Tern HSD S+ Test: Compactbike + Longtail = Midtail

Das Tern HSD ist eine interessante Mischung aus Longtail Cargobike und kompaktem Pedelec. Die Variante S+ markiert die höchste Ausstattungsstufe mit einem kräftigen Bosch Performance Motor und Enviolo Automatiq. Ich konnte das variable Compactbike 4 Wochen im Alltag testen* und das ist meine Bewertung:

Hier gehts zur Score-Übersicht.

Und hier zu der Erklärung der Bewertung.

Fahrrad Kategorie

Fahrverhalten: 9/10
Das Tern HSD S+ fährt sich mit den kleinen 20 Zoll Rädern und dem kräftigen Motor sehr agil und bleibt jederzeit stabil und einfach im Handling. Die stabile Konstruktion mit dem zusätzlichen Komfort durch Federsattelstütze und Federgabel ist für lange Tage im Sattel gut und die Beladungskapazität kann voll genutzt werden, ohne dass das Fahren anstrengend oder kompliziert wird. Das ist dem niedrigen Gesamtschwerpunkt und der ausgeglichenen Lastverteilung zu verdanken. Das gesamte Fahrverhalten ist sehr flott und angenehm.

Innovation/Design: 8/10
Tern hat eine jahrelange Erfahrung in der Konstruktion von Falträdern und Compactbikes. Viele dieser Ideen und Erfahrungen fließen direkt in das HSD ein. Der variabel verstellbare und klappbare Vorbau sorgt für eine einfache Anpassung und dafür, dass man das Rad einfach verstauen kann. Die zweigeteilte Sattelstütze ist ebenfalls eine geniale Idee, da man so auch einfach die obere Stütze für seinen Bedarf tauschen kann, ohne auf ein Sondermaß angewiesen zu sein. Ebenfalls ist das HSD eines der wenigen Kompakträder, auf dem man auch mit einer Körpergröße von 2 Metern gut sitzen kann. Den Vogel schießt aber der Gepäckträger ab, auf dem man das Rad hochkant abstellen kann. Viele Ideen und sehr praktikabel, allerdings polarisiert die Gestaltung des Fahrrads auch. Mit montiertem Kindersitz (Thule Yepp Maxi) lässt sich der Akku schwer entnehmen.

Ausstattung: 9/10
Die komplette Ausstattung ist sehr hochwertig und komplett auf den Anspruch des Rades abgestimmt. Ein besonderes Schmankerl ist natürlich die Enviolo Automatiq, die aktuell in nur sehr wenigen Rädern verbaut ist. Bis auf die Schaltung bietet das Tern allerdings auch keine extravaganten Ausstattungsmerkmale und der proprietäre Scheinwerfer ist eher schwach auf der Brust. 

Preis: 4/10
Mit 5200 Euro bewegt sich das HSD S+ am oberen Spektrum des Compactbike Marktes und ist auch teurer als das GSD S00, dem zum S+ auch einige Details fehlen. Gemessen an der Ausstattung mag der Preis gerechtfertigt sein, aber dann muss man auch die Besonderheiten der Ausstattung schätzen.

Qualität: 8/10
Alle Schweißnähte und Details sind sauber verarbeitet und die Lackqualität stimmt. Die gesamte Konstruktion ist sehr hochwertig und stabil. Federgabeln sind immer Schwachstellen, somit muss man ein besonderes Augenmerk darauf legen und sie regelmäßig pflegen. Zubehörteile wie Frontgepäckträger und Packtaschen können schnell zu Abnutzungserscheinungen bei den Befestigungspunkten und an potenziellen Scheuerstellen führen.

Familienbike Kategorie 

Variabilität: 7/10
Das Tern HSD lässt sich sehr variabel nutzen und kann als Begleiter in den meisten Lebenssituationen dienen. Durch den Formfaktor des Longtails ist es nicht so variabel wie ein Longtail, da sperrige Lasten nur eingeschränkt transportierbar sind. Tern macht diesen Nachteil durch ein sehr großes Angebot an verschiedenem Zubehör wett, mit dem sich das Rad sehr gut anpassen lässt.

Sitze/Bank: 3/10
Auf dem Tern HSD kann man nur ein Kind mitnehmen und benötigt dafür einen Kindersitz, der sich auf dem Gepäckträger montieren lässt. Die Mitnahme von Babies und Kleinstkindern ist nicht möglich, außer mit einem Anhänger.

Zubehör: 7/10
Tern bietet, wie auch schon geschrieben, eine riesige Auswahl sehr hochwertigen Zubehörs an und hat auch das Rad so gestaltet, dass Zubehör von Drittherstellern einfach passt. Günstig ist das Zubehör allerdings nicht und anders als das GSD wird das HSD standardmäßig ohne Packtaschen o.ä. ausgeliefert. Einiges an Zubehör für den Transport von Mitfahrern ist (noch?) nicht verfügbar.

Parken und Rangieren: 10/10
Das HSD zu parken und zu rangieren ist einfacher als bei den meisten anderen Rädern, da es sehr klein ist und an jeden Fahrradständer passt. Ebenso lässt es sich hochkant parken, was mit etwas Übung auch sehr einfach funktioniert. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist das hohe Eigengewicht von über 30kg mit Zubehör.

Sicherheit: 7/10
Auf dem HSD fühlt man sich gleich zuhause und hat so ein sehr natürliches Fahrgefühl. Das Aufsteigen, Anfahren, Bremsen und Abstellen ist sehr einfach und der Seitenständer hält das Rad sicher im Stand, auch wenn ein Kind auf dem Sitz sitzt. Aufpassen muss man, wenn der vordere Gepäckträger beladen ist, da je nach Gewicht die Gabel eintaucht und sich die Last bei schon geringer Geschwindigkeit aufschaukelt. Lasten über 10 Kg würde ich eher nach hinten verfrachten. Das Rad ist mit vielen Reflektoren ausgestattet.

Gesamtscore: 72/100

Fazit:

Wenn man ein Pedelec mit viel Komfort und der Extraportion Variabilität sucht, das dann auch noch kompakt sein soll, kann man mit dem HSD nicht viel falsch machen. Allerdings muss das Budget es auch hergeben, denn auch der Einstieg ist mit über 3000 Euro schon nicht billig. Dafür bekommt man aber eine ansehnliche Ausstattung und ein Rad, das mit vielen tollen Ideen und einer hochwertigen Verarbeitung aufwarten kann. Für alle, die mehr als ein Kind transportieren müssen, ist aber eher der große Bruder, das GSD geeignet.

* Hartje hat mir das Rad zur Verfügung gestellt und bezahlt mich für die Erstellung zweier Videos. Auf meine Meinungsäußerung, die Gestaltung meiner Videos und die Erstellung dieser Bewertung hat dies keinen Einfluss. Ich bin herstellerneutral.

Beteilige dich an der Unterhaltung

3 Kommentare

  1. Hallo und Daumen hoch fürs Tern HSD.
    Wir haben uns für das Einstiegsmodell mit kleinerem Motor und Kette entschieden.
    Alles top
    Jedoch konnte uns der Händler keinen Kindersitz so wie hier im Video anbieten. Angeblich noch nicht lieferbar🤷‍♂️
    Wir bitten um genaue Angaben zum hier auf dem HSD angebauten Kindersitz!

    Danke

  2. Hallo Sebastian,

    zu dem Sitz kommt heute Abend ein Video auf meinem Kanal, dort ist auch ein Link in der Beschreibung. 🙂

  3. Hallo Tilman,

    ich habe mich längere Zeit gewundert wie man die enorme Verstellbarkeit bzgl. der Fahrergrößen beim HSD hinbekommt. Vermutlich geht das nur sinnvoll über die drei verschiedenen Längen der „Vorbaueinheiten“ (z.B. Lenker Bauart: Flat Modell: Tern Physis 3D, 12°,290 mm, 320mm, 350 mm). Mit welcher „Vorbaueinheit“ warst du unterwegs und wie groß war dann die kleinste Fahrer(inn)? Ich denke am sollte diese Einschränkung schon nennen – sonst geht man von falschen Voraussetzungen aus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.