SY Cargo ist sinnvoll ausgestattet. Die Anbauteile sind ergonomisch okay und sollten lange halten, wecken aber auch keine Begeisterungsstürme. Eine Ausnahme bildet hier der By.Schulz Speedlifter Twist, der sehr hochwertig ist und auch in der höchsten Lenkerposition keinerlei Spiel zulässt. Front- und Rücklicht sind okay, bei unbeleuchteten Wegen könnte aber gerade der Scheinwerfer mehr Kraft haben. Sehr wartungsarm, leise und sauber ist der Gates Riemen, der die herkömmliche Kette ersetzt und bei der Standardausstattung ein zweites Highlight bildet.

Der Bosch Performance CX Motor (3. Generation) und die Enviolo N380 Cargo Nabe wirken zunächst ein bisschen „too much“ für das kleine Rad, sind aber wegen der hohen Zuladung und des Eigengewichts angemessen. Die Bremsanlage passt bis auf die etwas zu kleine Scheibe hinten ebenfalls zum Konzept des Rads.

Preis: 8/10
4599€ Basispreis sind gemessen an der Ausstattung ein guter Preis, vor allem, weil man immer den Top-Motor mit der Enviolo und dem Riemen bekommt. Auch die Anbauteile und das Zubehör sind fair eingepreist. In 2021 ist das Rad zwar teurer geworden, der Preisaufschlag fällt aber deutlich geringer aus, als bei einigen Mitbewerbern.

Qualität: 9/10
Bei der Qualität des i:SY Cargo merkt man das Selbstverständnis des Herstellers, hochwertige, langlebige Räder zu produzieren. Der Rahmen ist sauber verarbeitet, die Beschichtung hochwertig und die von mir getestete Holzbox ist ebenfalls sehr stabil. Beim Fahren ist kein Klappern vom Fahrrad vernehmbar.
Grundsätzlich ist der Rahmen massiv gearbeitet. Die Struktur ist für große Lasten ausgelegt und er fühlt sich jederzeit sehr stabil an. Auch die Anbauteile sollten sehr langlebig sein. Der Spritzschutz am Vorderrad schützt die Verbindungspunkte des Lenkarms zuverlässig vor Verschmutzung und ich habe keine Teile entdeckt, die einer regelmäßigen Überprüfung abseits regulärer Wartung bedürfen.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 8/10
Dafür, dass das i:SY lediglich 2,10m lang ist und eine Ladeflächenlänge von 40cm hat, ist es erstaunlich variabel. Es gibt drei verschiedene Aufbauten für die Ladefläche. Einmal die getestete Holzbox, die Butterfly Bag, sowie das Befestigungssystem für Systainer-Boxen. Darüber hinaus bietet das Rad noch Platz auf dem standardmäßig verbauten Gepäckträger. Und als weitere Möglichkeit, Gepäck unterzubringen, kann man an der Gabel Aufnahmen für Lowrider Taschen montieren, sowie einen weiteren Gepäckträger am Steuerrohr.

Somit ist das Rad sowohl für den Alltag ohne Auto, das Handwerk oder die Weltreise gerüstet.

Sitze/Bank: 2/10
Die einfache Bank des i:SY Cargo, die nur in der Holzbox vorhanden ist, ist eher eine Notlösung für kurze Strecken, denn echter Kindersitz. Die Bank ist mit 55cm zwar relativ breit, aber ein enorm kurzer Fußraum, niedrige Seiten- und Rückenteile, sowie ein leicht von den Schultern rutschender Gurt machen wenig Spaß, Kinder damit zu transportieren.

Zubehör: 9/10
i:SY bietet ein riesiges Portfolio an perfekt passendem Zubehör für seine Räder an. Und das Meiste lässt sich am für das i:SY Cargo verwenden. Ob es Flaschenhalter, Packtaschen, zusätzliche Gepäckträger, Schmutzfänger, Körbe oder sogar Vasen sind: es bleibt kaum ein Wunsch offen, um das Rad so aufzubauen, wie man es benötigt. Allerdings sind diese Produkte häufig nicht ganz günstig.

Parken und Rangieren: 6/10
Das i:SY Cargo bietet viele Möglichkeiten, um ein Schloss durchzuziehen, sowohl an der Rückseite, als auch am vorderen Rahmenteil. Beim Abstellen ist der Seitenständer in den meisten Fällen ausreichend, allerdings muss man definitiv auf den Zweibeinständer aufrüsten, wenn man das Rad regelmäßig schwer belädt. Das Rangieren wird sowohl durch das hohe Eigengewicht, als auch den großen Wendekreis erschwert. Durch den kurzen Radstand und die Positionierung des Akkus lässt es sich auch nicht einfach hinten anheben, um es umzudrehen. Ein Speichenschloss mit Einsteckkette muss zusätzlich erworben werden, ist aber definitiv ein sinnvolles Extra. Positiv ist der geringe Platzbedarf durch den Speedlifter Twist, mit dem sich der Lenker im 90 Grad drehen lässt. Das ist jedoch auch nur dann relevant, wenn entweder die Butterfly Bag oder die reine Ladefläche verwendet wird.

Sicherheit: 6/10
Das i:SY leistet sich in Sachen Sicherheit kaum eine echte Schwäche, ist aber auch in keinem Punkt herausragend. Die Beleuchtung ist okay, das Rücklicht durch das kleine Hinterrad aber relativ niedrig angebracht. Neben den gesetzlich erforderlichen Reflektoren finden sich keine Weiteren am Rad. Die Bremsen sind ausreichend kräftig, könnten aber für einige Anwendungen oder Gegenden nicht ausreichten dimensioniert sein. Sitzposition und Fahrverhalten vermitteln gute Sicherheit, da sich das Rad sehr intuitiv fahren lässt. Die Kindersitzbank bietet keine ausreichende Sicherheit für ernsthaften, langfristigen Transport vom Kind.

Gesamtscore: 68/100

Fazit:

Das i:SY Cargo ist ein spaßiges, spritziges Lastenrad, das mit einer Menge guter Ideen, einer großen Variabilität und kompakten Abmessungen um die Gunst der Kunden buhlt. Der Einsatzzweck ist hier nicht auf die Familie gelegt, sondern auf diejenigen, die keine kleinen Kinder (mehr) im Haus haben, oder die ein Lastenrad für das Gewerbe oder das Handwerk suchen, das sich leicht verstauen und beladen lässt, sowie von mehreren Fahrer/innen gefahren werden kann.

Das hohe Gewicht und großer Lenkradius machen das Handling im Alltag teilweise schwierig und die einzige echte Option, ein Kind mitzunehmen, ist ein Kindersitz auf dem Gepäckträger. Aber wer öfter im Alltag das Auto stehen lassen möchte oder auf der letzten Meile schnell von A nach B kommen will, ist mit dem i:SY Cargo sehr gut bedient!

* Fahrradhandlung Willert 2.0 hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und Hartje bezahlt mich für die Erstellung der Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

2020 Ca Go FS200 – Premium Cargobike im Test

Ich konnte das neue Ca Go FS200 6 Wochen lang im Alltag testen und sehen, ob Ca Go die großen Versprechungen einlösen kann. Vielen Dank an Ca Go für die Bereitstellung des Rades und die Unterstützung.

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Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 10/10
Initial fühlt sich das Ca Go sehr schwer und satt an. Der Effekt ist gewollt und kommt durch das hohe Eigengewicht, die Gewichtsverteilung und die gefühlt etwas schwergängige Kabelzuglenkung. Nach kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt und das Fahrrad vermittelt sehr viel Sicherheit und ist trotzdem agil. Genial an der Lenkung ist natürlich der große Lenkeinschlag mit dem man auch um engste Kehren kommt.

Der Cargoline Motor in Verbindung mit der Enviolo macht einen super Job. Die Schaltung funktioniert mittlerweile komplett zuverlässig und in Verbindung mit dem kräftigen Motor kommt man auch beladen überall hoch. Auch akustisch hält er sich zurück. Was mich erstaunt ist, dass auch meine 1,62m Frau sich nach kurzer Eingewöhnung pudelwohl auf dem Rad gefühlt hat. Und das trotz des nicht verstellbaren Lenkers.

Insgesamt vermittelt das Ca Go FS200 ein sattes „Premium“ Fahrgefühl und ist durch die elektronischen Helfer sehr einfach zu bewegen.

Innovation/Design: 8/10
Auf den ersten Blick würde man das CaGo nicht in den Bereich „Lastenfahrrad“ zuordnen. Sie haben sich in vielen Details an anderen erfolgreichen Konzepten orientiert und die besten Details in dieses Fahrrad gebaut, ohne aber irgend etwas zu kopieren. Die große EPP Box mit den weiteren Design Elementen und die Positionierung der Akkus sind Alleinstellungsmerkmale.

Die Position der Akkus ist wohl einer der diskussionswürdigsten Punkte bei dem Bike. Auf der einen Seite haben wir den Battery Safe, an den Diebe nicht leicht heran kommen und die perfekt austarierte Gewichtsverteilung. Auf der anderen Seite reduziert die Position den Platz in der Box recht deutlich und zum Laden muss man tief in die Box rein, diese entleeren und mehrere Teile abnehmen. Wenn man eine Abstellmöglichkeit mit Strom hat, ist dies kein Problem, da sich die Akkus von außen laden lassen. Wenn man das nicht hat, würde ich auf jeden Fall den zweiten Akku mitbestellen, denn so sind Reichweiten im Turbo Modus bis zu 100km drin. 90km im gemischten Betrieb habe ich hinbekommen.

Insgesamt hat das CaGo ein sehr modernes, maskulines Design, das wirklich heraussticht und die Konstruktion ist durchdacht.

Ausstattung: 9/10
Das Ca Go ist von Haus aus sehr gut ausgestattet. Hier wurden nur wenige Massnahmen ergriffen, um die Kosten zu drücken. Klingel und Rücklicht wollen nicht zum Gesamtpaket passen, aber ansonsten sind nur passend hochwertige Komponenten verbaut worden. Das Kiox Display passt zum modernen Charakter des Rades, ist intuitiv bedienbar und hat viele Funktionen. Die Griffe, Sattel und Stütze sind Zusatzaustattung, die Grundausstattung ist aber auch schon gut. Und der M50 Mini Scheinwerfer von Supernova wird die meisten ebenfalls mehr als zufrieden stellen. Die Ausstattung lässt also kaum Wünsche offen.

Preis: 4/10
6435€ mit 16% Mehrwertsteuer in der Grundausstattung ist viel Geld. Wahrscheinlich mehr, als die Meisten bereit sind, auszugeben. Wenn man den Preis aber gegen die Ausstattung spiegelt, ergibt sich ein Bild, dass der Preis irgendwo gerechtfertigt ist, natürlich soweit man die Ausstattung braucht und haben möchte. Hier ist das „Problem“, dass es keine Einstiegsversion gibt, sondern das Ca Go immer mit Automatik, Kiox Display, Cargoline Motor und einem großen Akku ausgestattet ist. Bei dem Grundpreis bleibt es natürlich nicht, aber auch die zusätzlichen Extras sind in Preisrahmen der Konkurrenz. Im Bereich der Premiumbikes liegt es insgesamt im oberen Mittelfeld.

Qualität: 8/10
Das Ca Go FS200 ist mit dem klaren Ziel entwickelt worden, hochwertig auszusehen, hochwertig zu fahren und hochwertig zu sein. Dieses Ziel ist mit dem ersten Serienrad noch nicht ganz erreicht. Die Schweißnähte sehen an der ein oder anderen Stelle etwas grob aus und ich habe festgestellt, dass die EPP Box immer ein bisschen irgendwo quietscht. Das liegt natürlich auch am Material, aber dennoch reiben irgendwo Teile an einander. Ich bin aber auch sehr empfindlich was das angeht, vielen wird es wahrscheinlich nicht auffallen.
Grundsätzlich ist der Rahmen massiv gearbeitet. Die Struktur ist für große Lasten ausgelegt und er fühlt sich jederzeit sehr stabil an. Auch die Anbauteile können da mithalten, das sollte alles sehr langlebig sein.
Durch das lange Schutzblech kommt verhältnismäßig wenig Dreck an die Unterseite und die Batteriebox. Trotz der teilweise sehr schlechten, matschigen Wege, die ich zuletzt gefahren bin, ist auch nichts in die Batteriebox gekommen.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 6/10
Das Ca Go kommt zunächst nur mit dieser Box. 200 Liter fasst sie nominell und ist innen ausgeformt für weiteres Zubehör und die Sitze. Die Grundfläche ist etwas größer als eine Eurobox und somit dafür gut nutzbar. Wenn man allerdings größere oder breitere Gegenstände transportieren muss, ist sie etwas im Weg. Die Aluminiumleisten schützen die Box, wenn man Dinge darauf legt oder verzurrt. Die Box lässt sich nicht einfach demontieren, falls man mehr Platz benötigt und durch das Batteriefach im Unterboden ist die Tiefe der Box begrenzt.

Auf dem Boxendeckel lässt sich noch ein zusätzlicher Gepäckträger für leichte Lasten befestigen. Der Deckel ist abschließbar und schützt die Güter, die in der Box sind sowohl vor Wetter, vor Blicken und Zugriff. Allerdings lässt er sich nicht montieren, wenn die Kindersitze montiert sind und das Wasser vom Deckel fließt in die Box, wenn man sie nach einer Regenfahrt öffnet. Das ist also wirklich ein reiner „Cargo“ Deckel.
Zusätzlich lassen sich noch Packtaschen an den Streben am Hinterrad montieren, ein proprietärer Gepäckträger fürs Ca Go ist Ende 2020 noch in der Entwicklung.

Sitze/Bank: 8/10
Mit den Sitzen war mein großes Kind zufrieden. Der 5-Punkt Gurtmechanismus ist etwas gewöhnungsbedürftig und gerade mit dicken Winterklamotten frickelig. Die gefederte Sitzfläche ist nah am Boden, was dazu führt, dass Kinder L-förmig sitzen. Dafür finde ich auch die Lehne etwas steil. Je nachdem, wie lang die Beine sind, wird die Nutzbarkeit der Box stark eingeschränkt, da ist dann dieser Zwischenboden hilfreich. Der Vorteil der tiefen Sitzposition ist, dass die Kinder schön von der Box eingerahmt werden und die verstellbaren Kopfstützen sind ebenfalls super.
Das Obermaterial und Polster der Sitze fühlt sich sehr komfortabel an, zieht leider Wasser, sodass sie mit den standardmäßig mitgelieferten Rucksackcovern abgedeckt werden sollten, wenn man ohne Passagiere durch den Regen fährt oder wenn das Rad draußen steht. Da fehlt aktuell noch eine Abdeckung für die Box.

Ca Go bietet IsoFix Adapter an, um eine Basisstation in der Box zu montieren. Dafür müssen aber die Sitze ausgebaut werden. Es ist also offiziell aktuell nicht möglich ein Kind und ein Baby mitzunehmen. ABER, man kann relativ einfach eine Weber Schale in der Box montieren. Die Federung und der Komfort ist auch fürs Baby dann außergewöhnlich gut und ein Kind passt auch daneben. Die Box ist dann allerdings voll und gerade bei kalten Temperaturen fehlt ein Regenverdeck.
Für zwei Kinder ab dem Kleinkindalter ist es sehr komfortabel und sicher, aber für Babys oder mehr als zwei Kinder gibt es (noch) keine gute Lösung.

Zubehör: 3/10
Wie wichtig Zubehör für die Nutzbarkeit eines Cargobikes sind, wird hier zum aktuellen Zeitpunkt deutlich. Ca Go hat sehr viel in der Entwicklung und aktuelle Render-Bilder sehen vielversprechend aus, aber aktuell fehlen einige essentielle Teile, wie Plane, Faltgarage, Gepäckträger, Babyschale und ganz wichtig: Regenverdeck. Der Boxendeckel ist bereits verfügbar und ich habe einen Prototypen dieses Zwischenbodens, der sehr praktisch ist.
Das fehlende Zubehör schränkt die Nutzung gerade im Winter etwas ein. Hier müsste man tatsächlich einmal Mitte 2021 sehen, was dann verfügbar ist, und wie man sich dann das CaGo ausstatten kann.

Parken und Rangieren: 8/10
Durch die Seilzuglenkung hat das Ca Go FS200 einen sehr kleinen Wendekreis und lässt sich zielsicher in Parklücken und in Fahrradständer zirkeln. Der Ständer ist einfach zu bedienen, wenn man das Rad beim Aufstellen nach hinten und gleichzeitig nach oben zieht. Hierfür ist der Griff sinnvoll. Meine Frau hatte allerdings mit dem leicht beladenen Ca Go diesbezüglich kleine Probleme und hat immer 1-2 zusätzliche Anläufe gebraucht. Auf dem Ständer steht es satt, kann nicht einfach so wegklappen und ist auch einfach wieder auf die Räder zu bringen.
Im hinteren Teil des Rades gibt es genügend Punkte, um ein Schloss durchzuziehen. Gerade auch im oberen Bereich durch den Griff, was sehr praktisch ist. Im vorderen Bereich gibt es jedoch keine Möglichkeit. Was ebenfalls fehlt, ist ein Speichenschloss.

Sicherheit: 9/10
Hier soll das Ca Go punkten, hier haben sie besonders viel Wert drauf gelegt und es ist ihnen meiner Meinung nach gelungen. Es gibt kein anderes Long John, das bezüglich der Sicherheit so viele Aspekte berücksichtigt. Geometrie, Bremsen, Sitze, Box, Reflektoren: dieses Safety-Pro-Tech Konzept scheint zu funktionieren und ich hatte stets das Gefühl, mich und meine Kinder sicher und komfortabel durch die Gegend zu kutschieren. Der Scheinwerfer mit dem Fernlicht ist super für dunklere Wege, eine Bremslichtfunktion hätte Ca Go dem Rad aber noch spendieren können.

Gesamtscore: 73/100

Fazit:

Das Ca Go FS200 ist ein großartiger erster Wurf für den jungen Hersteller aus Koblenz. Die Firma RTI ist schon lange im Fahrradteile Vertrieb aktiv, ein komplett eigenes Fahrrad -und dann noch ein so komplexes Lastenrad- ist aber noch ein anderer Schnack. Die Entwicklung hat eine ganze Ecke länger gedauert als geplant und die Tatsache, dass zu Marktstart essentielles Zuebhör noch nicht verfügbar ist, ist schade.

Die Positionierung ist ebenfalls gewagt, da nicht viele bereit sind, 6-9.000€ für ein Lastenrad auszugeben. Ca Go gleicht das aus, indem sie ihr Angebot um die bestehenden Förderprogramme und Leasingangebote stricken, aber wenn das nicht verfügbar ist, ist der Preis ein dickes Brett. Dennoch denke ich, dass sie Erfolg haben werden. Sie haben große Dinge versprochen und das Rad, dass ich hier habe, kann diese Versprechen fast vollumfänglich erfüllen. Bei ein paar Details kann man erkennen, dass gerade dieses Rad mit heißer Nadel gestrickt wurde, aber alle nachfolgenden Räder und besonders die, die an die Kunden gehen, dürften noch einmal einen höheren Reifegrad haben. Wenn man also bereit ist, einen gewissen Vertrauensvorschuss zu geben oder auf gewisses Zubehör zu warten, bekommt man ein hervorragendes Cargobike!

* Ca Go hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung der Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.